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Ehemann unter Verdacht

Vermisste Frau aus Frankfurt offenbar tot

Von Katharina Iskandar
Aktualisiert am 19.11.2019
 - 17:52
Einsatz: Eine Hundertschaft der Bereitschaftspolizei sowie speziell ausgebildete Beamte mit Leichenspürhunden suchten im Niedwald die verschwundene Frau
Seit Wochen sucht die Frankfurter Polizei nach Iryna U., die vor etwa einem Monat spurlos verschwand. Nun steht ihr Ehemann unter Verdacht, sie getötet zu haben.

Schon von weitem sieht man die Polizisten, wie sie am Dienstagmittag durch den Niedwald streifen, als wäre es das einfachste der Welt. Sie schlängeln sich zwischen dichten Bäumen hindurch, durch feuchtes Laub und zähes Gestrüpp. Über Erdhügel, Wurzeln und Moos. Davon, dass den Beamten nach stundenlanger Suche in diesem unwegsamen Gelände die Kälte zu schaffen macht, ist nichts zu sehen. Im Gegenteil. Die Beamten, die sich in einer langen schwarzen Kette immer wieder neu formieren, werden auch an diesem Tag weitersuchen bis zum Einbruch der Dunkelheit.

Sie wollen Iryna U. finden, die 43 Jahre alte Frankfurterin, die vor einem Monat spurlos verschwunden ist. Anfangs galt die Frankfurterin noch als Vermisstenfall. Vor zwei Wochen fahndete die Polizei mit zwei Lichtbildern nach ihr. Inzwischen gehen die Ermittler fest davon aus, dass sie längst tot ist. Unter Verdacht, sie getötet zu haben, steht ihr Ehemann. Am Niedwald, an der Oeserstraße, die sich schier endlos durch den Stadtteil Nied zieht, fast bis nach Höchst, wurde Iryna U. am 23. Oktober zuletzt gesehen. Sie trug Jeans und einen roten Mantel. Am Tag darauf erschien sie nicht bei der Arbeit. Auch einen Tag später nicht. Sie erschien überhaupt nie wieder.

Eine neue Beziehung

Die Polizei ermittelte im privaten Umfeld der Dreiundvierzigjährigen und befragte auch ihren Mann. Laut Staatsanwaltschaft verstrickte der sich in Widersprüche. Die Polizei fand heraus, dass er eine neue Beziehung hatte. Und dass es Streit gab um die Wohnung, die er noch zusammen mit Iryna U. in Nied bewohnte. Die Wohnung gehörte Iryna U. Sie wollte ihren Mann dort nicht mehr haben, hatten Bekannte des Paares berichtet. Dann, so lautet zumindest die Hypothese von Polizei und Staatsanwaltschaft, habe sich der Ehemann seiner Frau entledigt, indem er sie tötete. In der Wohnung des Paares wurden Blutspuren gefunden. Offenbar stammen sie von Iryna U. Der Ehemann sitzt inzwischen in Untersuchungshaft.

Seitdem lassen die Ermittler nichts unversucht, um die Leiche der Dreiundvierzigjährigen zu finden. Dass sie im Niedwald liegen könnte, halten sie für wahrscheinlich. Einige Indizien sprechen dafür. Andererseits wurden schon weite Teile des 60 Hektar großen Areals durchkämmt, ohne dass die Beamten auf die Leiche gestoßen sind. Auch die Suche mit einem Leichenspürhund blieb bisher ergebnislos. Entmutigen lassen wollen sich die Ermittler jedoch nicht. Auch an diesem Dienstagmittag wird betont, man wolle weitermachen, bis jede Stelle einmal abgesucht worden ist. Die Polizei hat ihre erfahrensten Mordermittler mit dem Fall betraut. Sie hoffen, dass die Leiche bald gefunden wird.

Ist dies der Fall, tritt eine neue Phase der Ermittlungen ein. Auch nach Wochen sind noch Spuren an einer Leiche zu finden, auch dann können durch die rechtsmedizinische Untersuchung Rückschlüsse gezogen werden, wie jemand zu Tode gekommen ist. Das wiederum würde später wichtig für die Beweisführung vor Gericht – falls es zu einer Verhandlung kommt.

Heute will die Polizei weitersuchen. Die Beamten nehmen sich den nächsten Abschnitt im Niedwald vor. Einige Hektar haben sie noch vor sich.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Iskandar, Katharina
Katharina Iskandar
Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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