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Sportverletzungen

Hallo zum Hoffa’schen Fettkörper

Von Tobias Rösmann, Frankfurt
Aktualisiert am 03.03.2016
 - 19:12
Verletzt, aber keinesfalls standardmäßig: Eintrachts Torschütze Alex Meier hat sich den Hoffa’schen Fettkörper eingerissen.zur Bildergalerie
Damit nicht nur der Muskel zumacht: Fußballfans müssen immer neue medizinische Fachbegriffe lernen, um zu verstehen, was den Profis fehlt. Alexander Meier hat die Verletzung mit dem aufregendsten Namen.

Wenn Lothar Matthäus früher erklären sollte, warum es für ihn auf dem Fußballplatz nicht mehr weiterging, sagte er einfach: „Der Muskel hat zugemacht“ - und schaute dabei abwechselnd wütend, traurig und enttäuscht. Was genau das medizinische Problem war, wusste niemand. Matthäus auch nicht. Aber erstens interessierte das damals auch keinen, weil einzig und allein wichtig war, dass der Kapitän der Nationalmannschaft nicht mehr weiterspielen konnte. Und zweitens konnte sich unter „Muskel zumachen“ jeder so ungefähr vorstellen, was gemeint war: Matthäus hatte Schmerzen am Bein und musste deshalb ausgewechselt werden.

Seitdem hat sich verletzungsmäßig viel verändert. Leider nicht alles zum Guten. Denn Fußballfans werden immer öfter konfrontiert mit überaus unschönen Dingen wie gereizten und gerissenen Patellasehnen, rupturierten Kreuzbändern (partiell, komplett, rechts, links, vorne, hinten, beide), entzündeten Schambeinen, gezerrten Adduktoren, gerissenen Syndesmosen (bindegewebige Knochenverbindungen), gebrochenen Jochbeinen, Kiefern und Augenhöhlen, entzündeten Schleimbeuteln (Bursae synoviales), geschädigten Knorpeln und angerissenen Menisken. Das tut weh, zumal es den wahren Fußballliebhaber zum Aneignen einer medizinischen Expertise zwingt, die allein es ihm ermöglicht, mitzureden und vor allem: die es ihm gestattet, einzuschätzen, wie lange der jeweilige Spieler ungefähr verletzt sein könnte.

Hoffa’sche Fettkörper? Nie gehört, schmerzt aber trotzdem

Seit dieser Woche ist der medizinische Kosmos zumindest jedes Anhängers von Eintracht Frankfurt um eine Verletzung reicher: Alexander Meier, der beste Torschütze des Vereins, der wieder einmal um den Klassenerhalt kämpft, hat sich nämlich den Hoffa’schen Fettkörper (Corpus adiposum infrapatellare) eingerissen. Manche sprechen zwar lieber vom Hoffa-Fettkörper, aber einig sind sich alle darin, dass er im menschlichen Kniegelenk zu finden ist. Benannt ist das intensiv durchblutete Teil übrigens nach dem deutschen Chirurgen und Orthopäden Albert Hoffa, der von 1859 bis 1907 lebte.

Eine Operation am Fettkörper ist nach Ansicht von Ärzten nicht nötig - anders als bei fast allen rupturierten Kreuzbändern und sehr vielen gerissenen Patellasehnen. Aber die Sache, so lassen Fachleute für Knorpelregeneration wissen, kann ziemlich schmerzhaft sein. Schonung für Meier wäre gut, aber im Abstiegskampf ist das natürlich schwierig: Wer sonst soll ein Tor für die Eintracht schießen?

Muskelfaserriss durch Elfmeterschuss

Während es Lothar Matthäus’ „Der Muskel hat zugemacht“ bis auf T-Shirts geschafft hat, auf denen sonst Sätze stehen wie „Bier formte diesen schönen Körper“ (Männer) und „Ich habe auch Augen, Du Arsch!“ (Frauen), ist das für „Hoffa’scher Fettkörper“ leider nicht zu erwarten. Höchstens ohne „Hoffa’scher“.

Alexander Meier hat nun zwar die Verletzung mit dem aufregendsten Namen, dafür hat sich ein anderer Eintracht-Profi auf besonders absurde Weise verletzt. Die Rede ist von Szabolcs Huszti. Der Ungar, der seit Sommer für Frankfurt kickt, trat am 23. Februar 2013 für Hannover 96 zu einem Elfmeter an - und schaffte es, sich dabei einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zuzuziehen, der das Saisonende bedeutete. Immerhin war der Ball im Tor.

Philosophisches vom Medizinmann Christoph Daum

Mit einem Muskelfaserriss, das wissen Fußballfans schon lange, ist nicht zu spaßen. Trotzdem ist er nur mittelschlimm. Eine kürzere Pause würde durch eine Verhärtung (meistens: „Muskel hat zugemacht“) oder eine Muskelzerrung ermöglicht, eine längere Ausfallzeit hingegen würde durch einen Muskelbündelriss und - vollkommen furchtbar - einen Muskelriss erzwungen. Ein solcher Riss setzte vor knapp einem Jahr den ohnehin schon dauernd verletzten Bayernspieler Holger Badstuber für vier Monate außer Gefecht.

Doch Hoffa, Meier, Matthäus und Badstuber verblassen vor einem Einzigen. Vor dem Fußballphilosophen und Medizinmann Christoph Daum. Der schaffte es als Eintracht-Trainer im Frühjahr 2011, Körper und Geist zu einer genialen Symbiose zu vereinen, indem er sagte: „Wenn der Kopf richtig funktioniert, ist er das dritte Bein.“

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Rösmann, Tobias
Tobias Rösmann
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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