Arbeitslose in Offenbach

Doch nicht chancenlos

Von Jochen Remmert
05.01.2021
, 08:21
Ein Gesetz des Bundes macht es möglich: Das Kommunale Jobcenter Main-Arbeit in Offenbach hat 140 Langzeitarbeitslose wieder in reguläre Jobs gebracht. Doch nicht jeder kann gefördert werden.

Über viele Jahre hat es die alleinerziehende Mutter nicht geschafft, einen Arbeitsplatz zu bekommen. Doch seit März arbeitet sie in der ambulanten Pflege und betreut hilfsbedürftige Menschen in ihrem häuslichen Umfeld. Inzwischen hat sie einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Der große Schritt aus jahrelanger Arbeitslosigkeit in eine reguläre Festanstellung ist der Frau, die ihren Namen lieber nicht in den Medien genannt wissen will, mit Hilfe des Offenbacher Jobcenters Main-Arbeit gelungen.

Die Jahre des kräftigen Wirtschaftswachstums haben den Blick auf die Schicksale von Langzeitarbeitslosen eher verstellt. Obwohl auch in Zeiten, in denen lange vom Fachkräftemangel die Rede war, längst nicht alle Menschen einen Arbeitsplatz finden konnten. In Offenbach hat deshalb das Kommunale Jobcenter Main-Arbeit seit Mitte 2019 die Möglichkeiten des damals neuen „Teilhabechancengesetzes“ des Bundes genutzt, um solchen Langzeitarbeitslosen doch noch den Weg zurück in den regulären Arbeitsmarkt zu ebnen.

In 140 Fällen ist das seither gelungen. Die betreuten Frauen und Männer haben im Handwerk, im Gesundheitswesen, in der Gastronomie und anderen Dienstleistungsbranchen einen neuen Arbeitsplatz gefunden. Dabei wird auch in gemeinnützige Unternehmen wie die Carijob GmbH des Caritasverbands vermittelt, die unter anderem das Sozialkaufhaus Luise betreibt.

Psychische Belastung und Unsicherheiten

Mehr als 60 Prozent der geförderten Männer und Frauen haben aber in Privatunternehmen einen neuen, sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz gefunden, wie Charlotte Buri, Bereichsleiterin im Kommunalen Jobcenter Offenbach, berichtet. Auch die Vermittlung in IT-Unternehmen sei schon gelungen.

Die Aufgabe des Jobcenters ist schwierig, denn gefördert wird nur, wer schon mindestens sechs Jahre ununterbrochen ohne Arbeit und auf Leistungen des Jobcenters angewiesen war. Das bedeutet, dass auch dereinst gut qualifizierte Menschen inzwischen fachlich nicht mehr auf der Höhe der Zeit sind und schon deshalb Nachholbedarf haben. Zudem erzeugt eine lange Arbeitslosigkeit in der Regel eine enorme psychische Belastung und Unsicherheiten. „Menschen, die sehr lange aus dem Arbeitsprozess herausgefallen waren und oft noch persönliche oder gesundheitliche Probleme haben, müssen Stück für Stück an den Arbeitsprozess herangeführt werden“, erläutert Thi Tuyet van Nguyen, Beraterin bei der Main-Arbeit.

Bisweilen müssten auch Dinge wie Pünktlichkeit, ein Arbeitspensum durchzuhalten und sich in ein Team einzufügen wieder eingeübt werden. Deshalb werden die Frauen und Männer vor dem Schritt in die Festanstellung intensiv vorbereitet und auch in den ersten beiden Jahren des Arbeitsverhältnisses weiter „gecoacht“.

Damit Arbeitgeber Langzeitarbeitslose mit einem regulär tarifierten Arbeitsvertrag einstellen, zahlt die Main-Arbeit mit Geld des Bundes für bis zu fünf Jahre Lohnkostenzuschüsse. Zu Beginn können das hundert Prozent sein. Der Betrag schmilzt dann Jahr für Jahr ab.

Jobcoach Nguyen berichtet davon, dass viele Arbeitgeber eher überrascht seien, wie schnell der Integrationsprozess trotz der langjährigen Arbeitslosigkeit vonstattengehe. Das sei vor allem der Motivation und Leistungsbereitschaft der Menschen geschuldet, denen wider Erwarten eine Chance auf einen neuen Arbeitsplatz geboten werde.

Interessierte Arbeitgeber erhalten beim Arbeitgeberservice der Main-Arbeit unter der E-Mail-Adresse Mainarbeit-Arbeitgeber@offenbach.de weitere Informationen.

Quelle: F.A.Z.
Jochen Remmert - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Jochen Remmert
Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.
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