Der Wandertipp

Aus Sicht der Römer

Von Thomas Klein
Aktualisiert am 13.11.2020
 - 17:05
Anerkennung zu Unesco-Weltkulturerbe 2005: Seitdem ist das Kastell Kapersburg ein Landschaftspark
Wehrheim, Saalburg-Siedlung. Schon am Bahnsteig wird man mit Informationen empfangen. Wer sich auf römische Spuren durch den Taunus begibt, erhält zu Gehalt und Gestalt von Limes und Kastellen erschöpfend Auskunft.

Fünfzehn Jahre liegt es zurück, dass die Unesco den römischen Limes zum Weltkulturerbe erhob, um genau zu sein, den Obergermanisch-Rätischen Limes als Teil des Großprojekts aller „Grenzanlagen des Römischen Reiches“. Der 550 Kilometer lange „deutsche“ Abschnitt zwischen Mittelrhein und Donau rangiert da hinter dem nordenglischen Hadrianswall an zweiter Stelle. Im Bemühen, diesem größten Bodendenkmal Europas durch Rekonstruktionen, Lehrpfade oder Führungsdienste („Cicerones“) Gehalt und Gestalt zu geben, vermutlich aber ganz vorne.

Grundlage bildet das jahrzehntelange Wirken der Reichslimeskommission ab 1892, das den Verlauf samt Kastellen (120) und Türmen (900) klärte, hat auch die jüngere Forschung manch frühe Vorstellung zurechtgerückt. Heute sieht man im Limes weniger ein unüberwindliches Bollwerk, als viel eher Machtsymbol und Annäherungshindernis, das, wie die Germaneneinfälle im 3. Jahrhundert zeigten, keine ernsthafte Hürde darstellte. Hilfstruppen, Siedlungswilligen oder Händlern stand die Grenze immer offen. Solche Übergänge sicherten größere Kastelle, und wo regional Gefahren drohte, wurden Wall und Türme verstärkt.

Für beides, das überlegte Anpassen an Topographie und Feindeslage, bietet der Hochtaunus die beste Anschauung. Das bergig-steinige Terrain konservierte wie nirgends sonst den Wall und gibt damit zu erkennen, wie strategisch klug die Strecke östlich des Hauptkammes verlief, um unruhige Stämme wie die Chatten im Usinger Becken im Auge zu behalten.

Verwendung für das spröde Gestein

Entsprechend waren die Türme massiver gemauert und mit der Saalburg ein bedeutendes Militärlager angesiedelt, flankiert von den knapp halb so großen Kastellen Kleiner Feldberg und Kapersburg. Während die Römerbegeisterung im Deutschen Kaiserreich schon um 1900 die Saalburg wieder entstehen ließ, konnten dank der im Vorfeld zur Anerkennung des Limes als Welterbe freigesetzten Mittel auch die zwei kleineren Kastelle in Grundzügen gesichert und landschaftspflegerisch aufgewertet werden. Wo zuvor wuchernde Vegetation das Gemäuer verdeckte, erstrecken sich jetzt gekieste Wege unter schattigen Bäumen. Nur Grassoden auf den Mauerkronen erwiesen sich als wenig geeignet.

Bedarf es auch der Imagination für Römer auf Wachgang und belebte Chattendörfer in der Ebene, die prachtvollen Laubwälder dürften vor 1800 Jahren kaum anders ausgesehen haben. Nur an einer Stelle sind sie weit aufgerissen – im Köpperner Tal für den größten Quarzitbruch Europas. Von einem Aussichtspunkt kann man zusehen, wie Kipplaster das gesprengte Material zu den Brecher-, Sieb- und Entstaubungsanlagen transportieren. Ob schon die Römer das limesnahe Areal nutzten, muss offenbleiben. Bei Kastellen und Türmen fand das spröde Gestein jedenfalls Verwendung.

Wegbeschreibung

Praktischerweise bringt die Taunusbahn den Wanderer direkt zum Limeseinstieg in das Köpperner Tal, Station Lochmühle/Saalburg-Siedlung; ringsum auch viel Parkraum. Noch am Haltepunkt wird man mit Informationen zu Bedeutung und Aufbau des Limes versorgt. Die Tafeln sind Teil eines 30 Kilometer langen „Erlebnispfades“ durch den Hochtaunus, dessen Einrichtung gleichfalls auf die Anerkennung als Unesco-Welterbe zurückgeht.

Das gehobene Wohnviertel jenseits der Gleise wird lediglich am Rande berührt, wenn es mit dem stilisierten Limesturm (schwarz) – und weiterer Zeichen – eine Straße hinaufgeht. Gleich dahinter beginnt der Wald, wo der noch erstaunlich mächtige Grenzwall wie eine Leitplanke die Richtung vorgibt. Die meisten Markierungen biegen bald über den Wall ab; wir verbleiben beim Türmchen links davon. Erst nachdem etwa zwei Kilometer später eine dunklere Fichten- und Niederwaldpartie durchschritten und ein Sträßchen erreicht wurde, ändert sich das.

Es ist die Zufahrt des nahen Bundeswehrdepots Köppern. Das Limeszeichen umschifft es großräumig gen Kapersburg östlich. Etwas kürzer und angenehmer, weil flacher ist die Variante links herum. Es sei denn, man lässt das Kastell aus. Dann rechts mit dem Türmchen über den Schlängelpfad parallel zur Straße und nach gut tausend Metern rechts in die Hauptstrecke eingefädelt.

Ansonsten heißt es links dem breiten Asphaltband zum Haupttor der Militäreinrichtung gefolgt und dahinter rechts zwischen Heckensaum und Zaun auf nun unbefestigtem Weg weiter. Einmal erhaschen wir hierbei quasi den Blick der Römer über Wehrheim und das Usinger Becken bis zum Großen Feldberg, nur um gleich wieder von Bäumen verdeckt zu werden. Noch einen Kilometer begleitet man den Zaun an der Westseite, ehe rechts aufwärts weiter daran entlang zur Kapersburg eingewiesen wird.

Oben liegt das Kastellfundament etwas versteckt. Die Grundmauern der vorgelagerten Therme offenbaren sich erst hinter dem zu kreuzenden Limes und einem Holzgebäude. Leicht ansteigend durchmisst die Via principalis auf ganzer Länge zwischen West- und Osttor das parkartige, mit Tischen und Bänken ausgestattete Gelände.

Unter den bereits hier anzutreffenden Markierungen konzentrieren wir uns auf den Dreierverbund aus blauem X sowie T und liegendem U (beide schwarz) und schwenken mit ihnen oben rechts in die Tiefen der Taunuswälder. In immer neuen Aufzügen wechseln Buchen und Eichen beim Gang über den Wellenberg und dann lange abwärts, nur unterbrochen von der Zufahrtsstraße des Bundeswehrdepots. Drüben, unter Aufnahme der Abkürzenden, findet der prachtvolle Laubwald bei unverändertem Geradeaus seine Fortsetzung, bis mit dem Rechtsabzweig 700 Meter weiter für den Anstieg auf den Graueberg umgeschaltet werden muss. Erst am höchsten Punkt ist von einer Plattform erkennbar, dass an der Südflanke das riesige Loch des Quarzitbruchs klafft.

Anschließend geht es nur noch bergab, wobei sturmbedingt umgestürzte Bäume zu umkurven sind. Zu beachten ist unten, dass die Markierungen nach rechts den Limeswall übersteigen und dahinter links in den vom Auftakt bekannten Abschnitt einweisen.

Daten

Länge: 15 (8) km
Höhenmeter: 330
Karte: Hochtaunus, Maßstab 1:25000, Verlag NaturNavi

Anfahrt

Über die A 5, Ausfahrt Friedberg, weiter Richtung Usingen durch das Köpperner Tal bis zur Einfahrt Lochmühle/Saalburg-Siedlung; oder A661 und B456 über Bad Homburg und Saalburg. Öffentliche Verkehrsmittel: halbstündige (sonntags stündliche) Bahnverbindung ab Bad Homburg (S 5).

Sehenswert

Zu den sehr gut erhaltenen Passagen des römischen Limes zählt die Strecke im Hochtaunus, wo die noch mannshohen Wälle fast lückenlos verfolgbar und die Kastelle und Türme zumindest in Grundzügen gesichert sind. Anschaulichkeit und Erforschung trugen wesentlich zur Anerkennung des gesamten Obergermanisch-Raetischen Limes als Unesco-Weltkulturerbe 2005 bei.

Abgesehen von der wiederaufgebauten Saalburg, gilt das Numeruskastell Kapersburg zwischen Rosbach und Wehrheim als das am besten bewahrte Militärlager. Alle Einrichtungen vom Fahnenheiligtum bis zur vorgelagerten Badeanlage konnten freigelegt und großweise aufgemauert werden.

Die Besonderheit liegt im baulichen Nachweis der schrittweisen Aufgabe des Limes seit den Germaneneinfällen im 3. Jahrhundert. Hinsichtlich der nur noch zu einem Viertel der ursprünglichen Kastellgröße von 1,6 Hektar genutzten Fläche hielt zuletzt lediglich eine Handvoll der ursprünglich 200 Mann starken Besatzung die Stellung.

Quelle: F.A.Z.
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