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AfD und die Junge Alternative

Strategie des Spagats

EIN KOMMENTAR Von Ewald Hetrodt
 - 16:26

Wäre es nach dem Bundesvorstand der AfD gegangen, würde deren rechtsradikale Thüringer Galionsfigur Björn Höcke der Partei heute nicht mehr angehören. Im Jahr 2017 fanden drei Viertel des damals noch von Frauke Petry angeführten Spitzengremiums die Bezeichnung des Holocaust-Mahnmals in Berlin als „Denkmal der Schande“ so unerträglich, dass sie für das später ins Leere gelaufene Ausschlussverfahren votierten.

Darum durfte man annehmen, dass die Wiesbadener Rathausfraktion der Aufforderung zahlreicher Stadtverordneter nachkommen würde, sich von Höcke zu distanzieren. Dass es dazu nie kam, entsprach dem erklärten Willen des früheren Fraktionsgeschäftsführers und Stadtverordneten Robert Lambrou.

Heute ist er der starke Mann der hessischen AfD, und manches spricht dafür, dass seine Strategie noch immer dieselbe ist. Im November ging die AfD auf Abstand zu der in den Landtag gewählten Abgeordneten Alexandra Walter. Sie habe den Verdacht, ein fragwürdiges einseitiges Geschichtsverständnis zu besitzen, nicht ausgeräumt, stellte Lambrou als Sprecher der Partei fest. Aber Konsequenzen könne nur die Fraktion ziehen, und die konstituiere sich ja erst mit dem neuen Landtag. Dabei wäre es die Sache der Partei gewesen, Walter zur Rückgabe des Mandates aufzufordern. Denn ihr allein verdankt sie es.

Nachlässige Aufklärung

Nur ein paar Wochen später fallen führende Funktionäre der Nachwuchsorganisation Junge Alternative durch ihre Nähe zur vom Verfassungsschutz beobachteten Identitären Bewegung auf. Lambrou verspricht Aufklärung und kündigt Konsequenzen an – „wenn nötig“. Mit der Aufhellung des Sachverhaltes aber lässt er sich viel Zeit.

Die Sitzung des Vorstandes, die sich am vergangenen Freitag mit der Angelegenheit befassen sollte, sei ausgefallen, weil nicht genug Teilnehmer erschienen seien, sagt Lambrou. Im Übrigen müsse noch die wichtige Frage geklärt werden, ob die Funktionäre der Jungen Alternativen überhaupt Mitglieder der AfD seien. So etwas lässt sich eigentlich mit einem Blick in die elektronische Datei klären. Der Geschäftsstelle des hessischen Landesverbandes reichen Wochen nicht aus.

Lambrou, nach eigenem Bekunden „Sozialdemokrat alter Schule“, gibt sich gern als Vertreter eines bürgerlichen Politikansatzes, will aber unbedingt auch am rechten Rand des politischen Spektrums im Geschäft bleiben. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die Strategie des Spagats noch funktioniert.

Quelle: F.A.Z.
Ewald Hetrodt
Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.
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