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Priester in Ruhestand versetzt

Bätzing setzt ein Zeichen

EIN KOMMENTAR Von Tobias Rösmann
 - 12:29
Bischofssitz in Limburg

Der Limburger Bischof muss sich seiner Sache sicher sein. Anders ist die Entscheidung Georg Bätzings, einen 57 Jahre alten Priester in den vorzeitigen Ruhestand zu versetzen, nicht zu erklären. Denn der Mann, dem von verschiedenen Zeugen in den vergangenen zwei Jahrzehnten mehrere sexuelle Übergriffe vorgeworfen worden sind, ist trotz Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und des Bistums selbst bislang keiner Tat angeklagt worden. Und erst recht gibt es kein Urteil gegen den Geistlichen, der Kindern und Jugendlichen immer wieder viel zu nahe gekommen sein soll. Juristisch gesehen, ist der Mann unbescholten.

Trotzdem ist die Entscheidung Bätzings richtig. Denn die Vorwürfe wogen offenbar schon 2010 so schwer, dass der Priester während weiterer Ermittlungen zunächst suspendiert und später nicht wieder in einer Gemeinde eingesetzt wurde, sondern als Lehrbeauftragter an eine katholische Hochschule wechselte. Als sich dann im vergangenen Jahr in Folge der Studie zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche abermals Zeugen und wohl auch Betroffene meldeten, muss für Bätzing das Maß voll gewesen sein.

Zwar schilderten die neuen Zeugen keine neuen Fälle. Doch ihre Aussagen, die sich auf Vorfälle bezogen, die schon länger zurücklagen, muss der Bischof als glaubwürdig und wahrhaftig erachtet haben. Dass er nun handelt, ist nur konsequent: Der beschuldigte Priester kann und darf beruflich nie wieder mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben. Folgt er dem nicht, kann ihm das Ruhegeld gekürzt werden.

Der Limburger Bischof setzt damit ein Zeichen. Ob er auch arbeitsrechtlich einwandfrei handelt, muss gegebenenfalls ein Gericht klären. Dass aber Bätzing den Aussagen von Zeugen und mutmaßlichen Opfern nicht nur Gehör schenkt, sondern ihre Angaben zur Grundlage seiner Sanktionen macht, ist überaus erfreulich. Viel zu lange hat die katholische Kirche nur den Tätern in den eigenen Reihen geglaubt, hat ihnen beim Vertuschen der Taten zur Seite gestanden und die Opfer abgekanzelt. Anfeindungen aus dem Klerus wegen seines Vorgehens wird Bätzing aushalten müssen. Allen anderen zeigt er, dass er verstanden hat.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Rösmann, Tobias
Tobias Rösmann
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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