Senckenberg-Museum

Hier liegt der Hund begraben

Von Eva-Maria Magel
17.07.2015
, 16:31
Objekt mit gruseliger Geschichte: Hundeschädel, die der Varietékünstler Karl Hopf gesammelt hat.
Aus einer Sammlung von mehr als 38 Millionen Objekten sind 30 Raritäten für die Sonderausstellung „Senckenbergs verborgene Schätze“ ausgewählt worden. Darunter auch so manch gruseliger Fund.

Den Hund von Baskerville kennt fast jeder. Den Senckenberg-Hund, der auch in einem Moor sein Unwesen trieb, nicht. Noch nicht. Das wird sich ändern, denn eine Sonderausstellung zeigt „Senckenbergs verborgene Schätze“ und geht dafür in die Tiefen der Sammlung, die mehr als 38 Millionen Objekte umfasst. Die Schau versammelt 30 besondere Raritäten aus allen Standorten der Senckenberg-Gesellschaft und ihrer Museen, von Frankfurt über Dresden und Görlitz bis Müncheberg. Normalerweise sind sie nicht zu sehen, diese Sammlungsstücke, sie ruhen in Schubkästen, Tiefspeichern, in zum Teil antiken Glasgefäßen mit Alkohol.

Dass auch vor Jahrhunderten gesammelte Präparate und Fossilien bis heute in der Forschung gebraucht werden, etwa um herauszufinden, wie sich die Welt entwickelt hat und was künftig mit Biodiversität und Klima geschehen könnte, zeigt die Ausstellung höchst anschaulich: Gleich neben einer Urschrecke aus der Grube Messel, in Glyzerin aufbewahrt, krabbelt ihre aktuelle Verwandte, die Gespensterschrecke, gemütlich durch ein Büschel Blätter.

Sie ist, abgesehen von den Besuchern, das einzige lebendige Wesen in der Schau, die dennoch höchst lebhaft wirkt: Die Berliner Fotografen Sebastian Köpcke und Volker Weinhold haben die Exponate in großformatigen Farbfotos noch einmal ganz anders und oft sogar mit Witz ins Bild gesetzt. Ein eigenes Bild soll sich der Besucher an den Vitrinen machen, etwa von Schamkrabben in Alkohol oder einer Lastenträgerschnecke, die 1898 bei der ersten deutschen Tiefsee-Expedition gefunden wurde. Überhaupt gibt es ganz erstaunliche Geschichten zu erfahren.

Kladden statt Schilder an der Vitrine

Zum Beispiel die Geschichte von jenem Senckenberg-Hund. Er ist einer der ältesten Haushunde, der je gefunden wurde - und zwar 70 Meter vom Museumseingang entfernt, bei den Bauarbeiten für das Chemiegebäude der Universität 1914. Dort wurde auch das Ur gefunden, das er gebissen haben musste, bevor beide Tiere im Senckenberg-Moor ertranken: Seine Zahnspuren sind deutlich zu erkennen.

Die Objekte in den Vitrinen wirken für sich, keine Beschilderung, sondern Kladden, die den historischen Sammlungsbüchern nachempfunden sind, muss der Besucher aufschlagen, um sich zu informieren. So erfährt er auch, was es mit der Sammlung von Hundeköpfen aus dem Frankfurter Bestand auf sich hat: Sie gehörten dem Niederhöchstädter Hundezüchter und Variétékünstler Karl Hopf, der als Giftmörder berühmt wurde. Zwei Ehefrauen und seine Kinder hatte er mit Gift und lebenden Cholerabakterien umgebracht, eine dritte Ehefrau überlebte. 1914 wurde er in Preungesheim hingerichtet - durch Enthauptung.

Die Schau „Senckenbergs verborgene Schätze“ ist von morgen an bis 10. Januar täglich von 9 bis 17 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr, an Wochenenden und Feiertagen bis 18 Uhr zu sehen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Magel, Eva-Maria
Eva-Maria Magel
Leitende Kulturredakteurin Rhein-Main-Zeitung.
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