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Siegfried Dietrich im Gespräch

„Ohne lange Trainererfahrung war es schwer“

Von Alex Westhoff
 - 13:38

Wie haben Sie die Entlassung Ihrer langjährigen Weggefährtin Steffi Jones als Bundestrainerin aufgenommen?

Die Entscheidung des DFB hat mich emotional sehr bewegt. Ich habe Steffi als 18-Jährige kennengelernt, als ich noch Sport-Physiotherapeut war. Während ihrer Jahre bei der SG Praunheim, der Ära beim 1. FFC Frankfurt und auch nach dem Ende ihrer aktiven Karriere habe ich sie auch als ihr persönlicher Manager betreut und erlebt, mit welcher Stärke und Willenskraft sie alle ihre Jobs angeht.

Als langjähriger Manager haben Sie Ihr Ohr in der Frauenfußball-Szene. Woran ist sie als Bundestrainerin gescheitert?

Es hätte durchaus auch gut funktionieren können, weil sie den Schritt in das Amt sehr gut geplant hatte. Doch viele Dinge, die nicht gut gelaufen sind, haben sich letztlich aufgetürmt. Das i-Tüpfelchen war nun das schwache Abschneiden beim SheBelieves Cup und die schlechte Stimmung in der Mannschaft, die offensichtlich geworden ist. Da war mir klar, dass die Rückendeckung endlich und die Trennung nur eine Frage der Zeit ist. Da die Frauenfußball-Nationalmannschaft angesichts ihrer großen Erfolge zu den Juwelen im deutschen Mannschaftssport gehört.

Waren die Schuhe von Vorgängerin Silvia Neid, die eine an Titeln reiche Erfolgs-Ära geprägt hatte, zu groß für Steffi Jones?

Sie hat in der Tat ein unglaublich schweres Erbe angetreten nach dem Olympiasieg 2016. Ohne wirkliche Trainererfahrung war es schwer, den Umbruch anzuleiten im Team nach den Abschieden von einigen verdienten Führungsspielerinnen. Mit ihren kommunikativen Mitteln und ihrer Art, mit Menschen umzugehen, hat sie sehr viel versucht zu bewegen. Teilweise mit Erfolg, aber in den entscheidenden Momenten, nicht zuletzt bei der verpatzten EM, ist dann vieles gegen sie gelaufen. Kurzum: Der Zeitpunkt ihres Einstiegs und ihre mangelnde Erfahrung waren von Beginn an große Handicaps.

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Der Wille war da
DFB entlässt Bundestrainerin Steffi Jones

Ist Steffi Jones zu weich gewesen für diesen Job?

Ihre freundliche Art ist ihr entgegengekommen, als sie zu Beginn in jede Spielerin hineingehorcht hat. Steffi vermag, so wie sie ist, Barrieren zu brechen. Dennoch gilt es natürlich auch tough zu sein, was nicht unbedingt zu ihren Charaktereigenschaften zählt. Das war ein schwieriger Prozess – und ohne Erfahrung und ohne sportlichen Erfolg stand sie dann irgendwann mit dem Rücken zu Wand. Noch neulich hatte ich aber am Telefon den Eindruck, dass sie absolut motiviert und willens ist, das Team in die Erfolgsspur zurückzuführen.

Sehen Sie im deutschen Frauenfußball einen natürlichen Nachfolger beziehungsweise Nachfolgerin?

An Personaldebatten möchte ich mich nicht beteiligen. Horst Hrubesch wird eine gute Brücke schlagen zur neuen Lösung. Es sollte jemand werden, der langjährige Erfahrung hat und sich im Frauenfußball gut auskennt. Wichtig auch, dass man zudem einen Manager ins Boot holt. Es müssen die richtigen Schlüsse gezogen werden aus der Situation, die jetzt entstanden ist.

Wird Steffi Jones wieder ins zweite Glied beim DFB zurückkehren oder Trainerin bleiben?

Das habe ich noch nicht herausgehört. Ich finde, dass sie eine großartige Botschafterin und Repräsentantin des deutschen Frauenfußballs war, ist und auch künftig bleiben sollte. Ich würde mich freuen, wenn Steffi einen Platz findet, von dem aus sie sich weiter national und international um den Frauenfußball verdient machen könnte. Sie ist eines der bedeutendsten Gesichter dieses Sports weltweit.

Kellermann und Meinert ohne Chancen auf Trainerjob

Der Wolfsburger Ralf Kellermann und Junioren-Nationalcoach Maren Meinert spielen bei der Nachfolge-Suche für Steffi Jones als Bundestrainerin der Frauenfußball- Nationalmannschaft nach Angaben von DFB-Funktionären keine Rolle. Meinert hat laut Joti Chatzialexiou, Sportlicher Leiter der Nationalmannschaften, „aus familiären Gründen abgesagt“. Kellermann, der als Chefcoach mit dem VfL Wolfsburg dreimal deutscher Meister und zweimal Champions-League-Sieger war und dort nun als Sportdirektor arbeitet, ist für Jones-Vorgängerin Silvia Neid kein Thema. „Er hat keine Lizenz“, sagte sie am Rande des DFB-Pokalspiels 1. FFC Frankfurt gegen Turbine Potsdam am Dienstagabend.

Die Entscheidung über die neue Bundestrainerin oder den neuen Bundestrainer wird das Präsidium mit Reinhard Grindel an der Spitze fällen. Neid hatte die Auswahl 2016 zum Olympiasieg geführt und leitet mittlerweile die Scouting-Abteilung beim Deutschen Fußball- Bund. Der DFB hatte Jones am Dienstag von ihren Aufgaben entbunden.

Interimscoach für die beiden bevorstehenden WM-Qualifikationsspiele im April gegen Tschechien und in Slowenien ist Horst Hrubesch. Der 66-Jährige war 2016 in Rio des Janeiro Coach der deutschen Auswahl der Männer, die bei den Sommerspielen Silber geholt hatte. Hrubesch forderte, in Ruhe in den kommenden Wochen einen Lösung zu finden, die „über die nächsten Jahren den deutschen Frauenfußball wieder fit macht für Titel“. Es gebe ein klares Anforderungsprofil. Als eine Kandidatin gilt die frühere Nationalstürmerin Martina Voss-Tecklenburg. Die 50-Jährige führte die Auswahl der Schweiz 2015 erstmals zu einer WM und sitzt inzwischen im Aufsichtsrat von Fortuna Düsseldorf. (dpa)

Quelle: F.A.Z.
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