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Eintracht-Kommentar

Augen auf beim Träumen

EIN KOMMENTAR Von Peter Heß
 - 09:30

Jeder kann träumen, wovon er will. Aber niemand sollte den Anspruch entwickeln, dass sich die Träume auch erfüllen. Das böse Erwachen ist ansonsten programmiert. Die Wunschvorstellung Champions League wird bei der Frankfurter Eintracht immer noch gehegt. Der erste Blick auf die Tabelle lässt die Umsetzung nach wie vor möglich erscheinen, aber viel größer wird die Hoffnung, wenn man die Augen vor der Realität ganz fest verschließt. 13 Spieltage vor dem Saisonende beträgt der Rückstand auf den letzten Rang, der die Zutrittsberechtigung zur Königsklasse bringt, fünf Punkte. Rein mathematisch ein leicht zu bewältigender Rückstand. Aber fußball-praktisch betrachtet liegen Welten zwischen den ersten vier Plätzen und dem Fünften, Eintracht Frankfurt.

Das wurde am Samstag deutlich, als der Tabellenvierte RB Leipzig die Hessen nach allen Regeln der Kunst auseinandernahm und nur durch eine Verkettung unglücklicher Umstände nicht über ein 0:0 hinauskam. Der Leistungsunterschied war so groß, wie es zu erwarten steht, wenn ein Team mit einem Marktwert von etwas mehr als 200 Millionen Euro auf eine Mannschaft mit einem Marktwert von fast 400 Millionen Euro trifft. Und von den anderen Klubs, die sich auf den Champions-League-Plätzen tummeln, besitzen Borussia Dortmund und Bayern München ein noch deutlich größeres wirtschaftliches und sportliches Potential als Leipzig und Borussia Mönchengladbach ein ähnliches.

Mehr Substanz als die Eintracht

Auch die ersten Frankfurter Verfolger, Bayer Leverkusen (punktgleich) und der VfL Wolfsburg (ein Punkt Rückstand) verfügen über eine größere Substanz als der hessische Traditionsklub. Es wäre also kaum eine Enttäuschung zu nennen, wenn die Eintracht die Spielzeit nicht auf einem Europapokal-Platz beenden würde, schon gar nicht auf einem Königsklassenrang, sondern Ausdruck der real existierenden Verhältnisse.

Die Sportliche Leitung der Frankfurter hat mit dem Geld, das ihr zur Verfügung steht, vorzüglich gearbeitet – Stuttgart, Berlin, Mainz und Bremen sind die passenden Maßstäbe. Und im Herbst entstand eine Welle der Begeisterung, auf der die Mannschaft und der ganze Verein eine Zeitlang geritten sind. Aber man kann als Emporkömmling nicht ständig über die Verhältnisse spielen, und irgendwann findet auch die Konkurrenz heraus, was den Aufsteiger stark macht. Vor allem die Konkurrenz, die genauso viele Waffen im Arsenal hat als die Eintracht oder noch mehr. Wenn Haller, Rebic und Jovic von einer Dreierkette an die Leine gelegt werden wie in Leipzig, dann fehlt den Frankfurtern ein Plan B.

Aber das ist nicht so schlimm. Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre ist es schon schön für die Eintracht, einen überzeugenden Plan A zu haben. Auch wenn er nicht in die Königsklasse führen sollte.

Es wäre keine Enttäuschung, wenn die Eintracht nicht auf einen Europapokalplatz käme.
Quelle: F.A.Z.
Peter Heß
Sportredakteur.
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