Frankfurter Museen

Max Hollein wechselt nach San Francisco

Von Michael Hierholzer, Frankfurt
24.03.2016
, 12:32
Konstante Gestaltungsmacht: 15 Jahre lang hat Max Hollein in Frankfurt gewirkt. Hier am Tag seiner Vorstellung, dem 11.August 2000.
Der Leiter von Städel, Liebieghaus und Schirn übernimmt am 1. Juni das größte Museum Nordkaliforniens. Die Kulturstadt Frankfurt steht nun vor der schwierigen Suche nach einem Nachfolger.
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Er verlässt Frankfurt, wo er seit 2001 die Schirn-Kunsthalle und seit 2006 zusätzlich das Städel-Museum und die Liebieghaus-Skulpturensammlung leitet: Max Holleins neue Wirkungsstätte werden die Fine Arts Museums of San Francisco sein. Offiziell tritt er die Stelle als Direktor dieser Einrichtung an der amerikanischen Westküste am 1.Juni an. Nach eigenen Angaben wird Hollein allerdings noch einige Wochen zwischen Frankfurt und San Francisco pendeln. So bereitet er im Frühsommer etwa die von ihm selbst kuratierte Ausstellung mit Werken von Georg Baselitz vor, die am 30.Juni im Städel eröffnet wird. In Amerika sei es üblich, dass zwischen der Entscheidung für einen Bewerber und dem Amtsantritt nur eine sehr kurze Zeitspanne liege, sagte Hollein. Das habe mit den im Vergleich zu Europa wesentlich kürzeren Kündigungsfristen zu tun.

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Unter dem Titel Fine Arts Museums sind das de Young Museum und das Legion of Honor Museum zusammengeschlossen. Es handelt sich um die größte Kunstinstitution nicht nur in San Francisco, sondern in ganz Nordkalifornien. Die Sammlungen umfassen künstlerische ebenso wie kunsthandwerkliche Objekte, darunter auch Mode. Schwerpunkte liegen allerdings auf der amerikanischen und europäischen, vor allem der französischen Kunst.

Alle Häuser „in voller Fahrt“ und „bester Verfassung“

Mehr als 128.000 Gegenstände werden in den Ausstellungsräumen gezeigt oder in den Depots verwahrt. 520 Mitarbeiter und zusätzlich etwa 600 ehrenamtliche Helfer arbeiten in den Häusern. Der Freundeskreis zählt mehr als 100.000 Mitglieder. Etwa 1,6 Millionen Besucher wurden 2014 dort gezählt, das Doppelmuseum steht damit auf dem vierten Platz aller Ausstellungshäuser in den Vereinigten Staaten. Das Städel hat etwa 200, die Schirn 40 Mitarbeiter, dem Städelschen Museums-Verein gehören ungefähr 8.000, den Schirn-Freunden knapp 2.000 Mitglieder an.

Es sei nach 15 Jahren in Frankfurt Zeit geworden für eine neue Herausforderung, erläuterte Hollein gestern auf Anfrage. Er gehe zu einem Zeitpunkt, an dem alle drei Frankfurter Häuser unter seiner Leitung „in voller Fahrt“ und „bester Verfassung“ seien. Dies sei ein günstigerer Moment, als die Häuser in einer Krisensituation abzugeben, die es in Zukunft vielleicht einmal hätte geben können. Er habe Schirn, Städel und Liebieghaus in den vergangenen Jahren ein deutliches Profil geben wollen. Gleiches strebe er in San Francisco an. „Die Stadt verändert sich gerade sehr, ich finde es sehr reizvoll, daran beteiligt zu sein.“

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„Er hat sich wirklich um die Kulturstadt Frankfurt verdient gemacht.“

In der Vergangenheit war immer wieder darüber spekuliert worden, ob und wann der 1969 geborene, als Kunsthistoriker und Betriebswirt ausgebildete Hollein einen nächsten Karriereschritt unternehmen werde. Zuletzt war er in die engste Auswahl gekommen, als das Pariser Centre Pompidou einen neuen Leiter suchte. International hat er sich mit vielen Ausstellungen einen Namen gemacht, die nicht nur ein großes Publikum anzogen, sondern auch von kunstwissenschaftlichem Wert waren. Hinzu kamen Umbauten, der Städel-Erweiterungsbau und etliche andere Projekte. Nikolaus Schweickart, Vorsitzender der Administration des Städel-Museums, nannte Hollein „einen der erfolgreichsten und visionärsten Direktoren“, die Städel und Liebieghaus je gehabt hätten. Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), Aufsichtsratsvorsitzender der Schirn-Kunsthalle, bezeichnete den Weggang Holleins als „großen Verlust für die deutsche Kulturlandschaft“.

Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) sagte, es sei abzusehen gewesen, dass Hollein irgendwann Frankfurt den Rücken kehren werde. Schließlich sei schon nach den ersten sehr erfolgreichen Jahren in Frankfurt darüber spekuliert worden, ob es ihn anderswohin ziehe. „Er hat sich wirklich um die Kulturstadt Frankfurt verdient gemacht.“ Die Ein-Mann-Spitze für die drei Häuser habe diesen einen enormen Aufschwung beschert, qualitativ und in Hinsicht auf die Publikumsresonanz.

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Semmelroth bevorzugt auch für die Zukunft eine gemeinsame Leitung von Schirn, Städel und Liebieghaus. Ob dies gelinge, sei jedoch augenblicklich nicht abzusehen. Bei der Neubesetzung der Städel-Direktorenstelle müssen sich Stadt und Städel-Administration auf einen Kandidaten einigen, da das Museum auf einer Stiftung beruht und Frankfurt in Form der Städtischen Galerie am Kunstinstitut beteiligt ist. Es habe schon erste Sondierungen gegeben, sagte der Kulturdezernent. Es werde mit Nachdruck international nach Kandidaten gesucht.

Quelle: F.A.Z.
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