Wandertipp

Der Altkönig ist Herausforderung statt Hindernis

Von Thomas Klein, Königstein
Aktualisiert am 09.10.2020
 - 06:09
Mit einer titanischen Leistung schufen Kelten die beiden vollständig erhaltenen Ringwälle am Altkönig im Taunus.
Mit jedem Schritt hinauf steigt nicht nur die Ehrfurcht vor der titanischen Leistung der Kelten, wie sie den 800 Meter hohen Altkönig durch zwei mächtige Ringwälle umgürtet haben. Unweigerlich stellen sich auch Fragen nach Sinn und Nutzung.

Von der Rhein-Main-Ebene aus muss der Anblick imponierend gewesen sein – jene zwei gigantischen, hell leuchtenden Steinkränze, die dem knapp 800 Meter hohen Altkönig kronengleich aufsaßen. Inzwischen weitgehend zugewachsen, ist kaum noch erkennbar, welch ungewöhnlich gut erhaltenes Bodendenkmal der Gipfel mit den beiden Ringwällen aus der Keltenzeit birgt. Um sie zu erleben, muss man per pedes hinauf, was den dritthöchsten Taunusberg nicht zuletzt im kontemplativen Verständnis vom vielbesuchten Großen Feldberg abhebt.

Die Substanz ist beeindruckend genug, darüber nachzusinnen, welche Antriebskräfte hinter der titanischen Leistung zum Errichten der 1390 und 980 Meter langen Mauern standen. Tiefere Geheimnisse werden sie nicht offenbaren, aber eine durchaus allgemeingültige Erkenntnis – des Lebens Hindernisse als Herausforderung anzunehmen. Vielleicht motivierte die Menschen, am Stammeszentrum, wenn nicht an einem Heiligtum mitzuwirken. Die schwierige Topographie spricht zweifellos gegen ein Arbeiten unter Zwang.

Typische Architektur keltischer Festungen

Schon das Material verlangte den Erbauern alles ab. In Form von Quarzithalden lag mehr als ausreichend davon herum, allerdings ist das Zurichten des extrem harten Gesteins schwierig. Dennoch passen die Platten perfekt über- und ineinander, vereinzelt sind selbst Aussparungen für die Balken erhalten, von denen die Mauern kastenartig zusammengehalten wurden.

Diese typische Architektur keltischer Festungen erkannte als erster der Altertumsforscher Carl August von Cohausen bei Grabungen 1882. Nach jahrhundertelangen Spekulationen um germanische oder römische Könige, die dort residiert haben sollen, lag er auch mit der Datierung ins fünfte vorchristliche Jahrhundert der frühen La-Tène-Zeit richtig. Keine Schlüsse ließen die spärlichen Funde zu. Das könnte auf eine Fliehburg deuten, doch selbst dafür erscheint das Plateau ungeeignet und der Aufwand zum Instandhalten der witterungsanfälligen Holz-Steine-Konstruktion als zu groß. Feuchtigkeit und Frost wird der mörtellosen Mauern größter Feind gewesen sein.

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Am Ende eine respektheischende Machtdemonstration? Auch Burgen wurden ja nicht allein aus strategischen Gründen auf Erhebungen gesetzt. Da braucht man nur an den Fuß des Altkönigs zu schauen, wo in 450 Meter Höhe die Falkenstein thront. Anstelle einer bereits im 11. Jahrhundert errichteten Turmburg namens Nürings – deren Grundmauern restauriert sind – erwuchs zwei Jahrhunderte später eine unübersehbare Burg. Über ihr großartiges Panorama bis Odenwald und Spessart kommt man den Motiven der Herren auf dem Altkönig etwas näher. Wer dort saß, beherrschte das Rhein-Main-Gebiet.

Wegbeschreibung

Als „Basislager“ für einen Gipfelsturm auf den Altkönig ist der Königsteiner Ortsteil Falkenstein gut geeignet. Der fordernde Anstieg über die südöstliche Flanke kann den Respekt vor der Bauleistung der Kelten nur noch steigern. Dagegen wirkt ein Abstecher zur Burg Falkenstein wie ein Spaziergang. Ob am Wanderanfang oder -ende, in gut fünf Minuten steht man an dem aussichtsreichen Gemäuer; einige Schritte weiter bieten sich vom Dettweiler Tempel fast noch bessere Ausblicke.

Die Ruine ist ab der katholischen Pfarrkirche angezeigt. Wenige Schritte unterhalb liegt die Bushaltestelle Ehrenmal. (Parken lässt sich im oder ausgangs des Reichenbachweges.) Am Verkehrskreisel davor nehmen wir die Markierung blauer Strich auf, kurz abwärts und links an dem großen, von einer Klinik genutzten Backsteinbau in den Debusweg.

Vorbei an der evangelischen Kirche im Jugendstil und dem Friedhof mit benachbartem jüdischem Gräberfeld, gelangt man zum Wald, durch den es mäßig Hinan geradeaus weitergeht. Bewegung in die Topographie kommt dann nach gut 1500 Metern, wenn wir an einer kleinen Schutzhütte links mit dem nun maßgeblichen grünen Strich in den Hang einsteigen. Ohne Unterlass, teils über holpriges Geläuf, muss zwischen luftigen Fichten gekraxelt werden. Erst oben senkt sich der Neigungswinkel, bis es an einer gerodeten Stelle auch ebener wird. Diese kommt gerade recht, um nochmals Luft zu schöpfen für die letzten Meter nach dem Rechtsknick in einen steinigen Pfad – Vorbote der Ringwälle am Altkönig.

Es dauert denn nicht lange, und fast unvermittelt stehen wir auf dem äußeren der beiden Ovale. An dieser Seite sind sie zu breiten Laufstegen zusammengesackt, die zu betreten erlaubt ist. Bei jedem Schritt knirscht und seufzt da der schier unverwüstliche Taunusquarzit. Überlebenskünstler wie die Buche krallen sich gar in die Gesteinsränder und trotzen – verwachsen und gezaust – den klimatischen Widrigkeiten auf dem Gipfelplateau.

Etwas Platz ließen sie noch für Blickschneisen zum Großen Feldberg und der Wetterau. Beim Abstieg – unverändert mit dem grünen Strich – wechseln wir in die Nahsicht, um den Pfad durch die geröllartigen Wälle der Nordflanke zu bewältigen. Unterhalb davon weitet sich der Weg und findet kurvenreich Anschluss an die flache Passage links mit gelbem Strich über gut einen Kilometer zum Fuchstanz. Gleich zwei Lokale auf dem 662 Meter hohen Pass zwischen Großem Feldberg und Altkönig versorgen die Ausflügler.

Hinter dem rechtsseitigen mit Schriftzug „Fuchstanz“ vor dem Freisitz orientiert man sich jetzt an den Zeichen Punkt und Zeiger (beide schwarz) gen Glashütten. Unter mächtigen Buchen gibt das aber nur die Großrichtung an über einen Kilometer abwärts bis zu einer Schutzhütte. Nun zählt einzig der Zeiger. Einige hundert Meter weiter schwenkt er nach Überschreiten des Reichenbachs links ein und kurz darauf scharf links-rechts, um dem Rinnsal per schmalem Pfad zu folgen.

Der im oberen Bereich Ansätze zu einem Niedermoor zeigende Taleinschnitt ist naturgeschützt; so bleiben umgestürzte Baumveteranen liegen und dienen tellergroßen Pilzen als Lebensversicherung. Unten weitet sich die Szenerie zu einer Wiese und dann einem Weiher. Ohne den Zeiger laufen wir davor links hinüber und rechts geradewegs nach Falkenstein.

Daten

Länge: 13 km
Höhenmeter: 510
Karte: Vordertaunus, Maßstab 1:25000, NaturNavi

Anfahrt

Über die A 661 und ihre Verlängerung B 455 bis zum Abzweig Falkenstein vor Kronberg. Öffentliche Verkehrsmittel: Von Königstein Bahnhof mit Bus 85 bis Falkenstein, Ehrenmal.

Sehenswert

An der markant aufgewölbten, knapp 800 Meter hohen Erhebung Altkönig verbirgt sich mit zwei Ringwällen aus dem 5. vorchristlichen Jahrhundert eines der größten Bodendenkmäler im Taunus.

In einer titanischen Leistung schufen Kelten die 1390 und 980 Meter langen Ovale aus schwer zu bearbeitendem Quarzit. Mit dem Annex zu einer Quelle umschlossen sie insgesamt 26Hektar. Die fünf Meter hohen Mauern (ohne Brüstung) wurden mörtellos gesetzt und durch Balken kastenartig zusammengehalten. Ihre Funktion muss trotz mehrerer Untersuchungen seit Ende des 19.Jahrhunderts offenbleiben. Überlegungen reichen von Stammesheiligtum bis Fliehburg; dauerhaft bewohnt war das trassierte Plateau nie.

Sehenswert schon wegen ihrer großartigen Aussicht ist auch die Burgruine Falkenstein. Das vom 13. Jahrhundert an in den Fels gestellte Gemäuer sah häufige Besitzerwechsel und entsprechend bauliche Veränderungen; am augenfälligsten der spätgotische Bergfried in „Butterfassform“.

Einkehren

Zwei Gaststätten am Fuchstanz: „Anitas Fuchstanz“ (montags Ruhetag) und „Waldgasthaus“ (aktuell nur am Wochenende geöffnet) Öffnungszeiten:Burg Falkenstein, täglich 10 bis 19 Uhr (werktags ohne Eintritt); von November an in der Winterpause.

Quelle: F.A.Z.
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