<iframe title="GTM" src="https://www.googletagmanager.com/ns.html?id=GTM-WBPR4W&gtm_auth=3wMU78FaVR9TNKtaXLbV8Q&gtm_preview=env-23&gtm_cookies_win=x" height="0" width="0" style="display:none;visibility:hidden"></iframe>
Lilien-Trainer im Interview

„Wir wollen die Jungs zu mehr Spielfreude ermutigen“

Von Alex Westhoff
 - 09:20
„Einige Zweitligisten haben das Wort Umbruch in den Mund genommen – auf uns trifft dies auch zu“: Lilien-Trainer Grammozis

Verfolgen Sie neben Fußball noch andere Sportarten?

Basketball schaue ich sehr gerne, aktuell natürlich die WM. Ich habe früher in fußballfreien Zeiten auch gerne selbst ein bisschen gezockt. Unlängst hatte ich mal einen gemeinsamen Studioauftritt mit Bundestrainer Henrik Rödl. Seitdem schaue ich bei der deutschen und natürlich auch bei der griechischen Nationalmannschaft noch genauer hin.

Im Basketball können die Profis Dutzende Spielzüge auswendig und auf ein Handzeichen hin verwirklichen. Fasziniert Sie das mit Blick auf Ihre Arbeit?

In gewisser Weise schon. Nur geht es im Basketball statischer zu als im Fußball, was das genaue Abspulen von einstudierten Laufwegen erleichtert. Dazu gibt es viel mehr Pausen im Spiel und die Möglichkeit, ständig zu wechseln. Aber es gibt natürlich auch Parallelen zum Fußball, die es lohnenswert machen, sich etwas abzuschauen.

Was zum Beispiel?

Die Akribie, mit der im Basketball im und am Detail gearbeitet wird – das kann man im Fußball auf die Standardsituationen übertragen. Da gibt es viele Möglichkeiten, den Gegner mit einem genauen Plan vor Probleme zu stellen.

Sind im Fußball die Möglichkeiten wirklich schon ausgereizt, was festgelegte Spielzüge und Laufwege betrifft?

Ich finde, dass der Fußball auf einem sehr hohen Niveau angekommen ist. Wenn man sich die athletischen Werte der Spieler anschaut, dann ist das kaum noch weiter auszureizen. Die Jungs sind top austrainiert. Man kann natürlich taktisch an der einen oder anderen Schraube drehen. Am Ende ist es aber fast immer die individuelle Qualität, die im Spiel den Unterschied ausmacht. Die Spieler in den Topligen haben alle Qualität – da kommt es auf die drei, vier Spieler an, die über das gewisse Extra verfügen. Als Mannschaft musst du schauen, dass diese Qualität zum Tragen kommt – und beim Gegner möglichst nicht.

Werden Fußballprofis unterfordert in Sachen (Spiel-)Intelligenz und taktischem Mitdenken?

Bei allen Trainern, die ich gut kenne, beobachte oder mit denen ich zusammengearbeitet habe, wird taktisch viel gearbeitet. Von daher finde ich nicht, dass die Spieler unterfordert sind. Denn Fußball hat so viele Facetten, ist so komplex, dass er weit über den standardisierten Spielzug hinausgeht. Stichwort Athletik, den körperlichen Kampf Mann gegen Mann und auch das mannschaftliche Gefüge mit zehn verschiedenen Mitstreitern auf dem Platz. Da kann man kaum eine spezifische Facette perfekt vorbereiten, weil man ja alle Aspekte behandeln muss. Es gibt in einem Team aus so vielen verschiedenen Charakteren daher immer etwas, das einem Probleme bereitet.

Meier, Frings, Schuster, Grammozis – jeder der jüngsten Darmstädter Trainerwechsel bedeutete einen erheblichen Bruch mit der Spielweise des vorher Verantwortlichen. Jeder neue Trainer hat quasi bis zu seiner Entlassung um Geduld und Zeit zur Weiterentwicklung gebeten. Wann bekommt man als Coach seine Spielphilosophie eigentlich verankert?

Die Entwicklung einer Mannschaft geht nie zu Ende. Jeder will sich permanent verbessern. Wenn man ein bestimmtes Level erreicht, will man von dort aus weiterkommen. Wir wollten im Sommer mit neuen jungen Spielern bei uns wieder neue Energie hineinbekommen. Einige Zweitligisten haben das Wort Umbruch in den Mund genommen – auf uns trifft dies auch zu. Als Trainer denke ich vorwiegend: Wo befindet sich die Mannschaft, und wo möchte ich sie hinbringen? Wenn die grundsätzliche Richtung, so wie bei uns, stimmt, kann man Rückschläge wie zuletzt viel besser wegstecken. Kein Trainer der Welt kommt ohne Niederlage aus. Wichtig ist, wie man damit umgeht.

Wissen mittlerweile alle bei den „Lilien“, wofür der Trainer Grammozis steht, was er jetzt und in Zukunft will?

Es sind in diesem Geschäft letztendlich immer die Ergebnisse ausschlaggebend. Verlierst du sechsmal in Folge, schaut niemand mehr auf die langfristige Entwicklung. Einsatz, defensive Stabilität, Arbeitsethos, also die Tugenden, die Darmstadt 98 ausmachen – das haben die Jungs mit Ausnahme des Osnabrück-Spiels (0:4) immer gut gemacht. In die Länderspielpause sind wir mit dem Ansatz gegangen, voranzukommen hinsichtlich mehr Ballkontrolle und dem Kreieren von Torchancen. Wir wollen die Jungs ermutigen, noch mehr Spielfreude zu zeigen.

Also hinten sehr sicher stehen, kämpferisch zu jeder Spielminute überzeugend und im Angriffsspiel spielerisch wertvoll. Ist das nicht zu hoch für die zweite Liga?

Es reicht heutzutage im Fußball nicht aus, nur defensiv gut zu stehen. Wir sind darauf angewiesen, Lösungen mit dem Ball am Fuß herauszuarbeiten. Es gilt, die defensive Stabilität als Basis zu nehmen für eigene Torchancen. Denn nur so kann man gewinnen. Die Null hinten bringt wenig, wenn man vorne zu ungefährlich ist. Wir Trainer wollen natürlich alle Spielphasen perfektionieren. Aber die Offensive ist viel schwerer zu trainieren als die Defensive.

Inwiefern?

Weil es in der Defensive klare Strukturen und Verhaltensmuster gibt, die man trainiert. In der Offensive ist man mehr abhängig von Form und Qualität der Einzelspieler. Jede Mannschaft braucht ein Fundament, an das sie sich immer klammern kann, auch wenn es mal schlecht läuft – und das ist bei uns die defensive Stabilität. Das hat man nach der hohen Niederlage in Osnabrück im nächsten Spiel gegen Dresden gut sehen können. Aus dieser Grundsicherheit heraus können wir die nächsten Schritte machen im Spiel nach vorne.

Sie haben Darmstadt bislang als Standort mit hartgesottenen Fans und einer recht zahmen Medienlandschaft kennengelernt. Über die Reaktionen von Fans und Medien nach dem Dresden-Heimspiel (0:0) wirkten Sie verwundert und enttäuscht.

Unsere Anhänger sind wahnsinnig toll, und darauf werde ich auch nie etwas kommen lassen. Manche Reaktionen nach dem Dresden-Spiel kamen für mich tatsächlich ein bisschen überraschend. Weil in meiner Amtszeit sich die Mannschaft in keinem Spiel nachsagen lassen kann, nicht alles versucht zu haben. Dass die Reaktionen nach einem Spiel wie in Osnabrück zu Recht negativ ausfallen, müssen wir uns gefallen lassen. Aber gerade in den Heimspielen haben wir uns immer gut präsentiert. Da hätte ich mir gewünscht, dass man uns nach einem Nackenschlag wie dem 0:4 ein in der Offensive schlechteres Spiel nachsieht – auch wenn ich natürlich weiß, dass das kein schön anzuschauendes Spiel war. Mir ging es gegen Dresden darum, den Jungs wieder Stabilität zu verschaffen. Dafür habe ich bewusst in Kauf genommen, dass wir mit dem Ball eventuell kein gutes Spiel machen würden. Dennoch: In der Analyse waren manche Spieler überrascht, wie viele Konterchancen wir selbst in diesem Spiel hatten, die wir nur leider nicht gut ausgespielt haben.

Das heißt, Sie haben in diesen beiden Spielen besonders viel über die Mannschaft und einzelne Spieler gelernt?

Ja, es waren wichtige Erkenntnisse zu sehen, wie sich jeder Einzelne präsentiert und wehrt und wie die Reaktion in den Tagen danach aussieht. Das Osnabrück-Spiel hat bei uns einen gewissen Knick verursacht. Gegen Dresden war mir wichtig, dass wir nicht auseinandergefallen sind, sondern wieder Stabilität an den Tag legen. Das war unser Ansatz.

Quelle: F.A.S.
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenSV Darmstadt 98Fußball