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2020

Das wünschen wir uns für die Hochschulen im Rhein-Main-Gebiet

Von Sascha Zoske
Aktualisiert am 31.12.2019
 - 13:43
Auf ein erfolgreiches neues Jahr: Frankfurter Universität
Klarheit im Plagiatsfall, Vielfalt beim Präsidentenwahlkampf und Respekt vor der deutschen Sprache: Was wir uns für die Hochschulen der Region im neuen Jahr wünschen.

1. Die Vorwürfe gegen Cornelia Koppetsch werden aufgeklärt

Von der Aufsteigerin des Jahres zur Abschreiberin des Jahres – so hat sich das Bild gewandelt, das sich das wissenschaftlich interessierte Publikum 2019 von Cornelia Koppetsch gemacht hat. Mit ihren Thesen zum Rechtspopulismus, die sie in ihrem Buch „Die Gesellschaft des Zorns“ vorstellte, hat die Soziologin von der TUDarmstadt viel Diskussionsstoff geliefert. Umso größer die Bestürzung, als gegen die Professorin im November Plagiatsvorwürfe laut wurden: Sowohl in ihrem aktuellen Werk als auch in einem früheren Buch soll Koppetsch andere Autoren zitiert haben, ohne die Quellen korrekt zu benennen. Inzwischen untersucht die Universität, ob der Forscherin wissenschaftliches Fehlverhalten vorzuwerfen ist. Allen wäre damit gedient, wenn die mit dem Fall befassten Experten rasch zu einem klaren Urteil kommen. Eine Hochschullehrerin, die fremde Gedanken als ihre eigenen ausgegeben hätte, wäre für ihre Studenten ein denkbar schlechtes Vorbild. Auch die plötzliche Popularität, die Koppetsch zuteil wurde – und die ihr bisweilen über den Kopf zu wachsen schien –, kann keine Entschuldigung für schlampige Arbeit sein. Fragwürdig ist aber auch die Häme mancher Kommentatoren, denen die Theorien der Wissenschaftlerin nicht passen, weil sie darin zu viel Verständnis für „Faschisten“ zu erkennen glauben. Immerhin gibt es Fachkollegen, die Koppetsch zugute halten, eigenständige, bedeutende Beiträge zum Verständnis rechtspopulistischer Tendenzen geleistet zu haben. Hoffentlich werden sie das auch nach dem Ende der Plagiats-Untersuchung noch sagen können.

2. In Hessen wird ein guter Hochschulpakt ausgehandelt

Das Modell bewährt sich seit bald 20Jahren. Mit seinen Universitäten, Fach- und Kunsthochschulen handelt das Land Hessen Zielvorgaben aus und gewährt ihnen dafür finanzielle Planungssicherheit über einen längeren Zeitraum. Im neuen Jahr wollen Wissenschaftsministerin und Präsidenten den nächsten Hochschulpakt unterzeichnen: Er wird festlegen, wie viel Geld bis 2025 für Forschung und Lehre zur Verfügung steht. Die Chancen auf eine baldige Einigung stehen gut: Das Gesprächsklima zwischen Unis und Ministerium stimmt, auch deshalb, weil das Land (noch) Geld zu verteilen hat. Mit einer Erhöhung des Grundbudgets um vier Prozent dürfen die Hochschulen laut schwarz-grünem Koalitionsvertrag rechnen. Angesichts der stark gestiegenen Studentenzahlen ist ein solcher Zuschlag auch dringend nötig. Zum Teil gerechtfertigt ist auch die Forderung der Gewerkschaften, mehr Vollzeit-Arbeitsplätze zu schaffen: Für Daueraufgaben braucht es Dauerstellen – für die wissenschaftliche Qualifikation hingegen nicht. Ignorieren sollten die Verhandlungspartner die Forderung der GEW, das hessische Forschungsförderprogramm Loewe abzuschaffen: Um diese zusätzliche Drittmittelquelle werden die hessischen Wissenschaftler von Kollegen in anderen Bundesländern beneidet.

3. EBS und Frankfurt School bekommen ihre Etats in den Griff

Zum Schaden gibt es gratis den Spott: Mit der EBS-Universität und der Frankfurt School of Finance and Management sind ausgerechnet zwei Wirtschaftshochschulen in die roten Zahlen gerutscht. Während die EBS noch unter den Nachwehen ihrer Krise und Gebühren-Ausfällen infolge des Abgangs einer größeren Studentenkohorte leidet, machen der Frankfurt School Fehlkalkulationen bei den Betriebskosten ihres Neubaus und der schrumpfende Weiterbildungsmarkt zu schaffen. Allzu große Sorgen muss man sich um beide erst einmal nicht machen. Die EBS arbeitet erfolgreich daran, ihr angekratztes Image zu polieren; die Frankfurt School ist durch den teuren neuen Campus attraktiver geworden und meldet steigende Studentenzahlen. Trotzdem müssen die Anstrengungen beider Hochschulen über den bloßen Defizitabbau hinausgehen: Für Professoren, die anderen erklären, wie Ökonomie funktioniert, ist die schwarze Null auf Dauer kein ambitioniertes Bilanzziel.

4. An der Uni Frankfurt beginnt ein spannender Wahlkampf

Birgitta Wolff schweigt. Bisher hat sich die Präsidentin der Goethe-Universität offiziell nicht dazu geäußert, ob sie eine zweite Amtszeit anstrebt. Vor Weihnachten teilte ihr Sprecher mit, noch habe die Findungskommission des Senats keinen Text für die Stellenausschreibung publiziert; Wolff werde sich „zu gegebener Zeit“ erklären. Für eine abermalige Kandidatur der 54Jahre alten Ökonomin spricht vor allem, dass nichts Zwingendes dagegen spricht. Zwar hat das schlechte Abschneiden der Uni im Exzellenzwettbewerb von Bund und Ländern 2017 auch Wolffs Ansehen geschadet, und ihr Führungsstil (oder eher das Fehlen eines solchen) ist gelegentlich aus der Hochschule heraus kritisiert worden. Doch das Amt scheint ihr immer noch Freude zu bereiten, mit Krisen geht sie inzwischen souveräner um, und ein Karrieresprung außerhalb der Uni ist nicht in Sicht – Wissenschaftsministerin war sie schließlich schon. Im übrigen müssen sich erst einmal starke Bewerber finden, die Wolff von ihrem Posten verdrängen könnten. Die Wahlen der vergangenen Jahre haben nicht eben den Eindruck erweckt, dass hochqualifizierte Aspiranten für ein solches Leitungsamt Schlange stehen: Spitzenforscher müssten als Präsident auf ihre Forschung verzichten, Spitzenmanager womöglich auf ein Top-Gehalt in der freien Wirtschaft. Umso mehr ist der Uni Frankfurt zu wünschen, dass sie in möglichst vielen fähigen Köpfen den Wunsch weckt, ihr vorzustehen. Ein Wahlkampf mit nur einer Kämpferin wäre arg langweilig.

5. Zwei Großprojekte an der Uni Frankfurt kommen voran

Die frohe Botschaft kam einen Tag vor Weihnachten: Der Hessische Verwaltungsgerichtshof hat im Eilverfahren Klagen von Anwohnern gegen den Neubau des Studierendenhauses auf dem Frankfurter Westend-Campus abgewiesen. Auch wenn juristisch das letzte Wort in der Sache noch nicht gesprochen sein sollte, nährt der Spruch aus Kassel doch die Hoffnung, dass dieses für die Studentenschaft so bedeutende Projekt nun bald vorankommt. Bei allem Respekt vor den berechtigten Sorgen der Nachbarn: Eine bauliche Lösung, die den vom Gebäude ausgehenden Lärm auf ein erträgliches Maß begrenzt, sollte sich finden lassen. Konkrete Vorschläge dazu gibt es ja auch schon. Im Übrigen gehört ein Studentenhaus so selbstverständlich zu einem Uni-Campus wie die Mensa. Und eine ordentliche Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr: Eine U-Bahn-Haltestelle in unmittelbarer Nachbarschaft des Westend-Campus zu schaffen ist überfällig. Gut, dass das Frankfurter Verkehrsdezernat jetzt verschiedene Varianten einer U-Bahn-Strecke zwischen Bockenheim und Ginnheim prüfen lässt. Es muss ja nicht die teuerste Lösung mit einer Station unter dem Theodor-W.-Adorno-Platz gewählt werden. Fünf Minuten Fußweg etwa von der Miquelallee zum Hörsaal sind auch Akademikern durchaus zuzumuten.

6. Die Meinungsvielfalt an den Hochschulen wächst

Es war nicht selbstverständlich, dass der Asta der Uni Frankfurt sich mit Susanne Schröter solidarisiert hat, als die Professorin im Mai wegen ihrer „Kopftuch-Konferenz“ im Internet attackiert wurde. Schließlich halten sich die Leute, die der Ethnologin „antimuslimischen Rassismus“ vorwarfen, vermutlich ebenso für links wie die Studentenvertreter. Trotzdem wiesen Uni-Leitung und Asta-Feminismusreferentin in seltener Eintracht die Vorwürfe gegen Schröter zurück. Weniger ruhmreich war der Umgang mit dem Politologiedozenten Egbert Jahn, dessen Uni-Homepage mutmaßlich wegen seiner umstrittenen Äußerungen zur Flüchtlingskrise zeitweise vom Netz genommen wurde. Immerhin hat die Hochschule ihm später ermöglicht, seine Thesen im uni-eigenen Forschungsmagazin zu erläutern, sodass sich jeder selbst ein Urteil über Jahns Ideen bilden konnte. Womit wieder einmal bewiesen war: Es ist nie verkehrt, anderen Meinungen Gehör zu verschaffen. Und sei es nur zu dem Zweck, ihnen hinterher kompetent widersprechen zu können.

7. Deutsch behält seinen Wert als Wissenschaftssprache

Bayerns Bildungspolitik wird in anderen Bundesländern immer mal wieder zur Nachahmung empfohlen. Dringend abzuraten ist allerdings von der Übernahme dieser Idee aus der Münchner Staatskanzlei: Ministerpräsident Markus Söder (CSU) will, dass in technischen Studiengängen künftig nur noch Englisch gesprochen wird. Joybrato Mukherjee, Anglistikprofessor, Gießener Uni-Präsident, Sohn indischer Eltern und von morgen an Präsident des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, hat zu dem Thema Folgendes gesagt: Selbstverständlich sollten Hochschulen Veranstaltungen auf Englisch anbieten, aber „Primärsprache an deutschen Universitäten ist und bleibt Deutsch“. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Zoske, Sascha
Sascha Zoske
Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.
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