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Eintracht-Fans träumen

„Wir sind jetzt mal dran“

Von Daniel Schleidt
 - 07:24

Auch fast sechzig Jahre danach sind die Bilder noch präsent. Elmars erste Saison als Anhänger von Eintracht Frankfurt war 1958/59. Die Eintracht wurde deutscher Meister, zum ersten und bisher letzten Mal, und spielte im Jahr danach im Europapokal der Landesmeister. Elmar zieht die schwarze Mütze ein Stück tiefer ins Gesicht, vorne ist das Adler-Logo des Klubs aufgestickt. Es ist kalt, und es ist weniger los als sonst am „59er“, jenem Bierstand kurz vor dem Eingang zur Arena, an dem sich viele Fans vor und nach den Heimspielen zusammenfinden.

Elmar erzählt, er sei zusammen mit dem damaligen Eintracht-Stürmer Alfred Pfaff mit der Straßenbahn zu den Heimspielen an den Riederwald gefahren. Dass er heute von der Vergangenheit berichtet, hat mit den Ergebnissen der Gegenwart zu tun. Die Frankfurter stehen neun Spieltage vor Saisonende auf dem vierten Tabellenplatz, der am Schluss der Bundesliga-Runde zur Teilnahme an der Champions League berechtigen würde, dem Folgewettbewerb des Europapokals der Landesmeister. Zum ersten Mal seit 1960.

„Champions League würde uns nicht gut tun“

Am „59er“ ist am Samstag vor dem Spiel gegen Hannover 96 der Traum von Gegnern wie Real Madrid und Juventus Turin allgegenwärtig. Elmar hat sich in sechs Jahrzehnten nie von der Eintracht abgewandt. Aber: „Ich glaube, die Champions League würde uns nicht gut tun.“ Spiele im internationalen Wettbewerb könnten sich wegen der zusätzlichen Belastung negativ auf die Bundesliga-Ergebnisse auswirken.

Wenige Meter entfernt steht Jens mit seinen Freunden. Den schwarz-weißen Eintracht-Schal hat er sich fest um den Hals gebunden. Die Mannschaft stehe zu Recht dort oben, lobt der Achtundvierzigjährige und beißt genüsslich in sein Frikadellenbrötchen. Die Erfolge und die Träume von der Champions League hätten sich die Fans der Eintracht nach so langer Zeit des Leidens verdient. „Wir sind jetzt mal dran“, sagt Jens. Acht bis neun Punkte, glaubt er, sollten reichen, um sich zumindest die Teilnahme an der Euro League zu sichern. Dann zückt er sein Smartphone, öffnet eine App und wirft, zum dritten Mal in fünf Minuten, einen Blick auf die Tabelle. „Aber wenn ich ehrlich bin, hoffe ich auf mehr.“

Vorab-Blick in den Kalender

Zwei Stunden und einige Biere später sind die Hoffnungen nicht geringer geworden. Nach dem 1:0-Sieg über Hannover 96 hat Jens schon wieder das Smartphone in der Hand. Dieses Mal gleicht er die Spieltermine der Champions League in der nächsten Saison mit seinem Kalender ab. „Mist, am 2.Oktober bekomme ich keinen Urlaub“, stellt er verärgert fest. „Hoffentlich spielen wir nicht ausgerechnet da in Barcelona.“

Elmar ist zufrieden. „Die Mannschaft hat sich den Sieg verdient“, findet er. Dann erzählt er vom legendären Finale der Eintracht im Europapokal der Landesmeister 1960 gegen Real Madrid, das die Spanier 7:3 gewannen. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“, fragt Jens und zeigt schon wieder die Tabelle vor. Ja, Elmars Befürchtung, die Mehrfachbelastung könne die Eintracht in der nächsten Saison überfordern, sei nicht ganz abwegig. „Nochmal die Champions League erreichen werden wir dann sicher nicht“, prophezeit Elmar. Jens schaut ihn überrascht an. Wieso, fragt er. „Ist der Titelverteidiger nicht automatisch qualifiziert“?

Quelle: F.A.Z.
Daniel Schleidt
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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