Vergrößerung des Areals

Römerpolitiker gegen Verlagerung des Frankfurter Zoos

Von Patricia Andreae, Mechthild Harting, Bernhard Biener
20.01.2019
, 08:59
„Grüne Lunge“: Der Frankfurter Zoo hat in der Innenstadt nur eine begrenzte Fläche zur Verfügung.
Die Idee eines Außenzoos am Stadtrand stößt in der Mainmetropole auf Ablehnung. Im Umland erwärmt sich dagegen mancher für den Vorschlag.
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Am deutlichsten wird der Frankfurter Planungsdezernent Mike Josef: Von dem Vorschlag, den Frankfurter Zoo von der Innenstadt an den Stadtrand zu verlegen, hält er „schlichtweg nichts“. Der SPD-Politiker reagiert damit auf den Vorschlag von Regionalverbandsdirektor Thomas Horn (CDU), den jetzigen Standort des Tierparks zu räumen und zu veräußern und mit dem Gewinn einen großzügigen Landschaftspark im Nordwesten der Stadt nahe Steinbach und Oberursel zu schaffen.

In Frankfurt sei in der Vergangenheit immer wieder beraten worden, ob der Zoo von seinem seit mehr als 100 Jahren angestammten Platz am Alfred-Brehm-Platz verlagert werden sollte, sagte Josef. Die Idee von Horn sei also nicht neu. In der Stadt habe man sich jedoch bewusst anders entschieden und sehe die Innenstadtlage trotz der beengten Verhältnisse heute als Alleinstellungsmerkmal des Tiergartens. Deshalb seien allein in den vergangenen Jahren 30 Millionen Euro in den Zoo investiert worden.

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Erstaunen ausgelöst

Dass Horn als neuen Standort ausgerechnet die Flächen nahe der A5 im Nordwesten Frankfurts vorschlägt, hat im Planungsdezernat der Mainmetropole Erstaunen ausgelöst. Die Frankfurter Pläne, dort ein neues Wohnviertel zu schaffen, waren nämlich bisher weder bei den Nachbarstädten Steinbach, Eschborn und Oberursel noch bei Horn auf Zustimmung gestoßen. Der Chef der regionalen Planung hatte stets angeführt, dass eine Bebauung dort „den Rubikon“ überschreite. Andernfalls laufe die Region Gefahr, so Horn, dass durch den neuen Stadtteil die bisher eindeutige Struktur der Städte im Vordertaunus zu lasten eines „Siedlungsbreis“ aufgegeben werde. „Schön, dass die Autobahn nun doch keinen Rubikon mehr darstellt“, äußerte deshalb Josef gestern.

Wie berichtet, hatte Horn als Argument für die Verlagerung des Tierparks angeführt, dass die Baukonjunktur mit Bodenhöchstpreisen es ermögliche, den neuen, großzügig als Landschaftspark angelegten Zoo durch die Veräußerung des bisherigen Areals „in Frankfurter Exzellenzlage“ zu finanzieren. Diese Vorstellung, den historischen Standort möglichst zum Höchstpreis an Investoren zu veräußern, stößt jedoch bei Josef und auch bei den Grünen im Römer auf Ablehnung. Wenn man dort das Maximum raushole, so Josef, dann entstehe dort alles, nur kein bezahlbarer Wohnraum.

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Die grüne Lunge erhalten

Für die Grünen, die mit SPD und CDU die Stadtregierung bilden, kommt eine Wohnbebauung auf den heutigen Zoo-Flächen „inmitten eines dichtbebauten Gründerzeit-Viertels“ aus ökologischen und klimatischen Gründen „überhaupt nicht in Frage“, sagte Fraktionschef Manuel Stock. „Für uns ist es keine Frage, dass die grüne Lunge erhalten bleiben muss.“ Die Fläche mit ihren alten Bäumen und dem Weiher müsse eine öffentlich zugängliche Grünanlage bleiben. Stock gesteht allerdings ein, dass der Gedanke, für den Frankfurter Zoo mehr Flächen bereitzustellen, nicht zu verurteilen sei.

Die für den Tierpark zuständige Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) kann der Idee dagegen gar nichts Positives abgewinnen. Selbst die Finanzierungsidee, die nach Horns Ansicht vielleicht sogar noch einen Zuschuss für den geplanten Neubau von Schauspiel und Oper möglich machen könnte, überzeugt Hartwig nicht: „Das liegt nicht in meinem Interesse.“ Im Gegenteil: Sie wolle die Entwicklung des Zoos am jetzigen Standort weiter vorantreiben. In diesem Sommer werde die neue Pinguinanlage als Abschluss des 30-Millionen-Euro-Programms der vergangenen zehn Jahre eröffnet. Ein Masterplan für die nächsten Jahre werde gerade erarbeitet. Hartwig sieht die Idee einer Verlagerung auch deshalb skeptisch, weil sie in der Vergangenheit nur zu einem „jahrelangen und kompletten Stillstand“ im Zoo geführt habe. Das dürfe sich nicht wiederholen. „Die Frankfurter und Besucher unserer Stadt wissen die zentrale Lage sehr zu schätzen.“

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Prioritäten setzen

Das sieht auch Miguel Casares so, der den Zoo seit Februar 2018 leitet. Die Fläche im Ostend sei zwar begrenzt, mit elf Hektar aber nicht zu klein. Man könne auch auf kleinerem Raum Tiere attraktiv präsentieren, das zeigten beispielsweise die Zoos in Basel, Barcelona und Valencia. Zudem sei es nicht nötig, Elefanten und Eisbären zu halten, um für Besucher interessant zu sein. Vielmehr müsse man Prioritäten setzen – und genau das geschehe in Frankfurt in Zusammenarbeit mit der Zoologischen Gesellschaft. Eine vergleichbare Kooperation gebe es nur in New York und London. Der Zoo brauche also keinen Vergleich zu scheuen, so Casares. Allerdings müsse die Stadt jetzt zügig in die Attraktivität und die artgerechte Haltung investieren.

Thomas Kauffels, Direktor des Opel-Zoos in Kronberg, der privatwirtschaftlich geführt wird und in der Nähe des von Horn vorgeschlagenen Standorts für den Frankfurter Zoo liegt, ist von dem Vorschlag überrascht. Über einen möglichen wirtschaftlichen Schaden für seinen Tierpark könne er nicht spekulieren. „Aber das Konzept hört sich so an, wie unser Zoo ist.“

Politiker im benachbarten Hochtaunuskreis loben den Vorschlag dagegen vor allem deshalb, „weil er Bewegung in eine festgefahrene Diskussion bringt“, wie Landrat Ulrich Krebs (CDU) es formuliert. Grundsätzlich würde er, so Krebs, eine Wohnraumentwicklung in der Frankfurter Innenstadt immer bevorzugen, weil die Infrastruktur an der Stelle des jetzigen Zoos komplett vorhanden sei. Das Beispiel zeige, wie wichtig die Zusammenarbeit in der Region sei. Man müsse zusammen überlegen, wo Flächen „gehoben“ werden könnten.

Der Steinbacher Erste Stadtrat Lars Knobloch (FDP), der bis zum Amtsantritt eines neuen Bürgermeisters die Geschäfte im Rathaus führt, hob vor allem die alternative Nutzung der Fläche nordwestlich der A 5 im Vergleich zu den bisherigen Plänen hervor. Offenbar sehe auch der Regionalverband ein Wohngebiet an dieser Stelle kritisch. Die Frage sei aber, wo genau der Zoo liegen würde und was mit dem Rest der Fläche geschehe. Auf jeden Fall aber gelte: „Wenn es direkt vor unserer Haustür schon hoch und groß sein soll, dann lieber Giraffen und Elefanten statt Hochhäuser.“

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Andreae, Patricia (cp.)
Patricia Andreae
Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
Mechthild Harting - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Mechthild Harting
Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
Autorenporträt / Biener, Bernhard
Bernhard Biener
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung
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