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Neuer Eintracht-Trainer Hütter

„Respekt vor allem, Angst vor nichts“

Von Marc Heinrich, Frankfurt
 - 15:18

Eintracht Frankfurt steht vor einem Sommer, in dem der Klub mal wieder umfassende Umbauarbeiten zu bewältigen hat. Durch den Pokalsieg kehrt die Mannschaft nach vierjähriger Unterbrechung ins europäische Fußballgeschäft zurück. Die Erfolge der vergangenen Monate führten dazu, dass tragende Kräfte des Aufschwungs wie Torwart Lukas Hradecky oder Mittelfeldmann Marius Wolf das Interesse der zahlungskräftigeren Konkurrenz weckten – und weggekauft wurden. Alex Meier, von den Fans als „Fußball-Gott“ verehrt, verlor dagegen nach 14 Jahren unerschütterlicher Treue zum Verein das Vertrauen der Sportlichen Leitung und hinterlässt als Identifikationsfigur eine große Lücke, von der nicht absehbar ist, wer sie füllt.

Die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Herausforderungen, die es in Kombination durchaus in sich haben, möglichst komplikationslos gelöst werden können, kommt künftig vor allem Adi Hütter zu. Der 48 Jahre alte Österreicher wurde am Mittwochmittag als neuer Chefcoach der Hessen offiziell vorgestellt. Hütter wird Anfang Juli, noch während die Weltmeisterschaft in Russland in vollem Gange ist, das Training bei der Eintracht aufnehmen. „Ich freue mich darauf“, sagte der ehemalige Profi, nachdem er in weißem Hemd und blauem Sakko mit Einstecktuch im Blitzlichtgewitter der Fotografen auf dem Podium in der Frankfurter Arena Platz genommen hatte: „Meine ersten Eindrücke sind sehr gut.“

Hütter arbeitete bis dato bei Young Boys Bern. Bei den Schweizern benötigte er drei Jahre Anlauf, um Geschichte zu schreiben. Die Meisterschaft in dieser Saison war für den Erstligaverein die erste seit 32 Jahren. Am Sonntag unterlag Hütter in seinem Abschiedsspiel mit Bern im Pokalfinale dem FC Zürich. Erst seitdem, so behauptete er, beschäftige er sich eingehender mit der Eintracht. Das Engagement bei den Young Boys habe er „professionell bis zum letzten Tag“ ausgeübt.

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Neuer Eintracht-Coach
„Natürlich stehe ich für offensiven Fußball“

Eine offensive Spielphilosophie

Zu seiner Fußballphilosophie gehöre die Vorstellung, „dass die Zuschauer ins Stadion kommen, weil sie sehen wollen, dass nach vorne gespielt wird“. Hütter bezeichnete sich als Verfechter eines „offensiven“ Stils, doch er lege Wert darauf, dass seine Lehre von den Spielern nicht so interpretiert werde, dass ein „bedingungsloses Spektakel“ daraus wird: „Das ist zu riskant, deswegen muss auch ein Plan B vorhanden sein.“ Hütter fügte an, dass er die „kompakte Verteidigung“ auch in Frankfurt nie außer Acht lasse. Es sei eine „spannende“ Angelegenheit herauszufinden, wie seine theoretischen Konzepte ganz praktisch zur Eintracht passen: „Das Gefüge der Mannschaft ist das Wichtigste, der Teamspirit muss stimmen. Es geht grundsätzlich nur übers Kollektiv und nicht um einen Einzelnen. Dann kann man Spaß haben.“ Er bezeichnete sich als „sehr kommunikativen“ Trainer, der daran interessiert sei, „welcher Mensch sich hinter dem Spieler verbirgt“.

Disziplin, Respekt und die Bereitschaft zu harter Arbeit hätten ihn zu dem gemacht, was er heute ist – entsprechend schätzt er (wie auch Kovac) diese Tugenden, besonders. Seine Erfahrung habe ihn gelehrt, dass Profis es eher bevorzugen, wenn sie „mit strenger Hand“ anstatt der Laissez-Faire-Methode geführt würden. „Ich bin nicht der Freund der Spieler. Aber auch weit weg davon, dass ich ihr Gegner wäre. Ich habe Respekt vor allem. Aber Angst vor nichts.“

Welche Akteure ihm fortan zur Verfügung stehen, ist Hütter noch nicht klar. In die Kaderplanung sei er bislang nicht eingebunden gewesen. „Das ist und war nicht mein Thema“, beteuerte er. Demzufolge lag die komplette Entscheidungshoheit zuletzt bei Sportvorstand Fredi Bobic und Sportdirektor Bruno Hübner, die auch die Ausbootung Meiers vorantrieben. Erst, wenn klar sei, auf wen er zählen könne, werde er sich zu möglichen Zielen in der kommenden Runde konkreter äußern, sagte Hütter. Nur so viel ließ er erkennen: Die Auftritte in der Europa League empfinde er nicht als Belastung, sondern Bereicherung.

Bobic sagte, der Kader der Eintracht werde an die gewachsenen Anforderungen angepasst. „Es werden nicht zehn oder fünfzehn Spieler gehen, sondern eher graduelle Ergänzungen vorgenommen, mit denen wir uns qualitativ verbessern können. Das Gerüst, das wir haben, ist schon sehr gut. Wir sind gewappnet“, sagte der Sportvorstand. „Wichtig ist, dass man Titel holt“, bezog Hütter grundsätzlich Stellung, „und ich möchte, dass wir ein sehr gutes Bild abgeben.“

Als Aktiver feierte er seine größten Erfolge mit Austria Wien. Insgesamt trug er 14 Mal das Nationaltrikot seines Landes. Seit seinem Karriereende 2007 arbeitet er als Trainer, unter ein Jahr bei Red Bull Salzburg; als er 2009 dort aufhörte, weil er sich mit Ralf Rangnick überwarf, wurde er von Niko Kovac abgelöst. Mit Hütter kommen einige neue Sitten auf die Frankfurter Profis zu. Er veröffentlichte vor Jahren ein Buch über „Die 11 Gesetze der Motivation im Spitzenfußball“. In Bern sagte er den Spielern, dass er von ihnen erwarte, dass sie pro Saison ein Buch lesen. „Ich finde schon, dass man sich weiterbilden sollte durch Bücher. Ich bin nicht so der Romanleser, ich lese eher Fachbücher von Trainergrößen wie Carlo Ancelotti oder Alex Ferguson. Weil es interessant ist, wie sie denken und ticken“, sagte er kürzlich in einem Interview mit der „Neuen Zürcher Zeitung“ (NZZ).

Hütter sagte, zu seinen Stärken zähle sein Ehrgeiz: „Ich habe einfach den inneren Antrieb, herauszufinden, wie weit es reicht. Vor sechs Jahren begann ich in Grödig zu arbeiten, in einer Gemeinde nahe Salzburg mit gut 7000 Einwohnern. Wir waren in der zweiten Bundesliga, stiegen auf und erreichten auf Anhieb Rang drei. 2015 gewann ich mit Salzburg das Double (…) Und nächste Saison trainiere ich Eintracht Frankfurt – wer hätte sich so etwas vor sechs Jahren ausgedacht?“ Er sei, betonte Hütter am Mittwoch, „den harten Weg“ gegangen, der ihn nun zur Eintracht führte. Der Klub sei eine erstklassige Adresse voller „Chancen und Möglichkeiten“. Niko Kovac, der von einer Ausstiegsklausel Gebrauch machte, um zum FC Bayern München zu wechseln, habe einen „sehr guten Job“ gemacht.

Hütter sagte, er wolle die „Weiterentwicklung vorantreiben“. Auf die Frage, ob auch er in seinem bis Ende Juni 2021 gültigen Kontrakt eine Option aufnehmen ließ, die ihn bei vorliegenden Angeboten die Gelegenheit bietet, Frankfurt vorzeitig zu verlassen, gab er keine eindeutige Antwort. Hütter sagte bei seiner Präsentation lediglich: Es sei in diesem Rahmen nicht angemessen, detailliert über die Vertragssituation zu reden.

Quelle: FAZ.NET
Marc Heinrich
Sportredakteur.
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