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Ringer Gabriel Stark

„Kein Kampf darf schief laufen“

Von Daniel Meuren, Mainz
 - 17:40

Ihre Mannschaft des ASV Mainz 88 geht mit der Bürde einer 10:15-Niederlage in den Halbfinal-Rückkampf gegen die Red Devils Heilbronn an diesem Samstag (19.30 Uhr). Haben Sie schon neuen Mut gefasst??

Es musste ein wenig Zeit vergehen, aber wir haben uns erholt. Der Kopf ist wieder oben. Wir haben neue Hoffnung.

Ihr Klub haderte vor allem mit der Disqualifikation von Dzhan Bekir wegen einer dritten Passivitätsverwarnung. Wie haben Sie die Entscheidung beurteilt?

Bei Dzhan muss ich klar sagen, dass es nicht gerechtfertigt war, diesen recht knappen Kampf mit einer Disqualifikation zu beenden. Ich habe es mir selbst noch mal angeschaut: Die ersten beiden Verwarnungen waren nicht okay, da haben die Kampfrichter meines Erachtens nach sogar die Regeln falsch angewandt. Diese zwei Mannschaftspunkte, die die Disuqalifikation beschert hat, sind schon sehr viel.

War es für Sie besonders schmerzlich, in einem solchen Kampf zuschauen zu müssen als Kapitän Ihres Teams?

Es war schwerer, als wenn ich auf der Matte gestanden hätte. Für die Nerven ist es schlimmer, wenn man zehn Kämpfe zuschauen muss. Wenn man sich warmmacht und auf seinen Kampf hinarbeitet, ist es anders. Dann fokussiert man sich auf sein eigenes Ding und darf bei den anderen nicht zuschauen.

In Ihrer Gewichtsklasse bis 98 Kilogramm im Freistil wurde Wladimir Remel aufgeboten. Waren Sie verärgert wegen der Nicht-Nominierung?

Ich war natürlich nicht glücklich. Aber ich war nicht verärgert über den Trainer. Er hat mir das erklärt und auch gefragt, ob das für mich in Ordnung geht. Und ich habe eingesehen, dass die Nominierung völlig verständlich und von der Strategie her die beste Aufstellung war. Wir dürfen als gesamte Mannschaft nur 28 Punkte auf den Mannschaftsbogen bringen. Ich koste halt als deutscher Meister drei Punkte, Wladimir Remel nur zwei. Und wir brauchten für unsere Aufstellung genau diesen einen Zähler. Für mich persönlich war es aber dennoch natürlich ärgerlich. Ich bin ja Ringer, weil ich ringen und nicht zuschauen will.

Sie waren ein Opfer der 28-Punkteregel, die von der Grundidee her eigentlich deutsche Ringer schützen soll. Stattdessen waren am Kampfabend nun Tim Müller und Sie auf Mainzer sowie der WM-Dritte Pascal Eisele auf Heilbronner Seite und somit drei der besten deutschen Ringer nur Zuschauer. Hat die neue Regel versagt?

Soweit würde ich nicht gehen. Aber man sieht, dass alle Regelungsversuche Probleme mit sich bringen und es für die Klubs immer Wege gibt, das auszunutzen für andere Strategien.

Sie werden faktisch mit den drei Punkten für ihre deutschen Meistertitel in der 98-Kilogrammklasse bestraft. Sie konnten im Halbfinale nicht ringen und ihre Verhandlungsposition beim Aushandeln von Honoraren ist beeinträchtigt...

So weit habe ich noch nicht gedacht. Aber da ist was dran. Es könnte sein, dass sich mancher überlegt, ob er wirklich deutscher Meister werden will.

Ringen im Selbstversuch
Am Boden und in der Luft
© Wonge Bergmann, FAZ.NET

Auf Ihrem Trikot steht der 88er-Slogan „GMNSAM STARK“. Damit ist natürlich nicht Ihr Nachname gemeint, sondern die Geschlossenheit. Kann das im Einzelsport Ringen tatsächlich etwas bewegen?

In Mainz ist das schon besonders, dass hier jeden Tag Training ist. Ich kenne keinen anderen Verein in Deutschland, wo das so ist. Andere Bundesligavereine haben zweimal in der Woche gemeinsam Training und da arbeitet dann jeder eher für sich den Rest der Woche. Mainz nimmt das als Mannschaftsding deutlich ernster. Wir haben eine gemeinsame Vorbereitung, inder Davyd Bichinaschwili samt Periodisierung und Grundlagenphase alles für uns plant. Wir fahren in Trainingslagerund es wird auf Teambuilding geachtet bei gemeinsamen Unternehmungen wie einer Marathonstaffel oder einem Thermenbesuch. Da wächst dann was zusammen, das auf der Matte den Unterschied ausmachen kann.

Dennoch ging nun der Hinkampf verloren. Bleibt es nicht eine Illusion, dass man durch weiche Faktoren die harten Fakten wie höhere individuelle Qualität bei finanziell vermutlich etwas stärkeren Konkurrenzklubs wie Heilbronn mit Weltmeister Frank Stäbler bezwingen kann?

Ich bleibe trotz der Niederlage in Heilbronn fest davon überzeugt, dass das was ausmacht und uns auch die Chance verschafft im Rückkampf. Wir sind zusammen stärker als die einzelnen Teile. Wenn man unseren Trainer am Samstagabend leiden sah, als der Kampf gegen uns kippte, dann habe ich innerlich geweint. Er und der ganze Verein betreiben einen Riesenaufwand. Gerade Davyd hätte es sehr verdient, dass wir das Ding noch umbiegen.

Was muss passieren, damit Mainz 88 noch das Finale erreicht?

Es müssen Qualität, Tagesform und Kulisse zusammenkommen. Jeder auf den Punkt fit sein, Leistung abrufen. Körperlich waren wir schon in Heilbronn topfit. Samstag müssen wir jetzt auch mental alles abrufen. Das ist das Ding erst einmal von jedem Einzelnen, da kann man als Mannschaftskollege oder Trainer nur bedingt helfen: Ringen ist und bleibt halt am Ende doch auch ein Einzelsport. Und es braucht einen Schlüsselmoment am Anfang. Es darf kein Kampf schief laufen.

Sie würden im Schwergewicht im zweiten Kampf auf die Matte gehen. Ein guter Zeitpunkt für ein Ausrufezeichen?

Ich weiß noch nicht, ob ich auf die Matte darf. Aber ich würde meinen Kampf dann nicht als Schlüsselkampf ansehen. Er zählt wie jeder andere.

„Abkochen“ mit Ringer Stäbler
Der Kampf vor dem Kampf
Quelle: F.A.Z.
Daniel Meuren
Sportredakteur.
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