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Sauklaue und Handkrämpfe

Kinder können nicht richtig schreiben

Von Ewald Hetrodt
 - 10:30
Druckschrift, aber wenigstens ordentlich: Immer weniger Schüler können ohne Probleme mit der Hand schreiben.

„Die Handschrift ist eine unserer grundlegenden Kulturtechniken und individuelles Markenzeichen jedes Menschen.“ So formulierte es der hessische Kultusminister Alexander Lorz (CDU) gestern bei einem Termin in der Wiesbadener Martin-Niemöller-Schule. Der Unternehmer Christian Boehringer berichtete anschaulich, dass sich in seiner Firma gerade dort, wo die größten Computer stünden, auch die meisten Zettel mit handschriftlichen Aufzeichnungen fänden. Darum war das Lob groß, das der Stiftung Handschrift zuteilwurde. Sie veranstaltet in diesem Jahr schon zum zweiten Mal einen Schreibwettbewerb für die sechsten und siebten Klassen aller Schulformen in ganz Hessen, und die Resonanz steigt.

Rund zehntausend Jungen und Mädchen sind schon dem Aufruf gefolgt, bis zum 31. Mai mit der Hand aufzuschreiben, wie man andere und sich selbst glücklich machen kann. Die Hausherrin Elisabeth Walldorf hatte Kinder ihrer Schule eingeladen. Auf großen Tafeln präsentierten sie die Texte, mit denen sie sich an dem Wettbewerb beteiligen. Was sie zeigten, dürfte weit über dem Durchschnitt liegen. Denn die von der Stiftung gelieferten Fakten sind alarmierend. Danach haben 51 Prozent der Jungen und 31 Prozent der Mädchen in den weiterführenden Schulen Probleme mit der Handschrift. In der Sekundarstufe I können nur noch die Hälfte der Schüler mit einer flüssigen Handschrift schreiben. Die anderen fallen mangels Übung in die gedruckte Handschrift zurück.

Schreibkrampf nach 15 Minuten

Die Lehrerinnen bestätigten gestern noch einen weiteren, dramatischen Befund. Zwei Drittel der Schüler können keine längeren Passagen beschwerdefrei mit der Hand schreiben. Sie bekämen nach zehn bis 15 Minuten einen Schreibkrampf, berichtete Raoul Kroehl, Bildungsleiter der Stiftung. Dann würden Lockerungsübungen gemacht. Die Schwierigkeiten beträfen alle Schulformen gleichermaßen. Der Kern des Problems bestehe darin, dass außerhalb des Schulunterrichts nicht mehr geschrieben werde, sagte Lorz. Das sehen Elternvertreter anders: Sie beklagen, dass in hessischen Grundschulen keine einheitliche Ausgangsschrift gelehrt werde und jeder Lehrer andere Schriften bevorzuge. Darum könnten viele Kinder nur noch Druckschrift. Im Curriculum sei verankert, dass die Kinder am Ende der Grundschulzeit die Schreibschrift beherrschen müssten, sagte Lorz. Doch der Weg dorthin ist offenbar nicht geregelt.

Viele Kinder könnten bei der Einschulung die Druckschrift, stellte der Sprecher des Ministeriums fest. Weil man sie „mitnehmen“ wolle, beginne man häufig auch mit dieser Schrift. Sie ist aber keineswegs eine Vorstufe zur verbundenen Schreibschrift. Kinder, die sie erlernen könnten, verlieren also Zeit, wenn sie Pech und den falschen Lehrer haben. Die Landeskoalition werde die Stundentafel für die Grundschule um eine Stunde Deutsch erweitern, sagte Lorz. Dass dies die Schreibschrift retten werde, behauptete er erst gar nicht. Stattdessen dachte er laut darüber nach, dass die Lehrkräfte den Grundschülern Tipps geben könnten, „wie sie ihre Hände halten“. Boehringer sagte: „Mit dem Wettbewerb adressieren wir das Problem. Gelöst haben wir es nicht.“ Genau darin besteht die Aufgabe des Kultusministers.

Quelle: F.A.Z.
Ewald Hetrodt - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Ewald Hetrodt
Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.
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