Neues Bad Homburger Kurhaus

Kolonnaden, ganz modern

Von Jan Schiefenhövel, Bad Homburg
24.11.2021
, 16:09
Wie es euch gefällt: Entwürfe für das Bad Homburger Kurhaus ganz klassisch oder hochmodern
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Die Stadt Bad Homburg plant ein neues Kurhaus, dafür sind erstmals Entwürfe zu sehen. Noch ist nicht entschieden, nach welchem Plan gebaut wird. Bei den Menschen kommt das Vorhaben gut an.
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Die Pläne der Stadt Bad Homburg für ihr Kurhaus werden von den Bürgern durchweg positiv aufgenommen. Bei einem Informationsabend am Dienstag im Kurhaus, bei dem die Entwürfe für Neubauten vorgestellt wurden, zeigten sich die Anwesenden und über das Internet zugeschaltete Zuhörer interessiert und stellten viele Fragen zu Details, etwa ob der Neubau auf umweltfreundliche Art beheizt werde. Auch die Anbindung an das Busnetz und die Plazierung der Haltestelle war Thema. Kritik gegen das Vorhaben, das aus den Achtziger-Jahren stammende Kurhaus durch einen Neubau zu ersetzen, wurde kaum laut. Ein Bürger sagte, das bestehende Kurhaus gefalle den Bad Homburgern, es solle stehenbleiben.

Diese Option ist für die Stadtpolitik noch offen. Die Verwaltung will im nächsten Jahr abwägen, ob sie den Altbau saniert oder durch einen Neubau ersetzt, wie Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) erläuterte. Falls die Entscheidung für einen Neubau fällt, muss dafür noch ein Plan ausgearbeitet werden. Der Stadt liegen Entwürfe vor, die aus einem Wettbewerb hervorgegangen sind und die derzeit im Landgraf-Friedrich-Saal im Kurhaus ausgestellt sind. Aus Ideen der Wettbewerbsbeiträge will die Verwaltung einen Bauplan erstellen.

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Historisierende Fassaden, moderne Architektur

Die Bad Homburger bekamen nun zum ersten Mal eine bildhafte Vorstellung von ihrem neuen Kurhaus präsentiert. Verschiedene Entwürfe für einen Neubau werden im Landgraf-Friedrich-Saal im Kurhaus an der Louisenstraße ausgestellt. Dabei stehen historisierende Fassaden Bauten mit moderner Architektur gegenüber. Die Entwürfe sind aus dem Wettbewerb für den Kurhausneubau hervorgegangen. Einen klaren Sieger gibt es nicht, mehrere Ideen wurden prämiert: drei Entwürfe für eine historisierende Bauweise und zwei Vorschläge für eine moderne Variante. Jeder Teilnehmer im Wettbewerb hat einen historisierenden und einen modernen Entwurf eingereicht.

In zwei der Beiträge wird das im 19. Jahrhundert errichtete „Alte Kurhaus“ an Plänen des Architekten Jean-Pierre Cluysenaar, das bis zum Zweiten Weltkrieg an dieser Stelle stand, weitgehend rekonstruiert, zumindest von außen gesehen. Die modernen Entwürfe greifen einzelne traditionelle Elemente, etwa die Kolonnaden, auf und präsentieren diese in einer modernen Form.

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In den nächsten Monaten wollen die Stadt und die Kurgesellschaft weiter an den Beiträgen aus dem Wettbewerb arbeiten. Für den endgültigen Plan sollen die Entwürfe noch verändert werden, es können auch Ideen von verschiedenen Beiträgen kombiniert werden, wie Bürgermeister Hetjes und Kurdirektor Holger Reuter bei der Vorstellung der Wettbewerbsergebnisse erläuterten. Reuter sagte, Sinn des Wettbewerbs sei es gewesen, Ideen zu erhalten, nicht einen einzigen Plan, um diesen „eins zu eins“ zu verwenden.

Neues Kurhaus für Bad Homburg: Schwebender Baukörper
Neues Kurhaus für Bad Homburg: Schwebender Baukörper Bild: GMP International

Somit ist noch nicht entschieden, nach welchem Plan ein neues Kurhaus gebaut wird und ob überhaupt ein Neubau errichtet wird. Denn parallel zur Arbeit an den Entwürfen für Neubauten wird auch eine Sanierung des bestehenden Kurhauses geprüft, das aus den Achtzigerjahren stammt. Bis zum Ende des nächsten Jahres wollen die Planer aus den Entwürfen drei Vorschläge herausarbeiten, eine historisierende Fassade, eine Variante mit moderner Architektur sowie ein Konzept für die Sanierung des Altbaus. Zwischen diesen drei Lösungen müssen sich dann die Stadtverordneten entscheiden. An der Planung sind als Miteigentümer auch das Unternehmen Maritim, Betreiber des Hotels im Kurhaus, und die Taunussparkasse beteiligt. Hetjes versprach eine Beteiligung der Bürger an der Planung, unter anderem mittels einer Umfrage.

Der bestehende Altbau ist sanierungsbedürftig, wie Reuter sagte. Die technische Ausstattung entspricht nach seinen Worten nicht mehr den heutigen Erwartungen, außerdem sind eine neue Wärmedämmung und eine zeitgemäße energie- sparende Technik nötig. Dafür müsste bei einer Sanierung der Altbau bis zum Rohbau entkernt werden, sagte der Stadtplaner Michael Guntersdorf, Projektleiter für die Kurhausplanung.

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Ein neues oder saniertes Kurhaus soll die gleiche Funktion erfüllen wie das Kurhaus jetzt, es soll ein Treffpunkt, ein „Magnet“ für Besucher sein, der auch dem Handel und der Gastronomie zugutekommt, wie Hetjes und Reuter sagten. Dafür müssen nach ihren Worten auch in einem zukünftigen Kurhaus Säle für Veranstaltungen und Tagungen, eine Bühne wie das Kurtheater, ein Hotel und Ladengeschäfte untergebracht werden. Hetjes nannte das Kurhaus das „Flaggschiff“ der Stadt, das dem Handel der Innenstadt Wertschöpfung verschaffe. Das solle ein Neubau oder eine Sanierung auch in Zukunft sicherstellen.

Neubau des Kurhauses: Entwurf des Büros Ferdinand Heide Architekten
Neubau des Kurhauses: Entwurf des Büros Ferdinand Heide Architekten Bild: Ferdinand Heide Architekten

„Wir kämpfen jeden Tag dafür, dass die Innenstadt so belebt bleibt, wie sie ist“, sagte der Oberbürgermeister. Die Maritim-Gruppe wünsche sich eine Vergrößerung für mehr Zimmer, sagte Reuter. Das Frankfurter Architekturbüro Ferdinand Heide Architekten hat eine historische Fassade vorgeschlagen, die in einer U-Form den Vorplatz umschließt. Das Gebäude besteht aus Erdgeschoss und Obergeschoss. Der Beitrag des Düsseldorfer Büros HPP Architekten sieht eine Rekonstruktion des 1841 gebauten und 1850 erweiterten alten Kurhauses vor. In der Mitte befindet sich ein Vestibül, eine Eingangshalle zum Flanieren. Auch der historisierende Entwurf des Berliner Büros GMP International ist stark vom alten Kurhaus inspiriert und will dessen Elemente einbeziehen.

Der moderne Entwurf des Büros Heide sieht eine moderne Fassade vor, der Bau soll aber seine historische Gliederung behalten. Prägend sind große Glasflächen am Eingang zum Kongresszentrum. Der moderne Plan von GMP schlägt einen „schwebenden“ Baukörper mit zwei Geschossen über die ganze Breite vor, darunter einen Durchgang vom Vorplatz zum Kurhausgarten.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Schiefenhövel, Jan (höv.)
Jan Schiefenhövel
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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