Widersprüchliches zu Wiesbaden

Offenbach fällt aus Hotspot-Liste des RKI heraus

Von Thorsten Winter
30.11.2020
, 15:55
Auch an diesem Montag meldet das RKI für Hessen auffallend wenige neue Corora-Fälle. Ungeachtet der „Montagsdelle“ spricht vieles für ein Abflachen der Kurve bei Neuinfektionen. Ins Auge fällt die Inzidenz in Wiesbaden.

Keine Woche ohne „Montagsdelle“: Auch zu diesem Wochenbeginn stehen für Hessen deutlich weniger neue Covid-19-Fälle zu Buche als an den Vortagen. Das liegt zum einen an weniger Tests am Wochenende und zum zweiten am Meldeverzug seitens der Gesundheitsämter aufgrund des hohen Aufkommens an Daten. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) sind über Nacht 512 bestätigte neue Fälle hinzugekommen. Das sind nur knapp fünf Prozent jener im Bund, während Hessen acht Prozent der Gesamtbevölkerung stellt und in der Vergangenheit oft überproportional vertreten war. Zum Sonntag hatte es noch mehr als 1400 gemeldet. Sinnvoller erscheint aber der Wochenvergleich. Und der fällt durchaus positiv aus: Vergangenen Montag hatte das Bundesinstitut 552 Neuinfektionen gemeldet. Gemeinsam mit den Daten der vergangenen Tage bestätigt dies die Beobachtung nicht mehr steigender Fallzahlen. Vielmehr sinken sie. Das Plateau ist demnach erreicht, zudem flacht die Kurve ab. Und Offenbach ist nach Wochen aus der RKI geführten Top15 der Landkreise und Großstädte mit den höchsten Corona-Kennziffern herausgefallen. Nur vier Landkreise befinden sich nicht auf der höchsten Warnstufe nach dem Eskalationskonzept des Landes.

Noch nicht so eindeutig scheint der Trend bei den Zahlen der Corona-Opfer. Aktuell meldet das RKI acht weitere Todesfälle. Vor einer Woche waren es sechs. Dagegen zeigte etwa der Vergleich vom 21. November zum 28. November eine deutlich Abnahme um mehr als 50 Prozent. Zum 27. November wurden wiederum drei Todesfälle mehr verzeichnet als vor Wochenfrist.

Offenbach nicht mehr in Hotspot-Liste

Die Inzidenz der vergangenen sieben Tage lag laut RKI in Deutschland zuletzt bei 136 Fällen pro 100.000 Einwohner. Bayern, Berlin, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Thüringen wiesen demnach höhere Werte auf. Wie aus der Corona-Landkarte des RKI folgt, liegen weite Teile von Hessen auf der höchsten Warnstufe nach dem Eskalationskonzept des Landes (siehe Grafik). Alle Großstädte und die meisten der 21 Landkreise weisen eine Inzidenz von mehr als 100 Punkten auf. Ausnahmen bilden nur die Kreise Bergstraße, Hersfeld-Rotenburg, Vogelsberg und Waldeck-Frankenberg. Sie alle sind ländlich geprägt und vergleichsweise übersichtlich besiedelt.

Allerdings sinkt die Inzidenz, die die bestätigen Fälle der vergangenen sieben Tage unter 100.000 Einwohnern angibt. Für Frankfurt steht ein Wert von 164 zu Buche nach 178 vor einer Woche und für Offenbach einer von 255 nach 306. Offenbach ist zudem aus der Tabelle des RKI mit den 15 höchsten Inzidenzwerten in Deutschland herausgefallen.

Fragezeichen zu Wiesbaden, Hotspot bei 500

Für Wiesbaden meldet das Bundesinstitut die Zahl 178, die Stadt gibt ihre Inzidenz dagegen mit 237 an. Auch an den vergangenen Tagen klaffte eine beachtliche Lücke. Auf der Homepage der Stadt Wiesbaden heißt es dazu unter Verweis auf personelle und technische Engpässe: In den Statistiken des Landes Hessen und des RKI fehlen aktuell circa 400 Meldungen, sodass die dortige 7-Tage-Inzidenz einen deutlich niedrigeren Wert aufweist als die vom Gesundheitsamt tagesaktuell erhobenen Daten. Der Arbeitsprozess wurde zwischenzeitliche angepasst, sodass sich die Zahlen in den kommenden Tagen angleichen werden. Die Meldungen des Gesundheitsamtes geben das tatsächliche Infektionsgeschehen in Wiesbaden wieder.“ Für das benachbarte Mainz gibt das RKI den Kennwert mit gut 184 an.

In der hessischen Kleinstadt Linden nahe Gießen bleibt die Inzidenz nach einem Ausbruch des Virus in einem Altenheim nahe der Marke 500. Für Irritationen hat in Internetforen allerdings die Angabe des Landkreises Gießen gesorgt, Linden habe 175 Fälle aus den vergangenen sieben Tagen zu Buche stehen. Die Einwohnerzahl von gut 13.000 hochgerechnet, müssen es aber etwa 65 bestätigte Fälle binnen Wochenfrist sein. 175 Fälle bedeuteten eine Sieben-Tage-Inzidenz von 1350. Der Landkreis teilte der F.A.Z. dazu mit: „Anhand der aktiven Fälle, die wir veröffentlichen, lässt sich nicht die Inzidenz berechnen. Als aktive Fälle sind Personen aufgeführt, die als infektiös gelten und sich in der Regel 14 Tage in Quarantäne befinden.“

Seit März sind dem RKI fast 86.800 Fälle bekanntgeworden und 1248 Covid-19-Opfer. Am 1. Oktober waren dagegen nur gut 19.000 Infektionen und 551 Tote verzeichnet. Diese Zahlen zeigt die Dynamik der Pandemie im Spätherbst. Wichtig: Bis sich steigende Fallzahlen auf die Todesfall-Statistik auswirken, vergehen in der Regel einige Wochen, wenn schwere Verläufe tragisch enden. Umgekehrt gilt nach gut zwei Wochen als genesen, wer dann nicht ärztlich behandelt wird. Für Hessen gibt das RKI rund 58.300 Genesene an, wobei das Institut diese Zahl nur schätzt. Amtlich erhoben wird sie nicht. Abzüglich der Genesenen und Toten sind gemessen an der Zahl der seit März gemeldeten Neuinfektionen noch 27.252 Fälle aktiv.

Weiter aufwärts zeigt sich die Kurve mit Blick auf die Corona-Kranken in hessischen Kliniken und dabei auch auf die beatmeten Patienten. Nach 1628 Covid-19-Patienten vor einer Woche betreuen die Krankenhäuser nun fast 100 mehr. Die Zahl der Beatmeten ist von 327 auf 371 gestiegen. Das sind gut sieben Mal so viele wie Anfang Oktober. „Derzeit gibt es 281 freie Beatmungsbetten in hessischen Krankenhäusern“, teilte das Sozialministerium der F.A.Z. am vergangenen Mittwoch mit; es aktualisiert diese Zahlen wöchentlich. Ob es auch genügend qualifiziertes Personal für diese Betten gibt, steht dahin. Vor einigen Tagen zeigte sich der ärztliche Direktor des Uni-Klinikums Frankfurt wegen Personalmangels besorgt.

Das hessische Sozialministerium veröffentlicht täglich eine Übersicht der Corona-Entwicklung, aufgeschlüsselt nach Kreisen und kreisfreien Städten. Es bezieht sich dabei auf Zahlen des RKI. In den ersten Wochen der Pandemie berücksichtigte es auch Daten des Hessischen Landesprüfungs- und Untersuchungsamts im Gesundheitswesen beim Regierungspräsidium Gießen, dem die Gesundheitsämter die jeweils neuen Fälle melden müssen. Um Einheitlichkeit herzustellen, nimmt das Ministerium nun nur noch die RKI-Angaben.

Aus Frankfurter Sicht ist grundsätzlich wichtig: Die am Flughafen genommenen positiven Tests werden nicht der Stadt zugeordnet. Vielmehr schlagen sie sich nach Angaben des Sozialministeriums in der Statistik des Gesundheitsamts nieder, das für den jeweiligen Reiserückkehrer zuständig ist. Das kann auch das Frankfurter Amt sein oder ein anderes in Hessen, aber eben auch eine Behörde in einem anderen Bundesland.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Winter, Thorsten (thwi)
Thorsten Winter
Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.
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