Wein und Wohlstand

Königlicher Glanz in Bad Dürkheim

Von Thomas Klein, Bad Dürkheim
Aktualisiert am 16.10.2020
 - 16:30
Kloster Limburg aus der Adlerperspektive
Beeindruckende Steingebirge wie die frühromanische Klosterruine Limburg und das gewaltige Bollwerk der Hardenburg überragen die Laub- und Kiefernwälder der Vorderpfalz. Der Wandertipp.

Wer Bad Dürkheim sagt, denkt an Wein, Wurstmarkt und Riesenfass, der weiß um die klimatische wie kulturell-historische Brückenlage zwischen fränkischem Westen und uralten Reichslanden. Kelten saßen dort und trieben Eisen- und Salzhandel. Die Römer brachten mit dem Wein Wohlstand, und dank der Salier kam königlicher Glanz in die Vorderpfalz. An die Anfänge des fast 100 Jahre regierenden Geschlechts erinnert die frühromanische Klosterruine Limburg, aktuell zu einem der Korrespondenzorte der Mainzer Kaiser-Ausstellung erkoren.

Wie kaum eine zweite wurde die Erhabenheit und Monumentalität ausstrahlende Abteikirche zum steingewordenen Symbol herrschaftlichen Anspruchs. Vorgesehen als salische Grablege, konnte dieses Selbstverständnis nicht genug überhöht werden, als man in exponierter Lage das Benediktinerkloster mit der 80 Meter langen Kirche in gerade zwei Jahrzehnten bis 1042 erbaute. Doch selbst das genügte dem aufstrebenden Geschlecht nicht. Da sich die Salier durch den zu Königs- und Kaiserwürden gekommenen Konrad II. in einer Reihe mit den großen Bischofssitzen Mainz oder Worms sahen, verlegten sie die Hausabtei an den Rhein nach Speyer. Fast spiegelbildlich zu Limburg entstand die dortige Kirche in der Kreuzform weiter Querarme mit erhöhtem Chor, gekrönt von einem Vierungsturm und doppeltürmigem Westwerk.

Eine der mächtigsten Festungen

Alle salischen Herrscher und einige ihrer Gemahlinnen liegen in Speyer begraben, keiner dagegen auf der Limburg, sieht man von der 1038 früh verstorbenen dänischen Königstochter Gunhild ab, der ersten Frau Kaiser Heinrich III. Ihre moderne Grabplatte ist die einzige Auffälligkeit in der jeder Ausstattung beraubten Klosterruine. Bewusst beließ man beim Wiederaufbau im romantisch-historisierenden Verständnis des 19. Jahrhunderts die Kirche als Torso, gebettet in eine Parkanlage.

Zerstört wurde die Abtei nicht durch Frankreich im späten 17. Jahrhundert. Hier lauerte der Feind im eigenen Haus. Der jahrhundertelange Streit mit den Grafen von Leiningen entlud sich 1504 im Bayerischen Erbfolgekrieg in einer Orgie der Verwüstung. Geschlagen wurde das Kloster, getroffen werden sollten die Leininger Intimfeinde, die pfälzischen Kurfürsten, denen sich der Konvent unterstellt hatte, was diese zur Reformation aber nicht an der Aufhebung hinderte.

Gegen Kurpfalz errichteten die Leininger mit der Hardenburg eine der mächtigsten Festungen des 16. Jahrhunderts. Die auf fast 200 Meter Länge gestaffelten Bollwerke waren aber schon bei ihrer Vollendung überholt und wurden 1794 von französischen Revolutionstruppen gesprengt. Nach Jahrzehnten aufwendiger Restaurierung ist das Gemäuer wie die Klosterruine wieder zu einem beeindruckenden Steingebirge herangewachsen.

Wegbeschreibung

Bad Dürkheim nennt sich mit 850 Hektar zwar stolz die größte weinbautreibende Gemeinde der Pfalz, nicht minder prägend sind freilich seine Laub- und Kiefernwälder. Aufs Schönste werden sie von den sandsteinroten Kloster- und Burgruinen überragt, und noch tiefer reicht der Blick vom 500 Meter hohen Peterskopf.

Beim Start am Großparkplatz zwischen der 330 Meter langen Saline und dem gastronomisch genutzten Riesenfass wird man durch Kurpark und verkehrsberuhigten Kern geführt; Bahnfahrer stoßen von der Mannheimer Straße hinzu. Spielbank und klassizistische Ludwigskirche begrenzen den Park zur Innenstadt. Wahlweise lässt sich dahinter über den Schlossplatz gen (neu-)gotischer Schlosskirche – Grabstätte der Leininger Grafen – laufen oder links zum gastronomisch geprägten Römerplatz und von dort einen Abstecher anfügen.

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Weiter durch die Römerstraße kommen wir am Stadtmuseum im barocken Haus Catoir vorbei. Seine keltischen Grabfunde ragen heraus, darunter einzigartige Stücke aus Etrurien. Dann weist die Gartenstraße rechts hinab ins frühere Gerberviertel. Die Lederhersteller benötigten Wasser, entsprechend halten wir uns links an der kanalartig gefassten Isenach zu einem Verkehrskreisel der B37 und dann drüben auf dem Rad-/Fußweg in Richtung Hardenburg neben dem nun deutlich schmaleren Gewässer.

Das Mauergehäuse der Limburg vor Augen gelangt man zum Stadtteil Grethen. Ehe hier die Straßenseite gewechselt wird, bietet sich ein kurzer Abstecher zum Pfälzischen Naturkundemuseum an. Zwischen den wenigen Häusern drüben folgt man links der Friedrich-Ebert-Straße zur Evangelischen Kirche, wo die Markierung blauer Strich bereitsteht. Sie weist über einen steilen Treppenweg in den bewaldeten Hang.

Gut 120 Meter höher will die Klosterruine hinter Bäumen erst geortet und der Zugang durch ein Gasthaus im einstigen Refektorium entdeckt sein. Das Zeichen verharrt unterhalb der Abtei, man trifft es wieder beim Abgang zum Schlangenweiher, zunächst an einem Sträßchen, dann im Forst halbrechts abzweigend. Auf der anderen Seite steigt der Strich rechts in eine bewaldete Flanke ein, später moderater werdend. Die Bäume entlassen uns erst vor der Hardenburg, daneben die Lindenklause mit Freiluftsitz.

Nach der Besichtigung geht es hinunter zur B37 und drüben rechts in einen Pfad mit dem weißblauen Strich. Durch von Kastanien, Eichen und Kiefern geprägten Wald muss man eine Weile über teils holprige Abschnitte kraxeln bis zum Peterskopf. Ein abrupter Rechtsschwenk sollte beachtet sein, nachdem der Doppelstrich 300 Meter zwischenzeitlich einen roten Punkt begleitete.

Zu den 350 Höhenmetern sind noch 30 für den Aufstieg im 1903 erbauten Bismarckturm draufzusetzen, um das prachtvolle Panorama über den Pfälzerwald bis Kraichgau und Odenwald zu genießen. Stärken kann man sich in einer Freiluftschänke am Sockel. Wir laufen 200 Meter zurück und biegen links mit dem fortan maßgeblichen grünweißen Strich ein. Bergab, mehrmals abknickend, kommt man unten am Forsthaus Weilach heraus. Damit wechseln wir rechts zum roten Punkt. Er führt an einem Parkplatz entlang, von dem sich per kurzem Abstecher die Weilacher Hütte, eine weitere zünftige Einkehr, erreichen lässt.

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Doch die nächste ist nicht fern. Kaum hat der Punkt die Stellfläche am oberen Ende leicht links verlassen, ein Stück durch Wald und über ein Sträßchen geleitet, taucht hinter der Schießsporthalle das „Schützenhaus“ auf. Es folgt dichterer Wald, ehe links zu einigen Häusern und gleich rechts (Straße Forstberg) abgebogen wird. Jetzt sind auch Weinberge zu erleben. Bei freiem Blick über die Rheinebene kommen wir in gut einer Viertelstunde Bad Dürkheim näher. Nicht mehr fern, weist ein Treppenweg links hinab, vorbei an der Berufsschule und durch die Leistadter Straße zum Kurviertel.

Daten

Länge: 16 km
Höhenmeter: 600
Karte: Naturpark Pfälzerwald (Blatt 4), Maßstab 1:25 000, Landesamt für Vermessung, Rheinland-Pfalz

Anfahrt

Ab dem Rhein-Neckarraum über die A61 bis zur A650, die vor Bad Dürkheim in die B37 mündet. Verkehrsmittel: Über Mannheim und weiter mit der Straßenbahn 9 oder der Regionalbahn ab Neustadt.

Sehenswert

Bad Dürkheim besitzt zwei Gesichter: Wein und Wald und dazwischen Kur- und Kultureinrichtungen, unter ihnen die 330 Meter lange Saline mit Spielpark, Saunarium und Kurpark sowie das Stadtmuseum mit seinen keltischen Grabfunden und das Naturkundemuseum. Zugänglich auch die katholische Ludwigskirche im klassizistischen Weinbrenner-Stil und die (neu-)gotische Schlosskirche,

Grablege der Leininger Grafen.Blick man über die engere Ortsgrenze sind mit der Klosterruine Limburg und der Hardenburg zwei außergewöhnliche Bauten zu entdecken. Ursprünglich von den Saliern als Hauskloster vorgesehen, wurde dies in 20 Jahrenerrichtet (Weihe 1042). Die frühromanische Abteikirche misst 80 Meter und gehört durch ihre stilbildenden Querhausarme, der Vierung und erhöhtem Chor in eine Reihe mit dem Speyerer Dom oder der Hersfelder Stiftskirche. Nach Zerstörung 1504 wurde sie teilweise spätgotisch erneuert und im 19. und 20. Jahrhundert als Ruine gesichert (Krypta 1979 wiederhergestellt). Ähnlich die Hardenburg: Der um 1500 zu einem 200 Meter langen Bollwerk ausgebaute, 1794 gesprengte Sitz der Leininger Grafen wurde zwar restauriert, aber als Ruine belassen.

Einkehren

Die Gasthäuser haben montags Ruhetag; die Schänke auf dem Peterskopf (samt Bismarckturm) und die Weilacher Hütte sind in der Regel mittwochs und am Wochenende geöffnet. Geoffnet: Stadtmuseum Haus Catoir (Römerstraße 20), 14 bis 17 Uhr; Pfalzmuseum für Naturkunde in Grethen ab 10 Uhr und Hardenburg 10 bis 18 Uhr (alle außer montags); Kloster Limburg ist frei zugänglich.

Quelle: F.A.Z.
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