Tourismuskrise

Bleibt die „Villa Kennedy“ ein Hotel?

Von Jacqueline Vogt
26.01.2022
, 19:20
Schade drum: das Hotel „Villa Kennedy“ an der Kennedyallee
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Die Hotelbranche bedauert die bevorstehende Schließung des Fünf-Sterne-Hotels „Villa Kennedy“. Immer mehr Hotels geben den Betrieb auf.
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Als Monate vor der Eröffnung im Jahr 2006 auf der Baustelle eine Party gefeiert wurde, hat er für die Getränke gesorgt und für das Essen. Heute sorgt sich der Gastronom Robert Mangold um den Schaden, den die bevorstehende Schließung des Fünf-Sterne-Hotels „Villa Kennedy“ in Frankfurt anrichten wird. „Ein wunderbares Flaggschiff, ein Aushängeschild geht verloren“, sagt Mangold, der heute Vizepräsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Hessen ist und Vorsitzender des Dehoga Frankfurt.

Nach der Schließung des Grandhotels Hessischer Hof der zweite Verlust eines Tophotels bedeute nicht nur, dass Zimmer vom Markt genommen würden, sondern auch eine Schwächung des Standort-Images und einen Verlust „von Qualitäts-Arbeitsplätzen“.

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Am Dienstag hatte Hotelbetreiber Rocco Forte mitgeteilt, das Hotel zum 1. April dieses Jahres zu schließen. Die familiengeführte Gruppe, die 15 Betriebe in Europa führt, darunter mit der Villa Kennedy drei in Deutschland, bemühe sich, den 130 Mitarbeitern des Frankfurter Hotels eine Versetzung innerhalb der Gruppe anzubieten, sagte eine Unternehmenssprecherin.

Keine konkreten Pläne für die Zukunft der „Villa Kennedy“

Rocco Forte Hotels betreibt die Villa Kennedy seit dem Tag der Eröffnung. Noch Ende vergangenen Jahres war ein neuer Küchenchef vorgestellt worden. Und der Hoteldirektor, ebenfalls noch nicht lange in dem Haus, hatte von Plänen gesprochen, wie er den wie alle Stadthotels von der Corona-Krise gebeutelten Betrieb wieder in bessere Zeiten führen wolle. Gerüchte standen da schon im Raum, der Investor Conren Land, der die „Villa Kennedy“ im März 2021 für einen nicht näher bezifferten „oberen zweistelligen Millionenbetrag“ erworben hat, wolle sie zu einer Seniorenresidenz umbauen. Nachfragen beim Hotelbetreiber wurden damals mit der Auskunft beantwortet, der Pachtvertrag habe noch eine Laufzeit von 16 Jahren.

Am Dienstag hieß es jetzt, Rocco Forte Hotels und Conren Land hätten sich einvernehmlich auf die Beendigung des Vertragsverhältnisses geeinigt, ausschlaggebend seien aber Pläne des Immobilieneigentümers gewesen. Konkret gemacht wurden die bisher noch nicht; Branchenkenner halten es nicht für ausgeschlossen, dass noch eine Weile nach einem anderen Hotelbetreiber gesucht wird, was im Erfolgsfalle die mutmaßlich teuren Umbauten zu Wohnungen oder Appartements obsolet machen könnte.

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Der erste Geschäftstag in der „Villa Kennedy“ datierte fast genau fünf Jahre und drei Monate, nachdem sie in Frankfurt vorgestellt worden war. Die Eröffnung markierte eine Zäsur. Über viele Jahre hinweg hatten zuvor Hoteliers in der Rhein-Main-Region Klage geführt, die Hotelzimmer, vor allem die noblen, seien, wie in Deutschland überhaupt, zu preiswert. Mit der Ansiedlung der Hotels war die Hoffnung der Konkurrenz verbunden, die Übernachtungen dort würden besonders teuer verkauft werden, was auch die Preise in den anderen Häusern nach oben ziehen werde.

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Kein anderes Privathotel dieser Größe in der Region

Besonders war und ist das Hotel auch wegen seiner Architektur mit Elementen zwischen Schloss und Kloster rund um einen historischen, denkmalgeschützten Kern. Bemerkenswert auch die Tatsache, dass es keine Dependance einer internationalen Kette war. Ein anderes Privathotel dieser Größe gibt es in der Region bis heute nicht. Fußballmannschaften, Bands und Rockstars wohnten dort. Wenn im Waldstadion abends Konzerte waren, sah man morgens oft Fans vor dem Haus stehen, in der Hoffnung, ihre Idole zu sehen.

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Erster Generaldirektor des 163-Zimmer-Betriebs war der gebürtige Essener Georg Plesser, erst Ende 2019 verließ er das Haus, um die Leitung des Grandhotels Excelsior Hotel Ernst in Köln zu übernehmen. Er sei traurig über die Schließung, sagt Plesser. Zur „Villa Kennedy“, die er mit eröffnete, habe er eine besondere Beziehung. Kerstin Junghans, Geschäftsführerin des Dehoga in Frankfurt, beklagt Perspektivlosigkeit, die Hoteliers zu schaffen mache, aber auch ihren Gästen: „Es weiß ja niemand, kann ich für demnächst eine Hochzeit planen, ein Fest?“ Von den bekannten Frankfurter Hotels war zuletzt das Intercontinental geschlossen worden, davor das wie die „Villa Kennedy“ in Privatbesitz befindliche Grandhotel Hessischer Hof.

Nicht nur Hotels geben angesichts ausbleibender Veranstaltungen und Touristen in der Stadt und der deshalb bei ihnen ausbleibenden Gäste auf. Geschlossen ist auch die große Eventlocation mit Bar und Restaurant „Kingka Suite“ gegenüber der Alten Oper. Und am Mittwochabend gab Thomas Haus, seit 15 Jahren Pächter des Restaurants „Goldman“ an der Hanauer Landstraße, im 25hours-Hotel „The Goldman“, bekannt, dass er dort ausziehen und sich auf sein zweites Restaurant, die „Werkskantine“ in der Klassikstadt, konzentrieren werde.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Vogt, Jacqueline (jv.)
Jacqueline Vogt
Ressortleiterin der Rhein-Main-Redaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
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