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Streit um Einkommen

Wiesbadener Chefärzte beklagen Rufschädigung

Von Ewald Hetrodt
 - 23:23
An den Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken liegen Chefärzte und kaufmännische Chefetage über Kreuz

Die Chefärzte der Wiesbadener Horst-Schmidt-Kliniken haben ihrer Geschäftsführung in einem vertraulichen Schreiben Rufschädigung vorgeworfen. Damit reagieren sie auf Aussagen, welche die beiden von der Rhön-Klinikum AG gestellten neuen Manager André Eydt und Parwis Fotuhi im Gespräch mit der Rhein-Main-Zeitung getroffen hatten. Die Vertreter des im Frühjahr bei der HSK als Juniorpartner eingestiegenen Gesundheitskonzerns kritisierten, dass die Einkünfte der 26 Klinikdirektoren sich in Größenordnungen bewegten, „die wir in dieser Form im Konzern bislang noch nicht hatten“.

Sie trieben die Quote der Personalkosten in die Höhe. Konzernweit liege sie bei 59 Prozent, in den HSK jedoch bei 70 vom Hundert. Manche Chefärzte verbrächten außerdem viel zu viel Zeit auf Kongressen. Als Tagungsorte nannte Fotuhi touristische Destinationen wie Amsterdam, Lissabon und San Diego. „Gegen diese rufschädigende Darstellung verwahren wir uns entschieden“, heißt es in dem von fast allen Chefärzten unterzeichneten Brief. Er enthält die Aufforderung an die Geschäftsführer, die erhobenen Vorwürfe öffentlich zurückzunehmen. Nun ließen Eydt und Fotuhi ausrichten, dass weitere Stellungnahmen nicht hilfreich seien. Auch die Chefärzte wollten sich nicht öffentlich äußern. Tatsächlich sehen sie mit dem öffentlichen Angriff auf die Mediziner das Ansehen der HSK insgesamt beschädigt.

210 Arbeitstage, bis zu 60 Kongresse

Es werde der Eindruck erweckt, „dass die finanzielle Schieflage der HSK vor allem aufgrund von zu teuer bezahlten, häufig nicht anwesenden und an den schönsten Orten der Welt tagenden Chefärzten bedingt sei“, heißt es in dem Brief, der der Rhein-Main-Zeitung vorliegt. Die Aussage, manche Chefärzte hätten von 210 Arbeitstagen 50 bis 60 auf Kongressen und anderen Fortbildungsveranstaltungen verbracht, bezeichnen die Mediziner als falsch. Tatsächlich seien sie aufgrund von Kongress- und Verbandstätigkeiten im Jahr 2011 im Durchschnitt 18 Tage lang nicht da gewesen. Dabei habe die Abwesenheit zwischen 4 und 35 Tagen geschwankt.

Im Sinne einer optimalen Außendarstellung und der Akquise von Patienten sei es sinnvoll, wenn die führenden Ärzte auf Tagungen sowie in Fachgremien präsent seien. „Internationale Kongresse finden häufig an interessanten Orten statt, dies mindert aber nicht deren wissenschaftlichen Gehalt“, heißt es in dem Brief. Dass die Geschäftsführung touristische Adressen genannt habe, impliziere Schlussfolgerungen, die die Motivation und Ehrenhaftigkeit der Klinikdirektoren in Frage stellten. Bislang aber sei die Mitarbeit in Fachgesellschaften nicht nur geduldet, sondern erwartet worden.

Die Äußerungen zur Höhe der Einkommen seien „irreführend“. Alle Verträge seien an Leistungszahlen gekoppelt. Das Gehalt steige nur, wenn mehr Patienten behandelt würden. Allein die wahlärztlichen Behandlungen der Chefärzte brächten der HSK einen zusätzlichen zweistelligen Millionenbetrag ein. Dies hänge auch damit zusammen, dass an den Wiesbadener Kliniken Chefärzte arbeiteten, die deutschlandweit, in manchen Fächern auch international, führend seien. Die Hälfte aller Direktoren sei im vergangenen Jahr von der Zeitschrift „Focus“ auf einschlägigen Listen empfohlen worden. Damit lasse die HSK manche Universitätsklinik hinter sich.

Die Zahl der Arbeitstage, die die Mediziner für ihre Fortbildung nutzen können, und die Gehälter sind in den individuellen Arbeitsverträgen festgelegt. Die Verhandlungen darüber hat für die HSK die Geschäftsführung allein geführt. Der zuständige Klinikdezernent Arno Goßmann (SPD) und sein Vorgänger Detlev Bendel (CDU) berichten übereinstimmend, dass die Mitglieder des Aufsichtsrats mit den Einkünften der Ärzte nicht befasst seien.

Klinik profitiert von Chefarzt-Einkommen

Nobert Rein, der hessische Geschäftsführer des ärztlichen Berufsverbandes Marburger Bund, prüft nach eigenem Bekunden im Jahr rund 40 Verträge von Medizinern, die als Chefarzt an einer deutschen Klinik tätig werden. Nach seinen Angaben sieht der Mustervertrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft zwei Wochen pro Jahr für Kongresse und ärztliche Fortbildungskurse vor.

Dafür entfällt der grundsätzlich jedem Arbeitnehmer zustehende Anspruch auf Bildungsurlaub. Er beträgt nach dem Gesetz fünf Tage. Die Vertragsparteien könnten jederzeit individuelle Vereinbarungen treffen, erläutert der Ärztevertreter. Die Einkommen setzten sich in der Regel aus einem festen Grundgehalt und einem höheren variablen Bestandteil zusammen. Dieser hänge davon ab, wie viel Geld der Mediziner der Klinik einbringe, betont Rein. „Je mehr ein Chefarzt bekommt, umso mehr hat die Klinik an ihm mitverdient.“ In mindestens einem Fall soll das Jahresgehalt die Grenze von einer Million Euro übersteigen.

Quelle: F.A.Z.
Ewald Hetrodt - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Ewald Hetrodt
Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.
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