Wispertrails

Dorado für anspruchsvolle Wanderer

Von Oliver Bock, Rheingau-Taunus-Kreis
05.12.2021
, 14:32
Richtungweisend: Hinweis am Wispertrail „Kurschatten“ in Bad Schwalbach. Die Wanderroute beginnt und endet am Kurweiher an der Parkstraße.
Die Wispertrails sind wegen des Naturerlebnisses ein durchschlagender Erfolg. Nun sind sie die Blaupause für Projekte im Untertaunus. Alle Premiumwege werden noch nachzertifiziert.
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Idyllische Bachläufe, romantische Weiher, saftige Weiden, uriger Wald, scheues Rotwild und träge Rinder. Das ist die Welt der Wispertrails. Ein Netz aus 15 unterschiedlich langen Rundwanderwegen und einem 44 Kilometer langen Weitwanderweg, die ein neuer Imagefilm in Szene setzt. Ein Film, der Lust darauf macht, die Wanderstiefel zu schnüren. Doch eigentlich bedürfen die Wispertrails derlei Werbung nicht, denn seit der Eröffnung des „Dickschieder Wildwechsels“ im Frühjahr 2018 und des gesamten Wegenetzes gut ein Jahr später haben schon viele Tausend Wanderer die Region links und rechts der kleinen Wisper erkundet.

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Der Erfolg hat die kühnsten Erwartungen übertroffen. Das Wegenetz kam gerade zur rechten Zeit, um den Bürgern während des zweimaligen Lockdowns eine wildromantisches Naturerlebnis ohne Corona-Gefahren zu eröffnen. In Lorch wusste man sich des Ansturms kaum zu erwehren, und von Ausflüglern zugeparkte Ortsstraßen sorgten für einigen Ärger. „Wir haben außergewöhnlich gutes Wanderprodukt etabliert“, sagt Initiator Robert Carrera.

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Die übervollen Wanderparkplätze an den Ausgangspunkten der Trails, die vielen Rückmeldungen fast ausnahmslos begeisterter Wanderer und der Versand von mehr als 20.000 Wanderwege-Broschüren sind für Carrera ein klarer Beleg, dass er und seine Mitstreiter mit den Wispertrails ins Schwarze getroffen haben. Zwei der Wege wurden von einem Wandermagazin für den Wettbewerb „Deutschlands schönster Wanderweg“ nominiert. Carreras persönlicher Favorit, der Wispertaunussteig, gewann dabei den dritten Platz.

Gastronomische Versorgung ist ausbaufähig

Am beliebtesten ist allerdings das 9,3 Kilometer lange „Rhein-Wisper-Glück“ bei Lorchhausen, weil es – gemessen an den 94 Punkten der Premiumweg-Zertifizierung – Hessens schönster Wanderweg ist. Wie erklärt sich der Erfolg der Wispertrails? Für Carrera steht fest, dass angesichts der großen Vielfalt und Konkurrenz heutzutage nur noch ein ganzes Wegenetz mit „Markencharakter“ reüssieren kann. Einzelne Routen wie beispielsweise der traditionsreiche Rheinhöhenweg geraten da trotz ihrer langen Tradition ins Hintertreffen. Was zählt, sind Premium-Zertifizierungen und Höchstbewertungen. Bei den Wispertrails drückt sich schon im Namen der Fokus auf ein jüngeres Wanderpublikum aus. Laut Carrera ging die Rechnung auf. Die Wegepaten, die auf ihren Kontrollgängen häufig nach dem Rechten sehen und gegebenenfalls Markierungen ergänzen, berichten von vielen Familien und jungen Wanderern auf den Trails. Der Dialog mit den Nutzern und deren Resonanz gelten für Carrera als Belege dafür, dass die Wispertrails eine Art „Persönlichkeit“ gewonnen haben.

Scout: Wispertrail-Organisator Robert Carrera führt eine Wanderung an.
Scout: Wispertrail-Organisator Robert Carrera führt eine Wanderung an. Bild: Michael Braunschädel

Mit der Eröffnung des Bad Schwalbacher „Kurschatten“-Weges im zurückliegenden Herbst wurde das System der Wispertrails abgeschlossen. Nun gilt es, den Standard hochzuhalten und die kontinuierliche Pflege zu sichern. Carrera ist deshalb froh über die notwendige Nachzertifizierung aller Premiumwege. Sie sei Impuls, über weitere Verbesserungen nachzudenken. Der „Dickschieder Wildwechsel“ wurde beispielsweise durch eine Ergänzung der Beschilderung und das Einbeziehen eines weiteren Aussichtspunktes mehrere Punkte höher eingestuft als bislang. Carrera hofft, bei allen Wegen auf die eine oder andere Art nachlegen zu können, auch beim acht Kilometer langen „Wollmerschieder Grenzgang“, der trotz seiner Reize mit 52 Punkten zunächst – gemeinsam mit der aussichtsreichen „Via Monte Preso“ bei Presberg – am schwächsten eingestuft wurde. Der aber dennoch „besonders hübsch und abwechslungsreich“ sei, meint Carrera. Auch die Geschmäcker der Wanderer seien eben sehr unterschiedlich. Doch nichts ist so gut, dass es nicht noch verbessert werden könnte. Auf vielen Wegen empfiehlt es sich, den Rucksack mit passender Verpflegung zu füllen, weil die gastronomische Versorgung deutlich besser sein könnte. Carrera schätzt zurückhaltend, dass jährlich mindestens 15.000 Wanderer auf den Wispertrails unterwegs sind.

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Projekt soll Untertaunus touristisch voranbringen

Sein Engagement hat Carrera den Weg geebnet, vor einem Jahr zum hauptamtlichen Tourismuskoordinator für den westlichen Untertaunus berufen zu werden. Er ist damit Manager eines zunächst auf zwei Jahre angelegten Projektes, das diesen Teil des Taunus touristisch voranbringen soll. Zwar gibt es auch den Taunus Touristik Service, der für das gesamte, 2700 Quadratkilometer große Mittelgebirge zuständig ist. Doch eine kleine Teilregion wie der westliche Untertaunus läuft dabei Gefahr, angesichts von Feldberg und Hochtaunus „ein bisschen unterzugehen“, wie es Carrera formuliert.

Dies gilt umso mehr, als diese Teilregion mit ihrem Sammelsurium kleiner Attraktionen bislang touristisch kaum vermarktungsfähig ist. Carrera hat eine Bestandsaufnahme vorgelegt und ein Konzept entwickelt, das ganz darauf setzt, die Region als Naherholungsgebiet in der Rhein-Main-Region zu profilieren, und zwar mit vier Schwerpunkten: Wandern, Radfahren, Reiten, Trailrunning.

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Inzwischen gibt es ein Konzept für zehn „Aarschleifen“-Wanderwege mit einer Gesamtlänge von 112 Kilometern. Für Radfahrer sind 13 Taunus-Runden mit einer Länge von 334 Kilometern gedacht. In Heidenrod soll es eine Flowtrail-Abfahrt für Mountainbiker geben und rund um Hohenstein ein Reitwander-Wegenetz. Hinzu kommen Schwalben-Wandertouren in Bad Schwalbach und Trailrunning-Routen in Schlangenbad. Zudem soll der Limes-Erlebnispfad aufgewertet werden. Für den Aartal-Radweg gibt es schon eine neue, deutlich attraktivere Routenführung. Das Konzept stehe, sagt Carrera, und am Geld werde es nicht scheitern. Im zweiten Projektjahr will er sich vor allem um die Realisierung der schon weit gediehenen und die Konkretisierung der noch vagen Pläne kümmern.

Quelle: F.A.Z.
Oliver Bock - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Oliver Bock
Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.
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