Rheinland-Pfalz-Tag in Mainz

Ein bisschen Fassenacht im Mai

Von Markus Schug
23.05.2022
, 07:13
Herzlichen Glückwunsch, Rheinland-Pfalz: Mainzer Tanzsportler gratulieren auf ihre Weise dem Bundesland zum Geburtstag.
Fünf Bühnen, zwölf Aktionsflächen und gut 330 Großzelte haben in Mainz dafür gesorgt, dass zigtausende Besucher wieder ein echtes Volksfest erleben konnten. Und zwar erstmals seit Ausbruch der Corona-Pandemie.
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So eine Chance haben sich die Mainzer Fastnachter nicht nehmen lassen – und ausnahmsweise eilten ihnen, als es darum ging, den am Wochenende in der Hauptstadt zu erlebenden 36. Rheinland-Pfalz-Tag närrisch einzufärben, sogar Karnevalisten aus den nördlichen Landesteilen zu Hilfe. Der Spielmannszug Ahrweiler etwa durfte zum Auftakt der dreitägigen Großveranstaltung einmal um den Fastnachtsbrunnen auf dem Schillerplatz marschieren und gemeinsam mit Prinz Mathias I. das für Mainzer Ohren eher ungewohnt klingende Alaaf rufen. Erst danach wurde die Geburtstagsfeier „75 Jahre Rheinland-Pfalz“ am Freitag um 18.11 Uh offiziell eröffnet.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer, Landtagspräsident Hendrik Hering und Oberbürgermeister Michael Ebling (alle SPD) ersparten ihren Zuhörern lange Begrüßungsreden. Sie hießen alle willkommen, die gekommen waren, und stürzten sich selbst ins Getümmel. „Wir haben es nicht verlernt, das Feiern von Festen im Herzen der Stadt“, sagte Ebling mit Blick auf die mehr als zwei Jahre dauernden Corona-Beschränkungen.

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Dafür, dass der Start ins lange Partywochenende im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser fiel, waren weniger die allenfalls eine Stunde dauernden Regenschauer verantwortlich. Vielerorts überwog dagegen die Angst, es könnten – wie vor bald einem Jahr im Ahrtal – womöglich doch auch Unvorhersehbares und Schlimmes passieren. So wurden nach entsprechenden Unwetterwarnungen das Bühnenprogramm auf der Großen Bleiche zeitweise unterbrochen und das Pu­blikum gegen 20 Uhr gar schon wieder zum Gehen aufgefordert.

Auch der Landtag öffnete seine Türen

Die meisten Infostände, an denen sich Städte und Gemeinde, Verbände und Vereine, kirchliche Einrichtungen, Initiativen und Organisationen aus ganz Rheinland-Pfalz vorstellen konnten, blieben am ersten Abend gleichfalls unbesetzt. Sodass sich der von den Organisatoren empfohlene Rundgang von der Ludwigsstraße aus über die Rheinpromenade bis ins Regierungsviertel und zurück zum Theater am Freitagabend nicht lohnte.

Zur Feier geöffnet: das Plenum des Landtags
Zur Feier geöffnet: das Plenum des Landtags Bild: dpa

Das sah tags darauf schon ganz anders aus als sich Zigtausende Besucher in der Innenstadt drängten, um wahlweise die aus dem Kreis Trier herbeigeschafften Oldtimer des dortigen Feuerwehrmuseums oder aber brandneue Polizei- und Bundeswehrfahrzeuge zu inspizieren. Auf dem Marktplatz am Dom, wo die Stadt Mainz Zukunftsthemen ansprechen wollte, wurden unter anderen Details über die „Erlebniswelt Lu:“ verraten. Au­ßerdem waren erste Entwürfe für zwei sehr konkret geplante Forschungszentren auf Ackerflächen am Europakreisel zu se­hen. Schließlich sollen diese Felder aus Sicht der Stadt ja „besser heute als morgen“ in einen international anerkannten Standort verschiedener Biotechunternehmen verwandelt werden.

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Auch in den Regierungsgebäuden im Bleichenviertel standen am Wochenende die meisten Türen offen: darunter jene, die ins Dienstzimmer der Ministerpräsidentin führen. Vor allem der aufwendig sanierte Landtag im Deutschhaus zog als „Schaufenster der Demokratie“ viele Neu­gierige an, die nach zweijähriger Co­rona-Zwangspause in Mainz endlich mal wieder das Bürgerfest zum Verfassungstag feiern konnten.

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Festumzug für die Narren

Ob es am Ende tatsächlich die von Stadt und Land erwarteten 300.000 Besucher gewesen sind, ließ sich am Sonntag noch nicht beantworten. Doch allein samstags sollen laut Staatskanzlei rund 150.000 Menschen in der City gezählt worden sein. Entsprechend voll war die Landeshauptstadt, die zum großen und mehrere Hunderttausend Euro teuren Landesjubiläum für ihre Gäste fünf Bühnen, zwölf Aktionsflächen sowie gut 330 Verpflegungs- und Informationszelte bereithielt. Da hätte es vermutlich gar keinen verkaufsoffenen Sonntag mehr gebraucht, der zusätzlich auch noch et­liche Einkaufslustige aus Rheinland-Pfalz und dem nahen Rhein-Main-Gebiet angezogen haben dürfte.

Dass es auf der Festmeile zu wenige Essensstände und an einigen Stellen womöglich zu viele und zu massive Si­cherheitsvorkehrungen gab, dürfte manchen verärgert haben. Zum Beispiel jene, die mit größeren Taschen und Ruck­säcken nicht zum Schillerplatz vorgelassen wurden. Dabei war kurz vor dem Fest doch noch dazu aufgerufen worden, sich regenfeste Sachen mitzubringen. Auch die für den Festumzug am Sonntag ausgewählte Schnellstrecke über Rhein- und Quintinsstraße bis zur Ludwigsstraße hat nicht allen Beobachtern gefallen. Sie mag zwar die praktischste und sicherste Lö­sung unter allen vorstellbaren Varianten gewesen sein. An Fastnacht wird in der Karnevalshochburg allerdings auf das Am­biente geachtet und die Nähe zu den Zuschauern gesucht. Für Kinderprinz Finn nebst Gefolge und all die anderen mitmachenden Narren dürfte die aus etwa 75 Nummern bestehende Extra-Parade im Mai aber immer noch viel besser gewesen sein als gar kein Umzug am Ro­senmontag.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Schug, Markus
Markus Schug
Korrespondent Rhein-Main-Süd.
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