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Musikverlag aus Mainz

Corona trifft Schott hart

Von Jochen Remmert
Aktualisiert am 04.07.2020
 - 12:30
Zwangsruhe: Im Hof des Schott-Sitzes in Main finden derzeit keine Konzerte statt.
Der Musikverlag von Weltruf aus Mainz rechnet angesichts der Corona-Krise mit dramatischen Einbrüchen. Zudem ist unklar, ob die Hilfen für die Kunst- und Kulturschaffenden der Bundesregierung auch bei Schott ankommen werden.

In diesem Jahr, in dem sich die Unternehmensgründung zum zweihundertfünfzigsten Mal jährt, hatte der Schott-Musikverlag in Mainz, die Schott Music Gruppe, so viel vor. Nicht nur der Blick zurück in die von Beziehungen zu den ganz Großen der Musik geprägten Geschichte, sondern auch der Blick nach vorn in die digitale Zukunft sollte das Jubiläumsjahr bestimmen. So war etwa ein Festkonzert geplant, bei dem die Musiker eines großen Klangkörpers erstmals nicht von papiernen Notenblättern spielen, sondern Tablets vor sich haben sollten, wie Unternehmenssprecherin Christiane Albiez berichtet. Doch die Corona-Pandemie und die daraus folgenden Reise- und Versammlungs-Beschränkungen haben das gesamte Konzertgeschehen zum Erliegen gebracht.

Statt eines turbulenten Jubiläumsjahrs mit reichlich Arbeit sind die 170 Mitarbeiter in Mainz und die 40 Repräsentanten des Verlags in aller Welt von New York über London und Madrid bis Peking und Tokio praktisch ohne Geschäft. Zurzeit ist Albiez zufolge Kurzarbeit, bei der die Arbeitsagentur einen Großteil der Personalkosten trägt, die einzige Hilfe, die es dem traditionsreichen Familienunternehmen erleichtert, mit dem Ausfall des Konzert-Geschäfts zurechtzukommen.

Das ganze Ausmaß des Schadens

Die Belieferung der großen Orchester mit Noten und die Tantiemen aus den Aufführungen sind eine tragende Quelle für Umsatz und Gewinn des Unternehmens. Dazu muss man wissen, dass Schott die Noten Orchestern und Opernhäusern in aller Welt auch leihweise zur Verfügung stellt. Die Anfragen werden über das Portal www.zinfonia.com abgewickelt. Kunden können dort schnell Bestellungen aufgeben.

Ob aus den gerade von der Bundesregierung beschlossenen Hilfen für die Kunst- und Kulturschaffenden auch etwas bei Schott in Mainz ankommen wird, lässt sich derzeit noch nicht sagen. Das müssen die nächsten Tage und Wochen zeigen, wie Albiez, die Mitglied der Geschäftsführung ist, sagt. Dass Schott erhebliche finanzielle Einbußen in der Pandemie hinzunehmen hat, ist schon jetzt klar. Aber das ganze Ausmaß des Schadens wird Schott erst mit Verzögerung beziffern können. Denn die Erträge aus den Konzerten werden durch die komplizierte Abrechnung der Entleihgebühren und Tantiemen erst im nächsten Geschäftsjahr zum Tragen kommen.

Bedeutung für Musikwelt und Kultur

Für einen Musikverlag erscheint es auf den ersten Blick nicht ganz so leicht, eine Systemrelevanz und entsprechenden Unterstützungsbedarf nachzuweisen wie etwa für die größte deutsche Fluggesellschaft. Schaut man aber darauf, was und wen Schott im Rückblick auf die 250 Jahre währende Unternehmensgeschichte feiern könnte und würde, wird deutlich, welche Bedeutung für Musikwelt und Kultur das Mainzer Haus weit über Deutschland hinaus beanspruchen kann. Als der Kupferstecher Bernhard Schott 1770 in Mainz einen Verlag gründet und exklusiv das Recht erhält, Noten zu stechen, ist der Grundstein gelegt für eine Zusammenarbeit mit Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven, Richard Wagner und anderen großen Komponisten.

Bei Schott erscheint Beethovens 9. Sinfonie, die zu den bekanntesten Werken der klassischen Musik überhaupt zählt. 1972 bestimmte der Europarat Teile zu seiner Hymne, die später offiziell Hymne der Europäischen Gemeinschaft wurde. Auch finden immer wieder zeitgenössische Werke den Weg ins Verlagsprogramm. Viele davon stammen von Komponisten, die später internationale Bedeutung erlangen. So haben Carl Orff, Igor Strawinsky, Paul Hindemith und Hans Werner Henze ihre Werke bei Schott verlegen lassen.

Neue Impulse für das Musikleben

Der Verlag betrachtet es als seinen Auftrag, junge Komponisten zu fördern. Peter Hanser-Strecker leitet seit Mitte der siebziger Jahre den Verlag. Als geschäftsführender Gesellschafter hat er sich nach eigenem Bekunden zusammen mit Thomas Sertl als Geschäftsführer zum Ziel gesetzt, mit den Komponisten neues Musikrepertoire zu schaffen und immer wieder neue Impulse für das Musikleben zu setzen.

Schott hat auch Kinder und Jugendliche im Blick – selbst in Zeiten der Pandemie. Sie können sich beispielweise unentgeltlich ein Youtube-Video für den Online-Musikunterricht herunterladen, in dem die kleinen Römer Primus, Sekundus, Tertius und ihre Kollegen erläutern, was es mit Intervallen, dem Abstand zwischen zwei Tönen, auf sich hat. In der „Starthilfe Gitarre“ kann der ältere Nachwuchs Akkorde und Akkordwechsel lernen.

Das Verlegen von Noten ist längst nur noch ein Teil der Geschäfte des Verlagshauses. Ein eigenes Logistikzentrum in Mainz-Hechtsheim liefert neben dem verlagseigenen Programm auch die Erzeugnisse von mehr als 120 weiteren Verlagen aus. Rund 130.000 Titel an Noten, Büchern und Tonträgern werden den Angaben zufolge von dort in alle Welt versandt, im verlagseigenen Hochregallager lagern im Moment mehr als 13 Millionen Exemplare.

Quelle: F.A.Z.
Jochen Remmert - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Jochen Remmert
Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.
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