Störendes Geräusch

Ein Brummen, das den Schlaf raubt

Von Hans Dieter Erlenbach
12.08.2022
, 19:07
In Darmstadt beschweren sich Bürger über ein tiefes Brummen, das ihnen den Schlaf raubt.
Viele Darmstädter beschweren sich über tiefe Töne, die vor allem an warmen Nächten deutlich zu hören sind. Die Stadt ist der Ursache nachgegangen und hat versucht, sie zu beseitigen.
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Schon seit einiger Zeit haben sich die Beschwerden in Darmstadt gehäuft. Weil sie vor allem in der Nacht ein tiefer Brummton störte, konnten viele Bürger nicht mehr richtig schlafen. Im Jahr 2020 nahmen die Beschwerden deutlich zu, weil es wegen des Lockdowns nachts leiser als sonst war und die Störgeräusche deshalb besonders laut wahrgenommen wurden.

Lärm ist vielfältig – und wird genauso vielfältig wahrgenommen. Wer in einer Diskothek tanzt, freut sich an möglichst lauter Musik, die Anwohner hingegen sind genervt. Wer mit einem aufgemotzten Auto durch die Gegend fährt, mag den besonderen Sound des Motors, der die Bewohner entlang der Straße aber aufregt. Manche Menschen stört schon die Fliege an der Wand, andere sitzen am Badesee direkt unter der Einflugschneise des Frankfurter Flughafens und finden das ganz toll.

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Doch gibt es Geräusche, die offenbar ein weit höheres Störpotenzial als andere haben und die an heißen Tagen, vor allem aber Nächten als sehr störend empfunden werden. Es ist ein tiefes Brummen mit einer Frequenz von weniger als 90 Hertz, das vor allem Geräte zur Abkühlung – etwa eine Klimaanlage – von sich geben. Diese Geräusche gibt es überall im Alltag: Im Auto zum Beispiel, im Zug oder im Flugzeug. Doch nirgends werden sie so stark wahrgenommen, wie in der eigenen Wohnung. Vor allem dann, wenn man schlafen will und es in der Umgebung ruhig ist.

Fünf Schallquellen

Das Umweltbundesamt berichtet, die tieffrequenten Geräusche hätten in den vergangenen Jahren zugenommen, weshalb sich nicht nur in Darmstadt, sondern in ganz Deutschland immer mehr Menschen über Brummtöne beschwerten. Im Alltag gehen die tieffrequenten Geräusche meist in den Umgebungsgeräuschen unter, doch je ruhiger es wird, umso so nerviger sind sie.

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In Darmstadt gingen Mitarbeiter des Umweltamtes, unterstützt von Mitarbeitern des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie, wegen der vielen Beschwerden auf die Suche nach den Quellen und wurden nach ausgiebigen Messungen fündig. Wie die Verwaltung mitteilte, wurden fünf Schallquellen lokalisiert, unter anderem an der Hochschule, der Technischen Universität, beim Bauverein und an einem Privatgebäude. Dort seien die Geräusche sehr deutlich zu hören gewesen.

Quellen für den nervigen Brummton, der nach Erkenntnissen von Ärzten nicht nur stört, sondern auch krank machen kann, waren Kühlaggregate, Heizungspumpen, Wärmetauscher und Klimaanlagen. In den bisher bekannten Fällen nahm die Verwaltung Kontakt mit den Verursachern auf, um Abhilfe zu schaffen. Die Geräusche wurden durch kleine bauliche Veränderungen oder Veränderungen an der Einstellung der Geräte weitgehend beseitigt.

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Von anderen Geräuschen überdeckt

Das sei auch die Strategie für die Zukunft, sagt Daniel Klose von der Darmstädter Stadtverwaltung. Sobald Beschwerden vorlägen, gehe das Umweltamt auf Spurensuche nach der Lärmquelle. Gemessen wird nicht nur in der Nähe der Wohnungen, sondern auch in den Wohnungen selbst, in denen die Geräusche als besonders störend wahrgenommen werden. Denn es ist nicht ausgeschlossen, dass solche Geräusche von den im Haushalt befindlichen Geräten oder der eigenen Heizung verursacht werden.

In Darmstadt kamen die Beschwerden vor allem aus dem Martinsviertel und aus der Umgebung des Bürgerparks. Laut Klose haben die Beschwerden inzwischen deutlich nachgelassen, wohl auch weil nach dem Lockdown die Brummgeräusche von anderen Geräuschen wieder überdeckt werden.

Über tieffrequente Brummtöne klagen in Südhessen nicht nur die Darmstädter. Beschwerden kommen auch aus anderen Kommunen, die Ursachen dürften ähnlich sein. Schon zu Beginn der Neunzigerjahre, nachdem Opel seine neue Firmenzentrale in Betrieb genommen hatte, wurden die Bewohner eines benachbarten Wohngebietes nachts durch Geräusche erheblich gestört. Nach Beschwerden wurde auch in diesem Fall die auf dem Dach des Gebäudes installierte Klimatechnik als Verursacherin ausgemacht, die Geräusche wurden durch bauliche Veränderungen schnell beseitigt.

Wie für fast jedes Problem gibt es im Internet Ratschläge, was genervte Menschen gegen nervige Geräusche in der Nacht tun können. Yoga, autogenes Training oder Tai-Chi werden ebenso empfohlen wie kleine elektrische Geräte, die sogenannte Gegengeräusche verursachen. Diese stehen dann auf dem Nachttisch und ahmen zum Beispiel Wellenrauschen oder einen Wasserfall nach, was als angenehm empfunden wird, und übertönen die nervigen Geräusche. Bei manchem kommen sogar Urlaubsgefühle auf.

Untersuchungen des Umweltbundesamtes haben ergeben, dass bundesweit etwa fünf Prozent der Wohngebäude im Umfeld tieffrequenter Schallquellen stehen. Die Zahl soll sich bis 2030 sogar verdoppeln. Das Problem wird also bleiben – nicht nur in Darmstadt.

Quelle: F.A.Z.
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