Nahverkehr in Wiesbaden

Als Nächstes die Citybahn

EIN KOMMENTAR Von Robert Maus
Aktualisiert am 19.11.2019
 - 14:20
Wiesbadener Verkehrsgesellschaft Eswe führt die ersten Elektrobusse in den Verkehrsbetrieb ein.
Die Stadt Wiesbaden baut trotz hoher Kosten und Unmut unter Autofahrern ihren öffentlichen Nahverkehr mit E-Fahrzeugen aus. Für den Verkehrsdezernenten wird die Verkehrswende aber erst vollzogen sein, wenn die Citybahn fährt.

Der Slogan ist witzig. „Sei Frischluftvorbild auf ganzer Linie“, appelliert die Wiesbadener Verkehrsgesellschaft Eswe an ihre Fahrgäste und zelebriert auf diese Weise die Einführung ihrer ersten Batteriebusse. Dazu hat die Gesellschaft auch allen Grund. Denn der Kauf der Omnibusse verlief nicht ohne Hindernisse. Die Technik ist neu, der Markt ebenfalls, und deutsche Hersteller waren bei der Entwicklung von E-Fahrzeugen bisher nicht unbedingt federführend.

Man kann sich zudem trefflich darüber streiten, ob Euro-6-Diesel nicht sauber genug gewesen wären, um den Stickoxid-Grenzwert in der Landeshauptstadt künftig einzuhalten. Es ist außerdem fraglich, ob die Öko-Bilanz der Busse wirklich so gut ist, wenn man die Rohstoffe zur Herstellung der Batterien hineinrechnet. Schließlich: Billig ist der Flottentausch auch nicht. Die Entscheidung für die E-Busse ist jedoch gefallen.

Spürbare Entlastung der Anwohner

Für die Wiesbadener bedeuten die neuen Fahrzeuge ein Plus an Lebensqualität. Abgesehen davon, dass sie auf der Straße zu 100 Prozent emissionsfrei unterwegs sind, fahren sie auch sehr leise. Bei der Masse der Busse, die jeden Tag in der City umherfahren, bedeutet das eine spürbare Entlastung der Anwohner.

Der Architekt und Planer der Wiesbadener Verkehrswende, Umwelt- und Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Die Grünen), hielt sich auffallend zurück. Der Aufsichtsratsvorsitzende von Eswe baut die Stadt derzeit grundlegend um. Mehr Radwege sowie weniger und teurere Parkplätze erzürnen nicht wenige Autofahrer. Die Zahl der Verkehrspolizisten ist erhöht worden. Kowols Politik sorgt für morgendliche Staus, weil er den Verkehr aus der Innenstadt leitet.

Aber: Ihm haben es viele Diesel-Fahrer zu verdanken, dass sie überhaupt noch in die Stadt fahren dürfen. Sein Luftreinhalteplan, der unter anderem aufgrund der E-Busse wirkt, hat das Fahrverbot verhindert. Mit diesem Erfolg im Rücken wird er nun an das nächste Projekt gehen. Die umstrittene Citybahn ist für den Grünen unabdingbar, denn er möchte mehr Individualverkehr auf die Schiene verlagern. Nächstes Jahr im Frühsommer sollen die Wiesbadener über den Bau des Projektes entscheiden. Für Kowol wird die Verkehrswende erst dann vollzogen sein, wenn die Citybahn fährt.

Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot