Verkehrswende in Mainz

Für eine autofreie Kaiserstraße

Von Markus Schug, Mainz
07.04.2022
, 15:04
Verkehrsader: Die Initiative „Mainz Zero“ fordert, die drei linken Spuren der zentralen Kaiserstraße nur noch für Fahrräder, Busse und Fußgänger freizugeben.
Zu zögerlich sei man im Mainzer Rathaus, wenn es darum gehe, den Autoverkehr in der Stadt deutlicher als bisher zurückzudrängen: Das meinen Vertreter von „Mainz Zero“, die deshalb nun aufs Tempo drücken wollen.
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Der Vorschlag der Klimaschützer von „Mainz Zero“, einen Teil der Kaiserstraße in eine verkehrsberuhigte Zone zu verwandeln, ist ebenso attraktiv wie „explosiv“. Schließlich handelt es sich dabei derzeit noch um eine der zentralen Hauptverkehrsachsen der City, die beidseitig der begrünten Mittelachse jeweils bis zu drei Spuren zu bieten hat. Das von der Bürgerinitiative vorgestellte „Leuchtturmprojekt“ sieht dagegen vor, die der Neustadt zugewandte Seite der Kaiserstraße nur mehr für Busse, Fahrradfahrer und Fußgänger freizugeben. „So wäre die vor 150 Jahren von Eduard Kreyßig erdachte und gebaute Prachtstraße mit dazugehöriger Grünanlage endlich auch als solche zu nutzen“, hieß es bei der Vorstellung der eigenen Pläne zum Thema „Verkehrswende“ – einem, das von den Rathauspolitikern in Mainz weiterhin „viel zu zögerlich“ angegangen werde.

Zwar habe sich der Stadtrat im November 2021 für einen „konsequenten Klimaschutz“ sowie grundsätzlich für Verbesserungen im Nahverkehr, für Fußgänger und Fahrradfahrer ausgesprochen. Unter anderem soll der Bau einer neuen Innenstadt-Straßenbahnlinie geprüft werden. Das offiziell angepeilte 80-Prozent-Ziel – sprich: so groß sollte künftig der Anteil dieser drei Gruppen am gesamten innenstädtischen Verkehrsaufkommen sein – sei jedoch nicht mit einem konkreten Zeitplan verbunden worden, lautet die Kritik der Bürgerinitiative. Deren Sprecher möchten die 80-Prozent-Marke dagegen bis spätestens 2030 verwirklicht sehen. Bis dahin wäre der Autoanteil in der City von derzeit etwa 40 Prozent auf nur noch gut 20 Prozent zu verringern.

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Bei einer Infoveranstaltung im Wolfgang-Capito-Haus wurde vor wenigen Tagen noch einmal intensiv über wünschenswerte, aber auch realistische Veränderungen am Mainzer Mobilitätskonzept diskutiert. Der noch nicht sehr alte, mit 1,25 Metern aber „ungesetzlich schmale Radweg“ an der Binger Straße sei ein Beleg dafür, dass in Mainz der Autoverkehr immer noch höher bewertet werde als Rad- und Fußverkehr.

Keine größeren Bauarbeiten nötig

Dabei handele es sich bei dem betreffenden Abschnitt zwischen Universität und Hauptbahnhof um die Strecke mit dem „höchsten Radpotential“ in der Stadt, die täglich von bis zu 10.000 Fahrradfahrern genutzt werde. Außerdem fehlten in Mainz ausgedehnte Spazierwege, die als ausgewiesene Grünstreifen unter anderem für eine bessere Anbindung der Stadtteile sorgen könnten. Langfristig müsse zudem in ein regionales Radfernnetz investiert werden, um etwa Bingen und Oppenheim mit Mainz, Darmstadt, Frankfurt und Wiesbaden zu verbinden.

Viele Vorschläge seien ohne größere Bauarbeiten, die wiederum mit langen Genehmigungsverfahren verbunden wären, möglich, sagte Armin Schulz, ein ehemaliger Stadt- und Verkehrsplaner von „Hessen Mobil“, der nun bei „Mainz Zero“ aktiv ist. Aktuell stelle sich die Lage, wenn man etwa von Gonsenheim in die Innenstadt möchte, noch wie folgt dar: Für Autos stünden auf dieser Strecke meist zwei Fahrspuren zur Verfügung. Für Fahrradfahrer aber gebe es kaum Komfort und wenig Sicherheit. Unterwegs stoße man auf zahlreiche nicht abgesenkte Bordsteine und auf etliche Engstellen mit Kontakt zum Fußverkehr; und im Winter seien viele Radwege auch nicht geräumt.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Schug, Markus
Markus Schug
Korrespondent Rhein-Main-Süd.
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