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Städel Museum

Schöne Frau, bald noch schöner

Von Konstanze Crüwell
 - 20:25
Vor der Restaurierung: Arnold Böcklin „Bildnis der Fanny Janauschek“, 1861

Arnold Böcklin konnte ziemlich schroff sein. Er halte nicht viel vom Reden und Schreiben über Kunst, sagte er im Jahr 1878. Da war er 51 Jahre alt und wusste, was er vom Kunstbetrieb seiner Zeit hielt. Er sehe zum hundertsten Male, wie unmöglich es sei, sich über Kunst treffend zu äußern, fügte der Künstler hinzu.

Georg Swarzenski hat es dennoch gewagt. 1936 verfasste der langjährige Leiter des Frankfurter Städel Museums ein kleines Büchlein, ausgerechnet zu einem Bild Böcklins. „Das Bildnis der Schauspielerin Fanny Janauschek“ war damals als Schenkung aus Privatbesitz gerade in das Städelsche Kunstinstitut gelangt. Swarzenski wiederum war von den Nationalsozialisten seiner jüdischen Herkunft wegen innerhalb des Museums kaltgestellt worden.

Mit seinem Buch über das Porträt der zu ihrer Zeit in Deutschland und Amerika berühmten Schauspielerin versuchte er, zwei Jahre vor seiner Flucht in die Vereinigten Staaten, sich die Zeit zu vertreiben. Und hoffte, mit seiner ausführlichen, sehr lesenswerten Würdigung „den Übergang des Kunstwerks in das geistige Eigentum der Allgemeinheit gleichsam begleiten und vielleicht auch fördern“ zu können.

Einziges lebensgroßes Bildnis

Seine Publikation wurde seinerzeit als Privatdruck für die Mitglieder des Städelschen Museumsvereins von einem Mitglied gestiftet und galt bis vor kurzem als verschollen. Jetzt sind Swarzenskis brillante Texte zum Glück wieder im Original zu lesen, zum Beispiel sein Urteil, Böcklins Berühmtheit beruhe nicht auf seinen Porträts. Bildnisse als Kunstwerke habe der Maler nur von Künstlern, Kindern und seiner Familie geschaffen. Und wirklich populär sei von allen nur sein Selbstbildnis geworden. Überhaupt habe er nur ein einziges Mal ein lebensgroßes Bildnis in ganzer Figur und repräsentativer Erscheinung gemalt: das Porträt Fanny Janauscheks, 1861 entstanden und zu seiner Entstehungszeit ein großer Erfolg.

Die von Böcklin überlieferte Aussage, ein künstlerisches Porträt sei etwas grundsätzlich anderes als ein „gemalter Steckbrief, in dem alles steht, was gleichgültig ist“, einschließlich dessen, was „Friseur, Hühneraugenoperateur, Zahnarzt etc.“ sehen, leuchtet unmittelbar ein. Auch hat sein selbstherrlich wirkendes Künstlerurteil ihn zumindest zu der Erkenntnis geführt, den entscheidenden Wert echter Bildniskunst im Erlebnis menschlicher Begegnung zu sehen. Nur dann sei das Porträt nicht „Naturersatz und Wirklichkeitsillusion“, nur in diesem Fall werde es zum „reinen Kunstwerk, zu einer Wirklichkeit höherer Ordnung“ mit der Magie des Schöpferischen.

Bald wieder in ursprünglicher Schönheit

Und damit geht der Blick auf das prachtvolle Bildnis Fanny Janauscheks, eine wahrhaft gelungene Begegnung im Sinne Böcklins. Bald wird es im Städel wieder in seiner ursprünglichen Schönheit zu sehen sein. Stephan Knobloch, Leiter der Restaurierungsabteilung des Museums, hat den Zustand des Originals in wochenlanger sorgsamer Arbeit weitgehend wiederhergestellt. So ist das Gemälde nun wieder so hell, wie Böcklin es seinerzeit angelegt hat.

Auch den sanften Ausdruck des Gesichts der Schauspielerin hat Knobloch dadurch auf das schönste belebt. Janauscheks bodenlange Robe, die lange nur wie eine dunkle Farbmasse wirkte, ist mit ihrem eleganten Dekolleté, den hübschen Verzierungen des Oberteils und den raffinierten Falten und Fältchen nun wieder so elegant, wie Böcklin sie einst gemalt hat. Im Hintergrund schließlich fallen das Grün der Pflanzen und die leuchtend rote Blume nun ebenfalls wieder stärker auf. Hierfür musste Knobloch Übermalungen der originalen Malerei und stark nachgedunkelte Firnisschichten von der Oberfläche des Gemäldes abnehmen.

Bei einer Doublierung irgendwann im Laufe des 20. Jahrhunderts hat man zudem wohl mit zu viel Wärme und Druck gearbeitet und dabei die Textilstruktur der Originalleinwand in die Malerei geprägt. All das ist jetzt korrigiert. In den nächsten Wochen wird Knobloch das Bild hier und da noch retuschieren und einen sehr feinen Firnis auftragen.

Erfolg und Entlassung

Franziska Magdalena Romance, genannt Fanny Janauschek, kam am 20. Juli 1829 oder 1830 in Prag als Tochter eines Schneiders und einer Theaterwäscherin zur Welt. Dank der Beziehungen ihrer Mutter trat sie früh ins Ballett ein, nahm Gesangsstunden und wurde in Deklamation von Karl Baudius, einem damals renommierten Charakterdarsteller, unterrichtet. Ihre Begabung zeigte sich offenbar schon früh. Mit 15 Jahren wurde sie vom Ballett ins Schauspielpersonal der Prager Bühne übernommen, ihr Debüt hatte sie im Stück „Ich bleibe ledig“. Sie spielte in Leipzig, Annaberg und bei einer württembergischen Wandertruppe. Der Dichter Justinus Kerner war in Heilbronn so begeistert von ihr, dass er sie überallhin empfahl. 1848 kam sie nach Frankfurt.

Hier kam es zum Wunder einer ganz plötzlich einsetzenden großen Karriere. Schon im ersten Frankfurter Jahr wechselte die kaum erwachsene Janauschek vom Fach der jugendlichen Liebhaberin immer häufiger zu Rollen als große Heroine und Tragödin. Ihren bedeutsamsten Auftritt hatte sie am 28. August 1849 bei der Goethefeier. Sie spielte die Iphigenie und erlebte einen so gewaltigen Triumph, dass sie sofort zu den größten Berühmtheiten der deutschen Bühne aufstieg. Nach zwölf erfolgreichen Jahren kam es immer häufiger zu Streitereien zwischen ihr und der Frankfurter Theaterleitung, Ende 1860 wurde sie entlassen.

Mit ihrem Porträt nie zufrieden

Böcklin malte die erfolgreiche, kaum mehr als 30 Jahre alte Tragödin nach diesem Rückschlag. Janauschek spielte in Weimar und Dresden weiter und fuhr 1867 mit einer Schauspieltruppe nach Amerika. In New York hatte sie als Medea gigantischen Erfolg, der sich mit anderen Rollen auf einer Gastspielreise in Baltimore, Boston, Chicago, St. Louis und Cincinnati wiederholte. Dann aber wurde sie krank, verspekulierte ihr Vermögen und verbrachte ihre letzten Jahre in Armut, gelähmt und unter Schmerzen in diversen Spitälern des Staates New York. Sie starb am 29. November 1901.

Mit Böcklins Porträt war Janauschek nie zufrieden gewesen. Offensichtlich hatte es ihrem eigenen Bild von sich nicht entsprochen, was erstaunlich ist, denn das Porträt wirkt nicht nur auf den ersten Blick sehr viel anziehender und schöner als die ziemlich düster wirkenden Physiognomien auf den Fotografien der Schauspielerin in Swarzenskis Publikation. Jedenfalls hat sie das Bild nicht behalten, sondern es dem Sänger Wallenreuth als Geschenk überlassen.

Er verkaufte es später an Johann Peter Wilhelm Zobel, den Erbauer der Frankfurt-Hanauer Eisenbahn, der es einem jungen Verwandten namens Wilhelm Holzmann vererbte, einem Bewunderer Böcklins. Aus seinem Besitz gelangte das Bildnis schließlich über den Städelschen Museumsverein an den Schaumainkai. Wo Swarzenski ihm in dunkler Zeit ein paar helle Zeilen widmete und es vom Februar nächsten Jahres an strahlend neu zu sehen sein wird.

Quelle: F.A.Z.
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