Schule für Mode und Bekleidung

100 Jahre voller Trends und Stilwechsel

Von Timo Kurth
Aktualisiert am 14.03.2020
 - 09:57
Nachwuchsdesigner: Schülerinnen zeigen ihre selbstgestalteten Kleider auf dem Laufsteg.
1920 wurde die Frankfurter Berufsfachschule für Mode und Bekleidung gegründet. Zunächst wurden dort nur Frauen ausgebildet, doch heute ist das anders.

Einhundert Jahre voller Veränderungen liegen hinter der Berufsschule an der Hamburger Allee in der Nähe des Messegeländes. „Mode hat auch immer etwas mit Bewegung zu tun. Wäre ja blöd, wenn in jedem Jahr die gleichen Kleider geschneidert würden“, sagt Schulleiterin Anne-Kathrin Reich beim Festakt am Donnerstag in der Schule.

Doch nicht nur die Mode änderte sich über die Jahre. Auch die Schule und ihre Ausbildung mussten sich immer wieder anpassen. Das wird schon bei der Wahl des Standorts deutlich: In 17 verschiedenen Gebäuden war die Schule während ihrer langen Geschichte untergebracht. „Statistisch sind sie alle sechs Jahre umgezogen“, sagt Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) in ihrem Grußwort.

Die Frankfurter Historikerin Sabine Hock hat sich in den vergangenen Monaten mit der Geschichte der Schule beschäftigt. „Am Anfang stand ein Gesetz“, sagt Hock. Mit der verfassungsrechtlichen Gleichstellung von Mann und Frau in der Weimarer Republik sei die Schule 1920 als „Fachschule für Frauengewerbe“ eingerichtet worden. „Es war ab dann auch Frauen erlaubt, einer Arbeit nachzugehen.“

Viele unterschiedliche Ausbildungen

Doch von faktischer Gleichstellung habe noch keine Rede sein können. Schneiderinnen, Stickerinnen oder Blumenbinderinnen wurden in der Schule ausgebildet. Dass Frauen andere Arbeiten übernehmen, war damals noch nicht erwünscht. „Von gleicher Bezahlung müssen wir gar nicht erst anfangen.“ Heute zeichnet sich ein anderes Bild: An der Schule werden viele unterschiedliche Ausbildungen angeboten. Unter anderem lassen sich an ihr angehende Friseure, Kosmetiker oder Designerinnen ausbilden. Viel Wert wird vor allem auf die praktische Ausbildung gelegt. „Es wird etwa durch hohe Mindestlöhne in Zukunft immer weniger Ausbildungsbetriebe geben. Das macht vollschulische Ausbildung umso wichtiger“, sagt Carola Bartsch von der Maßschneiderinnung-Rhein Main, die seit vielen Jahren mit der Schule zusammenarbeitet.

Bis in die fünfziger Jahre dauerte es, bis auch die ersten Männer an die Schule kamen. Zwar sind auch heute noch fast 90 Prozent der Absolventinnen Frauen, doch punktuell gibt es Verbesserungen bei der Geschlechtergleichheit. Tobias Timnoi absolviert gerade die Ausbildung zum Bekleidungstechnischen Assistenten. In seiner Klasse gibt es neben 20 Frauen auch vier Männer. Er schätzt an der Schule, dass sie ihn so vielseitig ausbildet. „Wir machen eigentlich zwei Ausbildungen in zwei Jahren“, sagt er. Neben den Grundlagen in Textilfertigung und kreativer Gestaltungsarbeit lernt er auch etwas über die betriebswirtschaftliche Aspekte seiner Branche. „Wir müssen irgendwann ja auch mal damit Geld verdienen.“

Während der Jubiläumsfeier verkaufen er und seine Klasse selbstgestaltete Turnbeutel mit bunten Mustern. „Am Ende ein fertiges Produkt in der Hand zu halten, das macht mich stolz“, sagt Schülerin Mayda Danadi, während eine Besucherin Interesse an einem ihrer Beutel zeigt. Die Schule als Ausbildungsort ausgesucht zu haben, bereut sie nicht. „Es ist auch möglich, hier sein Fachabi zu machen“, so die Elftklässlerin. Dass es sich bei der Berufsfachschule nicht um eine Schule handelt, die nur theoretische Inhalte vermittelt, wird beim Programm deutlich. Für die Gäste der Schule gibt es Modenschauen, Ausstellungen und Präsentationen. „Lassen Sie sich von der Welt der Mode verzaubern“, sagt Schulleiterin Reich am Ende ihrer Rede.

Quelle: F.A.Z.
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