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Tinder für Bankkunden

Anlageberater mittels Datingportal

Von Manfred Köhler
17.10.2018
, 15:30
Verabredung mit dem Banker: Die Frankfurter Sparkasse will sich näher am Kunden orientieren. Bild: Maximilian von Lachner
Die Kunden der Frankfurter Sparkasse können sich ihren Berater künftig unter rund 300 Frauen und Männern online aussuchen – nach Methoden, die bei Flirtvermittlern Erfolg haben.

Hier gibt sich die Frankfurter Sparkasse ganz anders. Kein nüchterner Verwaltungsbau. Sondern das bunt eingerichtete Techquartier unweit der Messe. Keine endlosen Flure, sondern nur ein Arbeitsplatz unter vielen auf einer Etage, auf der sonst vor allem Existenzgründer beieinandersitzen. Und kein Bankkaufmann, sondern eine Mitarbeiterin, die Philosophie studiert hat und Sprachwissenschaften. Marie-Luise Sessler leitet seit zwei Jahren gemeinsam mit Michael Kossmehl das sogenannte Innovations-Lab der Fraspa. Ihr Auftrag: bestehende Geschäftsmodelle optimieren, neue entwickeln, den kulturellen Wandel im Unternehmen anstoßen, netzwerken.

Jetzt steht das größte Projekt, nach vielen Stunden des Grübelns zwischen jungen Fintech-Unternehmern, kurz vor der Einführung. Die Kunden der Sparkasse sollen künftig die Möglichkeit haben, einen Berater so zu finden, wie heutzutage Millionen Menschen einen Partner auf Datingportalen suchen: Fragen beantworten, Vorschläge ansehen. Die erste Hoffnung: Wenn Kunde und Berater gut zueinanderpassen, werden sie eine gute Beziehung entwickeln, zum geschäftlichen Vorteil für beide Seiten. Die zweite: Die Sparkasse kommt mal ganz anders daher, das schafft Aufmerksamkeit.

Freunde in der Bank

Mit einem Kinospot soll für das Projekt „Friends in Banks“ geworden werden. Wer die entsprechende Seite im Internet aufsucht, muss rund ein Dutzend originelle, teils witzige Fragen beantworten zu seinem Umgang mit Geld, seinem Freizeitverhalten und dazu, was er an Frankfurt liebt. Dann wird ihm ein Mitarbeiter in der Nähe vorgeschlagen, mit dem er Kontakt aufnehmen kann. 300 Berater in der Zentrale und den Filialen der Sparkasse machen mit, freiwillig – fast alle. Sie stellen sich auf der Internetseite mit kurzen Texten vor.

Sessler ist ein bisschen stolz auf die originelle Idee und kann auch schildern, dass dahinter viel Arbeit steckt. Für den eineinhalb Minuten dauernden Werbefilm, der im Kino und in den sozialen Medien zu sehen sein soll, wurden Studenten der Hochschule für Gestaltung in Offenbach gewonnen. Ein auf Wirtschaft spezialisierter Mediator brachte sein Wissen ein, woran Beziehungen zwischen Kunden und Unternehmen gewöhnlich scheitern. Beim Austüfteln der Fragen für das Matching zwischen Kunden und Beratern wirkte eine etablierte Partnerschaftsagentur mit. Dabei sollen die Kunden ihren Ansprechpartner in der Bank ja nicht heiraten. Aber im Grunde sei es beim Verhältnis zwischen Kunde und Berater ähnlich wie in einer wirklichen Beziehung, sagt Sessler: „Wenn sie ähnlich ticken, verstehen sie sich besser.“

„Wir haben ein gutes Asset, das sind die Menschen“

Ob es am Ende fünf Matches pro Woche seien oder 1000, lasse sich nicht vorhersagen, meint Sessler. Ohnedies richtet man sich vor allem an Neukunden. „Wir haben ein gutes Asset, das sind die Menschen“, sagt Sessler, während sie im Techquartier von jungen Entwicklern umgeben ist, die am Geldanlegen nach Empfehlungen einer Software arbeiten. Wer seit Jahren einen festen Ansprechpartner in der Sparkasse hat und zufrieden ist, wird ihn kaum wechseln, so das Kalkül. In einigen Wochen wird sich sagen lassen, wie das neue Angebot ankommt: Im Herbst soll „Friends in Banks“ freigeschaltet werden.

Für Sessler und ihren Kollegen geht die Arbeit dann sofort weiter. In vier Filialen wird ein Prozess getestet, bei dem Neukunden gleich am Schalter beigebracht wird, wie sie ihre Geldgeschäfte möglichst einfach online abwickeln können. In der Entwicklung ist ein Online-Portal, mit dem die Sparkasse Kunden gewinnen will, die den Baukredit prolongieren müssen.

Sessler, die mit einer Arbeit über Meister Eckhart promoviert wurde, gehen solche Überlegungen inzwischen leicht über die Lippen. Während des Schreibens an der Doktorarbeit studierte sie noch Betriebswirtschaftslehre. Bevor sie das Innovation-Lab übernahm, arbeitete sie als Referentin des Vorstands und kümmerte sich um die Digitalisierung der Helaba. „Ich liebe diesen Job“, sagt sie über die Tätigkeit in Techquartier. Jetzt muss sie nur noch hoffen, dass auch Kunden die Anlageberater-Suche per Dating-App lieben.

Quelle: F.A.Z.
Manfred Köhler
Ressortleiter der Rhein-Main-Redaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
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