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Eintracht Frankfurt

Kevin-Prince Boatengs Einsatz gegen Rassismus

Von Ralf Weitbrecht, Frankfurt
 - 08:10

Am Donnerstag sind sie wieder abgetaucht. Keine Spur von Alexander Meier und dem Rest der Eintracht, der sich noch am Mittwoch spielend gegen den FC Kazanka Moskau am Riederwald gezeigt – und verdient 5:3 gewonnen hatte. Es war der Tag der Rückkehr und des Starts in eine Zukunft, die sowohl für Kapitän Meier als auch für Neuzugang Marijan Cavar erfolgversprechend sein soll. Trainer Niko Kovac nutzte den ganz speziellen Donnerstag, um sich fernab jeglicher Beobachter auf die nahende schwere Auswärtsprüfung in Dortmund vorzubereiten. Am Sonntag, unter Flutlicht von 18 Uhr an, findet im größten deutschen Fußballstadion das eigentliche Spitzenspiel – nicht das vom Fernsehen gemachte am Samstagabend – des 26. Spieltags statt. Der BVB gegen die Eintracht, der Tabellendritte gegen den Rangvierten, das Kräftemessen zweier Spitzenteams.

Spitze sein, an der Spitze stehen und zielstrebig vorangehen: Wer bei der Eintracht nach solchen Leuten sucht, wird auf Spielerseite bei Kevin-Prince Boateng fündig. Auch deshalb lag es für die Macher der Deutschen Fußball Liga (DFL) auf der Hand, Boateng als neue Galionsfigur für die bundesweite Aktion „Strich durch Vorurteile“ zu gewinnen. Auf Initiative der DFL-Stiftung wollen die 36 Profivereine der Ersten und Zweiten Fußball-Bundesliga am 27. Spieltag, der vom 16. bis 19. März stattfindet und aus Eintracht-Sicht besonders reizvoll ist, da das Nachbarschaftsduell gegen Mainz 05 ansteht, ein Zeichen gegen Gewalt, Ausgrenzung und Diskriminierung setzen.

„Es geht um Haltung“

„Wir Fußballer möchten Vorbilder sein“, sagte Boateng am Donnerstag bei der Präsentation der Initiative in den Presseräumlichkeiten der Frankfurter Arena. „Ich möchte meine Berühmtheit für Positives nutzen und mich für Menschlichkeit einsetzen. Bei Eintracht Frankfurt haben wir gezeigt, dass Spieler aus vielen Ländern und Kulturen vorbildlich harmonieren.“ Boatengs Berühmtheit und dessen Bezug zu dem Thema hat sich sogar schon bis nach Genf herumgesprochen. Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Said Raad al-Hussein, hat kürzlich mit dem Fußballspieler über Rassismus im Fußball diskutiert. Leider habe der Profi von Eintracht Frankfurt ihm gesagt, dass das Problem in vielen Stadien weiter präsent sei, sagte al-Hussein am Freitag. Er rief Fußballer in aller Welt auf, es dem gebürtigen Berliner gleich zu tun und sich öffentlich zu äußern. Boateng war 2013 bei einem Spiel mit seinem damaligen Verein AC Mailand wegen rassistischer Pöbeleien mitten im Spiel vom Feld gegangen, gefolgt von seinen Teamkollegen. „Viele dieser Spieler haben jede Menge Fans und sie können Verhalten beeinflussen“, sagte al-Hussein.

Christian Seifert, der Geschäftsführer der DFL, betonte nun bei der Vorstellung der Bundesligakampagne: „Dogmatiker und Populisten dürfen keine Bühne bekommen. Die Bundesliga als Bezugspunkt für Menschen steht für gelebtes und vorurteilsfreies Miteinander.“ Seifert ergänzte: „Es geht um Haltung.“ Die Aktion „Strich durch Vorurteile“ soll helfen, Barrieren abzubauen. „Für unseren Klub ist das ein ganz besonderes Anliegen“, sagte Eintracht-Vorstandsmitglied Axel Hellmann.

Beworben wird die Initiative durch Fernsehspots, und den Vereinen ist es freigestellt, auf ihren Trikots Raum für zusätzliche Präsentationsflächen zu schaffen. Als Seifert sagte, dass man die Aktion nicht mache, um Vorbild für andere Ligen zu sein, entgegnete Boateng: „Ich muss da mal rein grätschen. Andere Ligen sollten solche Aktionen auch machen.“

Für andere Vereine, beispielsweise den FC Bayern München, mag die Personalie Niko Kovac interessant sein. Fakt aber ist: Kovac ist Trainer der Eintracht und will dies auch zumindest bis zum Ende der aktuellen Vertragslaufzeit bis Mitte 2019 sein. 8. März 2018 – es war nicht nur der Tag, an dem der Traditionsverein Eintracht Frankfurt seinen 119. Geburtstag feierte. Es war auch der Tag, an dem Kovac auf ein zweijähriges Wirken zurückschauen konnte. Erst die geglückte Relegation gegen den 1. FC Nürnberg, dann die Konsolidierung in der Bundesliga mit einer starken ersten Halbserie in der vergangenen Saison. Und jetzt die Weiterentwicklung mit der Stabilisierung der Mannschaft und der folgerichtigen Plazierung im ersten Tabellendrittel. Kovac tut der Eintracht gut und befindet sich damit in prominenter Gesellschaft. In den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten war es nämlich so, dass langfristig arbeitende Trainer in Frankfurt die besten Erfolge erreicht haben.

Fünf Jahre Friedhelm Funkel, drei Jahre Armin Veh – und jetzt zwei Jahre Kovac: Die bisherige Bilanz des 46 Jahre alten Kroaten, von seinem Assistenten Armin Reutershahn unlängst als „Vulkan“ beschrieben, der ständig nach Perfektion strebt, kann sich nach 80 Pflichtspielen sehen lassen: 37 Siege, 16 Unentschieden, 27 Niederlagen. Kovac hat im Verbund mit seinem Team neben dem Team die Eintracht auf den Kopf gestellt und umgekrempelt. Die Arbeitstage sind für die Profis länger, intensiver und gehaltvoller geworden. Und auch neueste wissenschaftliche und medizinische Erkenntnisse haben ihren Beitrag dazu geleistet, dass es mit der Mannschaft sportlich unter Kovac aufwärts gegangen ist.

Das soll, das muss noch nicht das Ende der Möglichkeiten sein, die sich der Eintracht bieten. Und so ist es auch nicht ausgeschlossen, dass es Kovac vielleicht gelingt, eine acht Jahre währende Negativserie in Dortmund zu beenden. Von der Borussia gab es nämlich fast nur sportlich Prügel. Unentschieden – Fehlanzeige. Der letzte Auswärtssieg, ein 3:2 nach Toren von Benjamin Köhler, Sebastian Jung und – natürlich – Alexander Meier, datiert vom 7. Februar 2010. Zeit, dass sich was dreht.

Quelle: F.A.Z.
Ralf Weitbrecht
Sportredakteur.
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