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„Die Höhle der Löwen“

Darum sind Maschmeyer und Thelen raus aus Lizza Pizza

Von Falk Heunemann
Aktualisiert am 17.01.2020
 - 12:45
Pizzateigbäcker: Lizza-Gründer Marc Schlegel (l.) und Matthias Kramer
In der TV-Show „Höhle der Löwen“ holten sich zwei junge Banker das Kapital für ihre eigene Pizza-Fabrik. Nun haben die berühmten Investoren ihre Anteile verkauft.

Frank Thelen sagt, er sei „sehr glücklich über die positive Entwicklung“, sein Mitinvestor Carsten Maschmeyer jubelt über einen „Millionen-Exit“. Die Begeisterung ist nachvollziehbar: 150.000 Euro hatten die Beiden vor gut drei Jahren in das Frankfurter Pizza-Start-up Lizza gesteckt. Nun haben sie ihre Anteile verkauft und mehrere Millionen Euro kassiert. Neuer Mehrheitseigner ist der Hamburger Konzern Cremer. „Die hatten echt Lust auf das Thema Food“, sagt Matthias Kramer, der mit Marc Schlegel die Firma 2015 gegründet hat. Beide haben angeblich 20 Prozent der Firma abgegeben und besitzen noch 30 Prozent. Zwar spricht kein Beteiligter über den Kaufpreis. Aber wie es in Fachmedien heißt, wurde das Start-up mit acht Millionen Euro bewertet.

Dass die Ex-Banker Kramer und Schlegel durch Pizza zu Millionären wurden, ist dabei eher aus Versehen geschehen. Denn vor fünf Jahren hatten die beiden zunächst an einer neuen Dating-App getüftelt. Doch als sie die App ihren Freunden beim Abendessen vorstellten, fiel die Idee durch. Dafür waren die Gäste von der selbstgemachten Pizza aus kalorienarmem und glutenfreiem Teig aus Leinsamen begeistert. So wurde die Leinsamen-Pizza – kurz Lizza – ihr Produkt. Die beiden kauften sich einen Foodtruck, mit dem sie Festivals abklapperten. Im Sommer 2016 übernahmen sie eine ehemalige Backstube in Frankfurt-Schwanheim, stellten Mitarbeiter ein und eröffneten einen Online-Shop. Das Geschäft lief, zum Leidwesen der Anwohner, gut. So gut, dass die beiden zur TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“ eingeladen wurden. 3,1 Millionen Zuschauer sahen dort, wie Milliardär Maschmeyer und Tech-Investor Thelen es derart schmeckte, dass sie sofort 25 Prozent der Firma erwarben.

„Unser Gehalt war überschaubar“

Die Geldspritze war für die Gründer wichtig, mehr noch aber die kostenlose Werbung. 13.000 Menschen bestellten in den ersten Stunden nach der Sendung den Teig über den Online-Shop. Dank der Kontakte von Maschmeyer und Thelen standen bald Lizza-Produkte in tausenden Supermärkten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Und technische Beratung erhielten sie von ihrem dritten Investor, Alexander Baratta aus Oberursel, heute Aufsichtsratschef der Bäcker’s Backstube AG in Offenbach.

Inzwischen gibt es von Lizza nicht nur Pizzaböden, sondern auch Tomatensoße, Müsli, Brötchen, Brotteig, Brownies, Toasties und Kuchen. Verkauft werden ihre Waren auch in Belgien, Luxemburg, Großbritannien und im Internet über Amazon. Aus der kleinen Bäckerei im Frankfurter Südwesten ist ein Unternehmen mit 40 Mitarbeitern geworden, Firmensitz ist nun eine Fabrik in Neu-Isenburg. Der Jahresumsatz soll 2019 im mittleren siebenstelligen Bereich gelegen haben, Gewinn wurde wegen andauernder Investitionen bislang nicht erwirtschaftet.

Bei Banken oft abgeblitzt

Lebensmittel zu produzieren sei sehr kapitalintensiv, sagt Kramer, man benötige teure Maschinen und große Warenbestände. „Wir hatten darum immer wieder zwischendurch Liquiditätsprobleme.“ Doch bei vielen Banken seien sie abgeblitzt, trotz voller Warenlager und gut gefüllter Auftragsbücher. Öffentliche Förderung sei für sie auch keine Option gewesen, zu langwierig und zu bürokratisch sei das Antragsprozedere, um dann nur kleine Summen zu erhalten. Mitte 2018 wandten sich die Gründer daher an Kleinanleger im Internet, denen sie 6,5 Prozent Zinsen versprachen, 1,7 Millionen Euro sammelten sie über das Crowdfunding ein. Anfang 2019 stiegen drei weitere große Geldgeber in die Firma ein. Sowohl Thelen als auch Maschmeyer haben überdies mehrfach Kapital nachgeschossen, Kramer und Schlegel liehen sich Geld bei Verwandten, und sie nahmen Kredite auf, für die sie privat bürgten. „Unser Geschäftsführergehalt war auch überschaubar.“

Die Zeit sei reif gewesen für einen strategischen Investor, auch wenn sie das die Firmenmehrheit koste, sagt Kramer. Mit den Verkaufseinnahmen können sie Verwandtenkredite zurückzahlen. „Und wir haben finanzielle Sicherheit.“ Frank Thelen findet ebenfalls, dass nun ein strategischer Investor nötig sei. Der Verkauf sei „die einzig richtige Entscheidung“.

Der Käufer, das Hamburger Familienunternehmen Cremer, hat rund 2000 Mitarbeiter und ist bislang Zulieferer für Hersteller von Lebensmitteln und Tiernahrung. „Mit unserer langjährigen Expertise im Bereich Getreide und unserem weltweiten Handels-Netzwerk können wir gemeinsam das Geschäft ausbauen“, heißt es aus Hamburg. Mit den Produkten aus Hessen verkauft Cremer erstmals Lebensmittel direkt an Endkunden.

Die Gründer bleiben Lizza als Geschäftsführer erhalten. Der Cremer-Chef, erzählt Kramer, habe zu ihnen gesagt: „Macht einfach so weiter wie bisher.“

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Heunemann, Falk
Falk Heunemann
Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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