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Verlag Schöffling & Co.

Damit alles bleibt, wie es ist, muss sich manches ändern

Von Florian Balke
 - 15:35

Es geschah, wie so oft, bei einem Mittagessen. Im September vorigen Jahres fragte Klaus Schöffling den eigens nach Frankfurt gereisten Patrick Hutsch, ob er sich vorstellen könne, zusammen mit einer Kollegin Nachfolger des Verlegers zu werden. Das Angebot habe ihn vollkommen überrascht, sagt Hutsch in den Räumen des Verlags an der Frankfurter Kaiserstraße, in denen er sich seit Anfang Januar in die Geschäfte einarbeitet. Zwei Mal habe er Luft holen müssen. Dann habe er zugesagt.

Irgendwann, sagt sein neuer Chef, müsse man die eigene Nachfolge eben regeln: „Es ist gut, wenn man das eher früher als später tut.“ Ihm, der keine Kinder hat, an die er den Verlag übergeben könne, sei es darauf angekommen, den Übergang so entspannt wie möglich zu gestalten, „mit Menschen, denen ich seit langem vertraue“. Zu ihnen zählt Silke Tabbert, seit 2002 unter seinen Mitarbeitern. Ihr, die Schöffling schon vor drei Jahren zur Verlagsleiterin gemacht hat, „ein Quell steter Verlässlichkeit, Innovationsfreude und Liebe zu den Autoren“, tritt Hutsch für die nächsten Monate zur Seite, so lange, bis die beiden zukünftigen Geschäftsführer der Schöffling & Co. GmbH dem Verleger seine Anteile an der Gesellschaft für eine ungenannte Summe abgekauft haben.

Wechsel in den nächsten 24 Monaten

Wie der Verlag am Mittwoch mitteilte, werden sie die Leitung des Unternehmens, das mit zehn festen Angestellten einen Jahresumsatz von einigen Millionen Euro macht, im Laufe der nächsten 24 Monate übernehmen. Mögliche Daten sind leicht gefunden. Der Übergang könnte zum 14. Mai nächsten Jahres erfolgen, an dem der Verlagsgründer 65 Jahre alt wird und dem Renteneintrittsalter verachtungsvoll ins Auge zu sehen hat. Oder zur Buchmesse im darauffolgenden Oktober, in deren zeitlicher Umgebung der 1993 ins Handelsregister eingetragene Verlag den 25. Jahrestag seines ersten Programms feiert. Mit einer Verlagsgeschichte, einer Verlagsbibliographie und einem Fest.

Irgendwann um diese Daten herum wird Schöffling beiseitetreten. Schon jetzt aber, sagt er, hätten Autoren und Mitarbeiter wissen sollen, dass er sich nicht an seine Tätigkeit klammert, den Verlag aber auch nicht schließt: „Wieso sollte ich? Es läuft ja gut.“ So soll es auch unter seinen Nachfolgern bleiben: „Sie sollen mich nicht nachmachen. Sie sollen es anders machen – wenn es geht, erfolgreich. Den beiden traue ich das unbedingt zu.“

Konzentration auf Autoren und ihre Bücher

Unterschiedliche Erfahrungen bringen Hutsch und Tabbert, der von Anfang an klar war, dass sie den Job nicht alleine machen wollte, jedenfalls mit. Er, 1973 in Cochem geboren, studierte in Berlin Kulturwissenschaft, Germanistik und Philosophie an der Humboldt-Universität. Sie, 1972 in Frankfurt zur Welt gekommen, blieb der Heimat treu und studierte an der Goethe-Universität Germanistik, Romanistik und Geschichte. Wie zuvor ihr Chef hat sie bei Suhrkamp gelernt, wo sie nach dem Studium volontierte. Von dort ging es direkt weiter zu Schöffling.

Hutsch gab von 2003 bis 2007 die Literaturzeitschrift „Edit“ heraus, er folgte auf Franziska Gerstenberg, nach ihm kam Ulrike Almut Sandig – beides Schöffling-Autorinnen, Zuvor hatte er bei der Friedenauer Presse gelernt, später war er bei Knaus und Ullstein, arbeitete als freier Lektor für Wagenbach und Berlin, beriet mit einer Agentur Verlage in digitalen Fragen und entwickelte den „Suhrkamp-Blog“. Es hat ihn nicht dazu gebracht, den Ausweg aus der derzeit allseits konstatierten Lesekrise in mehr Internet zu sehen: „Wir konzentrieren uns auf die Autoren und ihre Bücher.“ Gerade in Zeiten, in denen nur noch die Hälfte aller Deutschen Bücher kaufe: „Wir sind Überzeugungstäter.“

An dem, was das Verlagsmotto, „Im Mittelpunkt die Autoren“, ihnen vorgibt, wollen er und Tabbert festhalten: Qualität, ein guter Ruf im Buchhandel und bei den Lesern. „Man kann nicht programmatisch auf eine Krise reagieren“, sagt Tabbert. Keine Bestsellerjagd im Bahnhofsviertel also. Der Mietvertrag an der Kaiserstraße ist gerade erst um zehn Jahre verlängert worden. So sieht Vertrauen in das eigene Tun aus.

Quelle: F.A.Z.
Florian Balke
Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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