Deutschlands Drogenhauptstadt

Klage über „Rauschgifttourismus“ in Frankfurt

Von Katharina Iskandar
Aktualisiert am 10.12.2019
 - 12:10
Rauschgiftkonsum im Bahnhofsviertel: Frankfurt ist ein begehrtes Ziel zahlreicher Drogensüchtiger.
Frankfurt genießt den Ruf als Deutschlands Drogenhauptstadt. Sicherheitsdezernent Markus Frank will bei der Bekämpfung des Problems nun auch die umliegenden Kommunen in die Pflicht nehmen.

In der Diskussion über die Drogenprobleme im Bahnhofsviertel sieht Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU) zunehmend auch die umliegenden Kommunen in der Pflicht. Wie er am Montag mitteilte, werden derzeit „intensive Gespräche mit anderen hessischen Städten geführt“ mit dem Ziel, dass sie sich künftig stärker selbst um ihre Drogenabhängigen kümmern. Die Reaktion darauf bezeichnete Frank jedoch als „äußerst verhalten bis ablehnend“.

Seiner Einschätzung nach lebt nur rund die Hälfte aller in Frankfurt registrierten Drogenabhängigen in der Mainmetropole, der Rest komme aus dem Umland. Der „Drogentourismus“ habe zwar in den vergangenen Jahren nicht zugenommen, führe aber angesichts des Wandels, den das Bahnhofsviertel derzeit erlebe, dazu, dass die Beschwerden von Anwohnern und Geschäftleuten stark zunähmen.

„Frankfurt braucht die Unterstützung“

Frank sagte: „Frankfurt braucht die Unterstützung aus den Nachbarstädten.“ Es gehe darum, den Suchtkranken weiterhin ein Hilfsangebot anzubieten, um das Bahnhofsviertel zu entlasten. Das könne Frankfurt aber auf Dauer nicht mehr allein bewältigen. Ihm schwebe ein Modell wie in Zürich vor, so Frank. Die Stadt in der Schweiz, die vor Jahren ebenfalls eine große Drogenszene gehabt habe, setze nun auf die Hilfe einer ganzen Reihe von Verantwortlichen. Die Sozialarbeit sei verstärkt worden, auch um Zürich herum. Zusätzlich werde auf Sauberkeit geachtet, so dass das Drogenproblem inzwischen kaum noch sichtbar sei. Eine solche Lösung könnte sich Frank auch für Frankfurt vorstellen.

Dem Vernehmen nach hat sich auch die hessische Polizei mit dem Zürcher Modell sowie mit Lösungen in Hamburg und Köln eingehender befasst. In Hamburg etwa wurde die Lage durch einen immensen Kontrolldruck der Polizei und eine konsequente Rechtsprechung verbessert. So reichen oft schon drei Festnahmen aus, um eine Person wegen gewerbsmäßigen Handels zu verurteilen. Frank sagte, das wünsche er sich für Frankfurt auch.

Für die Drogenpolitik zuständig ist Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Die Grünen). Auf Anfrage hatte er vor einem Monat mitgeteilt, die konzertierte Aktion, die im Spätsommer die Drogenhilfe, das Ordnungsamt, die Polizei und die Stabsstelle Sauberes Frankfurt ins Leben gerufen hätten, sei „einvernehmlich bis Mitte November verlängert worden“ und werde nun gemeinsam ausgewertet. Wann mit einem Ergebnis zu rechnen ist, ließ Majer offen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Iskandar, Katharina
Katharina Iskandar
Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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