FAZ plus ArtikelVerkehrswende in Frankfurt

„Mit Tempo 40 fährt man nur minimal langsamer als üblich“

Von Mechthild Harting
Aktualisiert am 21.10.2020
 - 10:01
Streitpunkt: Der autofreie Frankfurter Mainkai vor dem Eisernen Steg im Sommer, den SPD und Grüne nach der Kommunalwahl wieder autofrei gestalten wollen.zur Bildergalerie
Noch nie sind die Frankfurter so unzufrieden mit der Verkehrssituation gewesen wie derzeit. Tilman Bracher vom Deutschen Institut für Urbanistik erklärt, woran das liegen könnte.

Die Frankfurter sehen den Verkehr mehr denn je als Problem. Die Ankündigung, Tempo 40 in der Innenstadt einzuführen, erregt die Gemüter. Warum eigentlich?

Vermutlich ist es ist die Angst, dass sich in der Verkehrspolitik wirklich etwas stark verändert. Rational kann man das nicht begründen. Mit Tempo 40 fährt man in der Stadt nur minimal langsamer als üblich, denn die Straßen sind sowieso oft nicht frei. Die Menschen beginnen, die Ernsthaftigkeit der Verkehrswende und des politischen Umsteuerns zu realisieren.

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Mobilitätsexperte Tilman Bacher

Tilman Bracher leitet am Deutschen Institut für Urbanistik in Berlin den Forschungsschwerpunkt Mobilität. Aktuell beschäftigt sich der Volkswirt, der zudem in London Transport Studies studiert hat, mit der Zukunft der Mobilität in Zeiten des Klimawandels: vom Hype um neue Verkehrsmittel über die Weiterentwicklung des öffentlichen Nahverkehrs bis hin zur Neuaufteilung des Straßenraums – eine Diskussion, die vor allem in den Großstädten derzeit mit Vehemenz geführt wird. Dass in Frankfurt bei der jährlichen Bürgerbefragung die Verkehrssituation nach dem Wohnungsmarkt als das größte Problem in der Stadt angegeben wurde, überrascht den Fachmann nicht. Seiner Ansicht nach deuten die Bürger Entwicklungen wie den Bau von Radwegen auf Hauptverkehrsstraßen, der in der Regel zum Verlust einer Fahrspur für den Autoverkehr führt, richtig: Sie spürten, dass sich etwas für sie verändere. Das Deutsche Institut für Urbanistik in Berlin, kurz Difu, ist 1973 auf Initiative des Deutschen Städtetags gegründet worden. Es wird gemeinsam vom Bund, vom Land Berlin und mehr als hundert deutschen Städten und Regionalverbänden finanziert. Das Institut forscht zu zentralen kommunalpolitischen Fragen wie etwa der Verkehrssituation in Städten. mch.

Quelle: F.A.Z.
Mechthild Harting - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Mechthild Harting
Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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