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Serie: Muss das so aussehen?

Überreifer Spätklassizismus

Von Petra Kirchhoff
 - 16:01

Eine Luke im Haussockel reißt weit das Maul auf. Die spitzen Zähne, die sie umgeben, sind nur aufgemalt – Resultat einer Kunstaktion im Jahr 2012, bei der die Fassaden an der Berger Straße bemalt wurden. Damals standen die Häuser mit den Nummern 6 und 8, die zu einem denkmalgeschützten Gebäude-Ensemble am Bethmannpark gehören, schon lange leer.

Das „Café Gegenwart“, im Gewölbe der Nummer 6 untergebracht, hatte schon zehn Jahre vorher die Türen geschlossen, alle Nachfolgegastronomen hatten kein Glück. Nach und nach zogen auch die Bewohner aus. Klingelschilder deuten darauf hin, dass in der Nummer 6 noch zwei Wohnungen belegt sind, eine davon in einem Hinterhaus. Das Haus Nummer 8, durch eine Einfahrt zum Hinterhof von der 6 getrennt, steht seit Jahren komplett leer. Der Putz bröckelt, ebenso die Farbe an den Fenstern.

Kann das weg?

Inzwischen sind zu den legalen Graffiti Plakate und Schmierereien hinzukommen. Käme ein ahnungsloser Bauarbeiter mit seinem Bagger vorbei, er würde vermutlich fragen: Kann das weg? Um Himmels Willen! Das wäre eine Schande. Die beiden Häuser gehören zu den ältesten an der Berger Straße. Damals war dort, wo die Straße heute verläuft, noch eine Freifläche, die Bornheimer Heide. Darüber spazierten die Frankfurter gern am Wochenende. Das hessische Landesamt für Denkmalpflege nennt für die Häuser 1861 als Baujahr: Spätklassizismus. Man muss sich bei der Nummer 6 nur einmal um die Ecke trauen und entdeckt schöne Details wie das Ornament einer Krone oder Reliefs in Wand-Nischen.

Spricht man mit Kristian Bumiller, dem Eigentümer, über seine denkmalgeschützten Gebäude, gerät er ins Schwärmen. Der Investor weiß, welchen Schatz er da besitzt. Bumiller gehört zwar eine ganze Reihe von Immobilien an der Einkaufsstraße, doch keine genießen so viel Aufmerksamkeit wie die Häuser beim Bethmannpark. Übrigens auch im Fernsehen. Der Hessische Rundfunk hat die Fassaden beizeiten als Filmkulisse entdeckt, schon mehrmals wurde dort gedreht. Die Berger, das kleine Babelsberg von Frankfurt.

Mal Druck machen

Wohnungssuchende und Lokalpolitiker sind weniger begeistert. Wie viel Platz gäbe es hier für dringend benötigte Wohnungen. Wie schön wäre die Aussicht auf den Park. Warum passiert seit Jahren nichts? Immer noch kein Bauantrag? Kann die Stadt nicht mal Druck machen?

Dazu gab es über die Jahre diverse Anfragen an den Magistrat. Doch der Stadt sind die Hände gebunden. Seit dem Wegfall des Zweckentfremdungsverbots vor 15 Jahren kann sie nicht mehr gegen Leerstand vorgehen. Ändern könnte das nur das Land Hessen, indem es die Rechtsgrundlage wieder einführt, wie es der Magistrat fordert.

Immer wieder Hoffnungen geweckt

Bumiller selbst hat in der Vergangenheit immer wieder Hoffnungen geweckt. „Schluss mit Leerstand“, titelte im Oktober 2012 die „Frankfurter Rundschau“. Dieser Zeitung sagte der Immobilieninvestor eineinhalb Jahre später, eine Immobilie müsse reifen. Ende des Jahres könne es losgehen. Doch es geschah nichts.

Bumiller macht keinen Hehl daraus, dass sich das Warten lohnt. Denn mit jedem Jahr ist der Wert der Immobilie und damit die Aussicht auf höhere Mieten gestiegen. Das kommt seinem Bauvorhaben entgegen. Baukosten machten „heutzutage keine Freunde mehr“, argumentiert der Immobilieninvestor.

Doch nun könnte der Reifeprozess zu einem Ende kommen. Bumiller kündigte kürzlich auf Anfrage dieser Zeitung an: „2019/2020 soll wirklich etwas passieren.“ Geplant seien Wohnungen in einer Größenordnung zwischen 45 und 75 Quadratmetern. Vorgesehen sei auch ein Querriegel im Hinterhof.

Das lässt hoffen. Doch so bald wird der Luke zum Keller wohl nicht das Maul gestopft werden. Eine Bauvoranfrage liegt nach Auskunft des Stadtplanungsamts bisher nicht vor.

Quelle: F.A.Z.
Petra Kirchhoff
Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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