Senckenberg-Museum Frankfurt

Saurier gesucht

Von Eva-Maria Magel
04.06.2020
, 18:19
Im Frankfurter Senckenberg-Museum können die Besucher hautnah eine Ausgrabung miterleben. Die Paläontologen arbeiten jetzt live vor Publikum in „Edmonds Urzeitreich“.

„Dies ist ein T-Rex-freier Arbeitsplatz seit 79 Tagen“ steht auf der Kreidetafel. Jeden Tag kann Paläontologin Zsofia Hajdu die nächsthöhere Zahl eintragen. Spuren eines Tyrannosaurus jedenfalls gibt es an ihrem Arbeitsplatz. Zähne, beispielsweise.

Die ersten 79 Tage hat Hajdu wegen der coronabedingten Schließung allein in dem korallenroten Pavillon im Innenhof des Senckenberg-Museums gearbeitet. Vom 3. Juni an bis zum 25. Oktober kann das Publikum täglich dabei zuschauen, wie Hajdu und ihre Kollegen Stück für Stück die Geheimnisse aus 30 Tonnen Gestein präparieren. Als Pioniertat der Ausstellungsgeschichte verlegt das Senckenberg-Museum eine ganze Grabung ins eigene Haus.

„Edmonds Urzeitreich – Eine Dinograbung in Frankfurt“ solle so Wissenschaft, Forschung und Vermittlung verbinden, sagt Katrin Böhning-Gaese, Direktoriumsmitglied und Leiterin des Senckenberg-Programms Wissenschaft und Gesellschaft. Die in 16 Quader zerlegte Fundstelle ist dafür aus der Lance-Formation, eine an Fossilien reiche Gesteinsschicht in Wyoming, nach Frankfurt gebracht worden.

Ein Besuch im Museum als ein Erlebnis

Es geht nicht darum, einen ganzen Tyrannosaurus freizulegen oder ein Gegenstück zur Edmontosaurus-Mumie, die Arthur von Weinberg 1911 dem Museum geschenkt hat. Vielmehr, so Kurator Philipe Havlik, will man anhand des „Bonebeds“, also der Fundstelle oft winziger fossiler Knochen und Zähne, mehr darüber herausfinden, wie die Umwelt vor 70 Millionen Jahren ausgesehen hat – und vielleicht auch, wie ein „Bonebed“ entsteht. Filme, Fotos und kurze Erläuterungen über die Landschaft, die Erdgeschichte und bisherige Forschungen etwa an Zähnen, Pflanzenteilen und Gestein prägen in einem Mix aus Faktenvermittlung, Objekten und Erlebnis die Ausstellung. Andreas Mulch, Direktor des Frankfurter Senckenberg-Standorts, ist zuversichtlich, dass im Lauf des Sommers ein Hygienekonzept auch das Mitmachen ermöglicht: Noch ist die Grabungsstation für Besucher geschlossen.

Für „Edmonds Urzeitreich“ hat Senckenberg wieder mit dem Frankfurter Kunstverein kooperiert: Dessen Direktorin Franziska Nori hat die Offenbacher Künstlergruppe YARD.works vermittelt, deren Konzept des farbigen Pavillons überzeugt: Die Grabung und die Frage nach dem Woher und Wohin von Natur und Leben werden so künstlerisch eingefasst. Mit guter Akustik, damit man Fragen stellen kann, mit Karikaturen an der Wand und Liebe zum Detail in Neongrün und Weiß. Und natürlich der schwarzen Kreidetafel.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Magel, Eva-Maria
Eva-Maria Magel
Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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