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Eintracht Frankfurt

Kurz, aber schön: Meier ist zurück

Von Ralf Weitbrecht
 - 07:49

Vielleicht war es nur ein Zufall. Doch genau so hat es sich zugetragen: Drei unentwegte russische Fußball-Anhänger rissen ziemlich genau in dem Moment ihre Kleider vom Leib und standen mit nacktem Oberkörper da, als Alexander Meier seine ersten Meter machte. Comeback des Eintracht-Kapitäns nach neun Monaten – mit Gesängen russischer Fans, die am Mittwochnachmittag im Stadion am Riederwald dabei waren, um nicht nur ihre Lieblinge des Drittligaklubs FC Kazanka Moskau zu sehen, sondern auch den Frankfurter Fußballprofi Meier, einst Torschützenkönig der Bundesliga.

Jenen Kicker, der so sehnsüchtig auf diesen Tag hingearbeitet hatte, an dem er von der 74. Spielminute an im Blickpunkt stand. Meier fand es ausnahmslos „schön, auch wenn es nur kurz war. Aber alles hat gehalten, und ich durfte endlich wieder mit den Jungs spielen.“ Die Begeisterung über das Comeback überwog alles. „Haben wir eigentlich 4:3 oder 5:3 gewonnen“, fragte Meier die Reporter. „Das Ergebnis war ja nicht so wichtig.“ 5:3 hieß es am Ende eines kurzweiligen Tests, den Eintracht-Assistenztrainer Armin Reutershahn erwartungsgemäß in die Kategorie „gute Trainingseinheit“ einstufte. „Die Mannschaft hat sich gut bewegt, und wir haben schöne Tore erzielt.“

In Deckung bleiben

Eintracht-Chefcoach Niko Kovac hatte es vorgezogen, am Tag vor dem Doppel-Geburtstag in Deckung zu bleiben. Aus der Distanz verfolgte er gemeinsam mit Sportvorstand Fredi Bobic das Treiben seiner Mannschaft, in der sich im Riederwaldstadion zumeist Kräfte aus der zweiten Reihe behaupten durften. Stammspieler wie Lukas Hradecky, David Abraham, Timothy Chandler, Kevin-Prince Boateng, Marius Wolf, Ante Rebic und Sebastien Haller waren überhaupt nicht dabei. Andere wie Marco Russ, Marco Fabian und Jetro Willems waren dazu auserkoren, Mitspielern wie Marc Stendera, Aymen Barkok und Daichi Kamada zur Seite zu stehen.

Dass die Eintracht nach Toren von Branimir Hrgota (22.), Fabian (24., Foulelfmeter), Danny Blum (42.), Luka Jovic (66.) und Kamada (79.) bei drei russischen Gegentreffern durch Artem Galadzhan (30. und 73.) und Roman Tugarev (61., Foulelfmeter) zum verdienten Sieg gekommen war, stand tatsächlich nicht im Fokus. Es war Meiers Rückkehr, die bewegte. „Ich war neun Monate raus“, sagte der umlagerte Eintracht-Kapitän nach dem Auslaufen. „Wir müssen jetzt abwarten, was die Zeit so bringt“, sagte er zur Frage, wann denn wieder mit ihm in der Bundesliga zu rechnen sei. „Wichtig ist, dass mein Fuß schmerzfrei bleibt. Ich werde alles dafür tun, dass ich in dieser Saison noch spielen kann. Dafür habe ich all das in den letzten Monaten ja gemacht.“

„Es ist noch ein langer Weg“

Auch Reutershahn war „froh, dass Alex wieder da ist. Er hat sich gut bewegt, und das schon gleich bei einem Tor gezeigt“, als Meier Ausgangspunkt eines feines Konters war, bei dem der Ball von Meier über Hrgota bei Kamada – und dann im Tor des U23-Teams von Lokomotive Moskau landete. Der Assistenztrainer sagte aber auch: „Es ist noch ein langer Weg.“

Nicht nur für Meier, sondern wohl auch für Marijan Cavar. Der 19 Jahre alte Bosnier, Mitte Januar von HSK Zrinjski Mostar nach Frankfurt gewechselt und mit einem bis einschließlich 30. Juni 2021 laufenden Vertrag ausgestattet, war gegen die Russen erstmals für die Eintracht am Ball. Der defensive Mittelfeldspieler hielt sich bei seiner Premiere stark zurück, beschränkte sich zumeist auf die sogenannten sicheren Bälle und Pässe zum Nebenmann. „Er hat noch Probleme mit der deutschen Sprache“, sagte Reutershahn nach dem 5:3. „Aber er ist im Training schon voll dabei, kein Fremdkörper und setzt die Dinge schnell um. Er ist wissbegierig und will lernen.“ Auch bei Cavar ist sich Reutershahn ebenso wie bei Meier sicher: „Wir müssen Geduld haben.“

Abwarten, weiter an sich arbeiten und auf den Tag der Tage warten: Wer Meier kennt, weiß, dass er alles dransetzen wird, um in der Bundesliga für die Eintracht am Ball zu sein. Der Tag der Tage – das ist, auf andere Art und Weise, schon dieser Donnerstag. Der Verein Eintracht mit seinen mehr als 50.000 Mitgliedern feiert seinen 119. Geburtstag, und Niko Kovac ist seit genau zwei Jahren im Amt. Dafür gab es am Riederwald vorab schon mal einen Blumenstrauß. Und verbal jede Menge Lob von seinen Leuten, mit denen der heute 46 Jahre alte Kovac vor eben genau zwei Jahren damit begann, die Eintracht vor dem Abstieg zu bewahren, nach und nach völlig umzukrempeln, besser und anders zu machen – und nicht nur in das letztjährige Pokalfinale, sondern aktuell auch hoch bis auf Tabellenposition vier in der Bundesliga zu führen.

Ein Fußballlehrer, der „total erfolgsorientiert ist“, wie sein Assistent Reutershahn am Mittwoch sagt. „Niko ist nie zufrieden. Er ist ein Vulkan, der permanent Veränderungen sucht.“ Rückkehrer Meier ergänzte: „Dass bei uns in der Mannschaft Konstanz herrscht und alle fit sind, liegt vor allem an der guten Arbeit des Trainers. Er lässt nie locker.“ Und so wird Kovac auch weiterhin genau beobachten, wann Meiers Stunde geschlagen hat, um nach dem Kurzeinsatz vor kleinem Publikum gegen Kazanka Moskau auch auf die große Bühne Bundesliga zurückzukommen.

Quelle: F.A.Z.
Ralf Weitbrecht
Sportredakteur.
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