Revolution der Verkehrswende

Endlich steigen Autofahrer um

EIN KOMMENTAR Von Hans Riebsamen
Aktualisiert am 15.11.2019
 - 14:36
Verteilung der Verkehrsmittel: Im engeren Ballungsraum gibt es nur noch zwei Autofahrer auf einen Bus- und Bahn-Fahrer.
Der Rhein-Main-Verkehrsverbund gewinnt immer mehr Passagiere. Das heißt, dass Autofahrer häufiger auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen. Auch der Ausbau des Schienennetzes geht voran.

Jahr für Jahr ist die Zahl der Fahrgäste des öffentlichen Nahverkehrs im Ballungsraum Frankfurt gestiegen. Acht Prozent Zuwachs im Jahr war im Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) seit seiner Gründung 1995 die Regel. Doch trotz der kontinuierlichen Zugewinne konnte der RMV gegenüber dem Autoverkehr nicht aufholen. Die Faustregel lautete immer: auf drei Autofahrer kommt ein Nutzer von Bahnen und Bussen.

Doch in den vergangenen drei Jahren ist etwas in Bewegung geraten. Der Zuwachs an beförderten Passagieren lag 2016 und 2017 jeweils bei 15 Millionen. Und 2018 schnellte das Plus an Fahrgästen auf sagenhafte 34 Millionen hoch. Auch im sogenannten Modal Split, der Verteilung der Verkehrsmittel, hat sich etwas geändert. Zumindest im engeren Ballungsraum mit seinem S-Bahn-Netz heißt heute die Formel: zwei Autofahrer auf einen Bus- und Bahn-Fahrer.

Ende der täglichen Strapazen für Autofahrer

Das ist eine kleine Revolution und womöglich der Beginn einer echten Verkehrswende. Die Bewohner des Rhein-Main-Gebiets beginnen immer stärker zu spüren, dass das Bevölkerungswachstum im Ballungsraum auch seine Nachteile besitzt. Der Verkehr nimmt immer mehr zu, die Straßen werden voller, die Staus sind trotz des Programms „Staufreies Hessen“ nicht zurückgegangen. Eher ist das Gegenteil der Fall.

Mittlerweile haben manche Autofahrer die tägliche Strapaze bei der Fahrt zum Arbeitsplatz satt. Zum ersten Mal ist eine nennenswerte Zahl von Pendlern auf öffentliche Verkehrsmittel umgestiegen. Noch viel mehr würden wohl diesem Beispiel folgen, wenn ein Bahnhof in erreichbarer Nähe wäre, und wenn die S-Bahn und die Regionalzüge pünktlicher wären und mehr Komfort böten.

Die Krux liegt darin, dass die Schienenkapazitäten nicht ausreichen. Gerne würde der RMV mehr S-Bahnen und Regionalzüge fahren lassen, doch auf den vorhandenen Gleisen ist nicht genügend Platz vorhanden. Jahrzehntelang wurde es versäumt, das Netz entsprechend auszubauen. Erst jetzt kommt Bewegung in die Sache. Wie es funktionieren kann, zeigt das Beispiel der S-Bahn-Strecke in den Frankfurter Stadtteil Gateway Gardens, die in Rekordzeit gebaut wurde. So muss es weitergehen.

Quelle: F.A.Z.
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