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Darmstadt 98 bleibt Vorletzter

Die „Lilien“ leiden weiter

Von Jörg Daniels
 - 08:48

Was ein persönliches Erfolgserlebnis in Krisenzeiten doch bewirken kann. Individuelle Glücksgefühle. Der Darmstädter Fußballprofi Joevin Jones lächelte, als er am Sonntag seinen 1:1-Ausgleichstreffer im Zweitligaspiel zu Hause gegen Heidenheim rekapitulierte. „Ich habe den Ball hereinfliegen sehen, und mein Sprung war dann gut getimt“, sagte der 26-Jährige über seinen außergewöhnlichen Höhenflug in der 60. Minute. Bei seiner Körpergröße von 1,71 Meter ist es kein Wunder, dass es der erste Kopfballtreffer von Jones in dessen Profikarriere war. „Da bin ich zunächst selbst überrascht gewesen“, sagte der Außenbahnspieler aus Trinidad und Tobago und lachte.

Sein Mannschaftskollege, der Darmstädter Kapitän Aytac Sulu, schaute bei der Gesamtbewertung des SVD-Abschneidens ernst drein. Das Leid der „Lilien“, das kein Ende nehmen will, stand ihm ins Gesicht geschrieben. Nach der Punkteteilung gegen Heidenheim – das 1:0 (7. Minute) für den Tabellenelften hatte Kevin Kraus geschossen – trennen den Vorletzten jetzt schon vier Punkte vom rettenden 15. Rang. Zur Erinnerung: Der letzte Heimsieg gelang den Darmstädtern am 17. September gegen Bielefeld (4:3).

Ein Sieg in 18 Spielen

Die „Lilien“-Horrorbilanz weist aktuell nur einen Erfolg in den zurückliegenden 18 Begegnungen auf. Das ist abstiegsreif. Die Mannschaft von Trainer Dirk Schuster ist in ihrer misslichen Situation jeweils auf den vollen Ertrag in Form von drei Zählern angewiesen. Und Heidenheim bot sich im Hinblick auf den direkten Vergleich der beiden Klubs als Punktelieferant förmlich an. In davor elf Partien hatte der Gegner nur einmal am Böllenfalltor gewinnen können: am achten Spieltag der Saison 2012/2013. Am Sonntag wären die Heidenheimer wieder dran gewesen, fand deren Trainer Frank Schmidt, der mit mehr als zehn Jahren Tätigkeit auf der Ostalb der dienstälteste Coach in der ersten und zweiten Liga ist. „Es sind zwei verlorene Punkte für uns“, klagte er. Zwei Trainer, zwei Meinungen: „Ich bewerte das Ergebnis als einen gewonnenen Punkt für uns“, sagte Schuster. Sein Team hatte davor viermal hintereinander verloren.

Wahrlich kein gutes Timing: Vor 13.650 Zuschauern waren die Darmstädter schon nach 17 Minuten nicht mehr vollzählig gewesen. Immanuel Höhn hatte sich des unsportlichen Delikts der Notbremse schuldig gemacht und bekam dafür die Rote Karte. Im Zweikampf mit dem davoneilenden Heidenheimer Offensivspieler Robert Glatzel zog der Darmstädter Defensivspieler diesen am Trikot. „Lilien“-Profi Kevin Großkreutz, so urteilte Schiedsrichter Martin Thomsen, hätte in die Spielsituation nicht mehr eingreifen können. „Die Rote Karte haben wir selbst mitfabriziert“, kritisierte Schuster. „Ich lasse jedoch im Raum stehen, ob man die Karte geben muss, denn ich denke, Kevin hätte noch eingreifen können.“

Nicht alle Darmstädter Profis auf dem Posten

Zugriff aufs Geschehen hatte auf jeden Fall Daniel Heuer Fernandes. Der SVD-Torhüter parierte dann den gut geschossenen Freistoß (19.) von Arne Feick. In der ersten Halbzeit waren allerdings nicht alle Darmstädter Profis auf dem Posten. Sulu schaffte es nicht, nach einem Steilpass von Nikola Dovedan den Führungstreffer von Kraus zu verhindern. „Wir waren zunächst etwas schläfrig in der Partie“, sagte Schuster.

Richtig wach wurden die Südhessen, denen es lange an klaren Torchancen mangelte, erst nach der Halbzeitpause. Jetzt wollten sie sich in Unterzahl mit aller Macht nicht mehr vom Gegner unterkriegen lassen. Schneller Einwurf von Großkreutz, der am kommenden Freitag in Dresden gesperrt ist (5. Gelbe Karte), Flanke von Tobias Kempe und Kopfballtor Jones – beim Treffer zum 1:1 zeigten die „Lilien“ die nötige Präsenz und Handlungsschnelligkeit im sportlichen Überlebenskampf. „Wir haben einen großen Schritt nach vorne gemacht im Kopf“, meinte Schuster. „Wir haben die Mentalität, alles zu versuchen und immer wieder zurückzukommen – das ist der richtige Weg.“ Trotzdem: Tabellarisch verliert der Erstliga-Absteiger, der es in den kommenden Wochen auch mit den Aufstiegsanwärtern in die erste Liga (Nürnberg, Düsseldorf und Kiel) zu tun bekommen wird, immer weiter an Boden. Wirklich stark sind die „Lilien“ nur im Sich-stark-reden. Im verbalen Bündeln der Kräfte.

Auf dem Platz fehlt ihnen momentan ganz klar die Qualität dafür, Siege auch mal erzwingen zu können. Und im Duell mit Heidenheim konnten sie am Ende von Glück reden, dass Marc Schnatterer (86.) und Maximilian Thiel (88.) jeweils nur die Latte und den Querbalken des Darmstädter Tores trafen. „Wir können mit dem dreckigen Punkt zufrieden sein“, sagte Sulu. „Das ist definitiv ein Punkt für die Moral.“ Darmstadt lebt vor allem vom Prinzip Hoffnung.

Quelle: F.A.Z.
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