Tierrechtler und der Zirkus

Gegen Hund und Katz

Von Hans Riebsamen
17.12.2019
, 06:51
Alles nur Tierquälerei? Tierrechtler kritisieren Zirkusunternehmen.
Eine Gruppe selbsternannter Tierrechtler hält den Weihnachtszirkuss für ein Übel. Berichtigte Kritik am Umgang mit den Vierbeinern oder eine radikale Form des veganen Anti-Speziesismus?
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Was Rassismus ist, glauben wir mittlerweile so ungefähr zu wissen. Wenn jemand zum Beispiel die Überlegenheit der weißen Rasse preist oder die „Neger“ nach Afrika schicken möchte, dann muss man ihn als Rassisten bezeichnen. Doch der Begriff Speziesismus war uns bisher fremd. Ganz genau verstanden haben wir ihn, ehrlich gesagt, im Gespräch mit der Sprecherin der Gruppe „Aktiv gegen Speziesismus“ nicht. Er hat offenbar irgendwas zu tun mit Menschen, die sich Tieren überlegen fühlen.

Jedenfalls haben die Speziesisten oder wie sich die Mitglieder auch nennen mögen, zu Demonstrationen vor dem Weihnachtszirkus Great Christmas Circus auf dem Festplatz am Ratsweg aufgerufen. Zusammen mit der Gruppe „wirfürdieerde“ und der Veganen Aktion Offenbach“. Aktivisten der letztgenannten Gruppe wissen vermutlich aus trauriger eigener Anschauung, dass kein Hund in Offenbach leben möchte, und folgern von Offenbach auf die ganze Welt oder zumindest auf den Zirkus.

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Jedenfalls haben die genannten Veganer, Speziesisten und Weltenretter kürzlich auf dem Festplatz gegen Wildtiere im Weihnachtszirkus demonstriert. Aber da gibt es gar keine Wildtiere, sondern nur Pferde? Egal, sagt die Ober-Speziesistin. Man sei grundsätzlich gegen Tiere im Zirkus, weil diese Geschöpfe dort ausgebeutet würden. Überhaupt lehne man jegliche Zurschaustellung von Tieren zum Zweck der Unterhaltung ab. Doch was ist mit den Pferden, auf denen Menschen zu ihrem Vergnügen reiten? Sündigen auch solche Reiter gegen die Natur? In den Augen der Speziesisten ganz eindeutig. Deshalb sei man auch gegen Reiten als Hobby. Und was ist mit den Hunden? Auch da gelte besagter Grundsatz, dass man Tiere nicht zu seinem Vergnügen nutzen dürfe, doziert die Sprecherin der radikalen Tierfreunde weiter. Man nennt diese Spezies von Glaubensaktivisten übrigens Tierrechtler, weil sie predigen, dass Tiere dieselben Rechte wie Menschen besitzen.

Mitleid mit Haustierbesitzern

Haben sie zumindest Mitleid mit den vielen Katzenfreunden auf der Welt? Nein, auch da bleibt die Sprecherin unerbittlich. Allenfalls kann sie es akzeptieren, dass einsame Zeitgenossen sich eine Katze aus dem Tierheim holen. Aber bitte keine Katzenliebe, sprich: tierische Fortpflanzung.

Nach den Zoo-Tieren haben wir die Sprecherin dann gar nicht mehr zu fragen gewagt. Immerhin waren wir am Ende etwas klüger, was den Begriff Speziesismus betrifft. Das scheint so eine Art Rassismus gegenüber Tieren zu sein. Anständige aufgeklärte Menschen, das wissen wir jetzt, essen kein Fleisch und trinken keine Milch, sie halten sich keine Katze und keinen Hund, sie gehen nicht in den Zoo und vor allem nicht in den Zirkus. Aber unbedingt vor den Zirkus – um zu demonstrieren. Leider sagen sie dort nicht offen, dass sie auch gegen Katz und Hund in Heim und Garten sind.

Quelle: F.A.Z.
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