Rhein-Main

Zehntausende zusätzliche Wohnungen durch Aufstockung möglich

Von Rainer Schulze
16.09.2021
, 17:58
Flugobjekt: Ein Kran hebt neues Wohn-Modul auf ein Haus
Wenn Häuser aufgestockt werden, könnten alleine in Rhein-Main zehntausende Wohnungen entstehen. Dies weist eine Studie der TU Darmstadt aus. Die Haus- und Grundbesitzer haben gleich eine Forderung.

Durch die Aufstockung bestehender Gebäude können im Rhein-Main-Gebiet rund 240.000 zusätzliche Wohnungen entstehen. Zu diesem Ergebnis kommt nach Angaben des Eigentümerverbands Haus & Grund eine Untersuchung des Ingenieurs Karsten Tichelmann von der TU Darmstadt. Tichelmann untersuche im Rahmen einer „Deutschlandstudie“ regelmäßig, wie neuer Wohnraum geschaffen werden kann, ohne dafür der Natur Flächen zu entziehen. Dabei berücksichtige er auch Parkhäuser, Büro- und Verwaltungsgebäude sowie eingeschossige Einzelhandelsmärkte.

Christian Streim, Vorsitzender von Haus & Grund Hessen, findet die Zahlen ernüchternd und ermutigend zugleich: „Die Entwicklung belegt, wie untätig die Landesregierung bislang war, zeigt aber auch einen praktikablen Ausweg aus der Wohnraum-Misere.“ Streim fordert Land und Kommunen auf, solche Baumaßnahmen zu fördern und schnell und einfach zu genehmigen, etwa indem auf die Stellplatzablöse für Dachausbauten und Aufstockungen verzichtet wird. 85 Prozent der Wohngebäude seien in privater Hand. „Damit stellt die Gruppe der privaten Hauseigentümer ein großes zusätzliches Potential für den Wohnungsmarkt dar, das gut gehoben werden kann.“

„Aufstockung erfordert kein Bauland“

Die Aufstockung sei auch ökologisch sinnvoll: Tichelmann hält es für unvereinbar mit den Klimaschutzzielen, neues Bauland zu erschließen. Dem Autor der Studie zufolge sind im Rhein-Main-Gebiet seit 2018 etwa 4200 neue Wohnungen durch Aufstockungen bestehender Gebäude entstanden, für die kein neues Bauland versiegelt werden musste. Angesichts des Potentials von bis zu 240.000 Wohnungen sei das eine geringe Anzahl, zumal die Bevölkerung des Rhein-Main-Gebiets den Prognosen zufolge bis 2030 um bis zu 300.000 Einwohner zunehmen werde. „Aufstockung erfordert kein Bauland und keine Erschließung, weil die Infrastruktur bereits vorhanden ist. Zudem senkt sie den Energiebedarf des darunter liegenden Gebäudes“, sagt Streim.

Nicht nur einzelne Häuser kommen in Frage. In Frankfurt wurden in den vergangenen Jahren bereits einige Wohnsiedlungen aufgestockt und bei der Gelegenheit auch saniert. Wie Frank Junker, der Geschäftsführer der städtischen ABG, immer wieder betont, sei dies aber nicht in jedem Falle sinnvoll, da einige Siedlungen in den Vorjahren bereits saniert wurden, ohne dabei von der Aufstockung Gebrauch zu machen. Eine Aufstockung lohne sich nur, wenn die Dächer nicht kürzlich neu gedeckt und gedämmt wurden. Junker schätzt, dass sich im gesamten Stadtgebiet rund 2500 Wohnungen durch die Aufstockung und Ergänzung von ABG-Siedlungen gewinnen ließen.

Quelle: F.A.Z.
Rainer Schulze - Portraitaufnahme für das Blaue Buch
Rainer Schulze
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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