Autozulieferer

Conti-Deal in Babenhausen lässt Karben hoffen

Von Falk Heunemann
22.01.2021
, 19:36
Erst kürzlich ist ein Sozialplan für das bedrohte Continental-Werk in Babenhausen aufgestellt worden. Der könnte nun auch den Mitarbeitern des Werks in Karben zugute kommen – die derweil weiter gegen eine Schließung protestieren.

Die vom Continental-Konzern geplante Schließung des Elektronikwerks in Karben ist nach Ansicht der Gewerkschaft IG Metall mit erheblich größeren finanziellen Risiken verbunden als vom Management angenommen. Bei höheren Kosten stelle sich die Frage, ob eine Werksschließung tatsächlich noch sinnvoll sei, argumentierten Arbeitnehmervertreter bei einer Sitzung des Aufsichtsrats der für Karben zuständigen Konzernsparte Continental Automotive am Freitag. In Karben sollen in den nächsten vier Jahren alle 1100 Arbeitsplätze wegfallen.

Erst kurz zuvor hatten sich die Gewerkschaft und das Management auf einen Sozialplan für das ebenfalls bedrohte Conti-Werk in Babenhausen geeinigt. Der ursprünglich geplante Abbau von mehr als 2600 der 3300 Stellen soll nun nicht mehr schon bis 2025 erfolgen, sondern erst bis 2028. Zudem haben beide Seiten einen Abfindungsplan beschlossen, um Beschäftigte davon zu überzeugen, freiwillig zu gehen. Darin sind ein Sockelbetrag von 10.000 Euro, mehrere Zuschläge und eine Deckelung erst bei einem Betrag von 200.000 Euro vorgesehen.

Einen Sozialplan in dieser Höhe werde man nun auch in Karben anstreben, sagte IG-Metall-Vertreter Michael Erhardt. Dann aber fielen die vom Management erhofften Einsparungen durch eine Werksschließung deutlich niedriger aus. Continental will die Elektronikproduktion nach Osteuropa verlagern.

Wie es hieß, haben bei der vierstündigen Aufsichtsratsitzung in Karben die Arbeitnehmervertreter vorgetragen, dass in den Berechnungen des Managements etwa die Lohnentwicklung in Deutschland überschätzt und Qualitätsrisiken durch eine Verlagerung unterschätzt würden. Die Produktqualität in den neuen Werken sei schlechter als bei Elektronikteilen aus Karben, darum hätten Experten aus Hessen immer wieder nach Osteuropa reisen müssen, um dort auszuhelfen. Vor Beginn der Sitzung hatten Beschäftigte ein Schweigespalier gebildet, das der Aufsichtsrat beim Betreten des Werkes passieren musste. Nach Angaben der Gewerkschaft beteiligten sich 200 Beschäftigte an der Protestaktion.

Der Continental-Konzern hat angekündigt, allein in Hessen mehr als 4000 Stellen abbauen zu wollen. Betroffen davon wären neben den Standorten Babenhausen und Karben auch die Standorte in Schwalbach und Frankfurt-Rödelheim. Der Autozulieferer hatte allein von Januar bis September 2020 einen Verlust von mehr als einer Milliarde Euro verzeichnet. Neben der Absatzkrise infolge des Corona-Lockdowns macht dem Konzern der Strukturwandel der Branche und der Trend zu Elektroantrieben zu schaffen. Zugleich will er die Kosten drücken, um international wettbewerbsfähiger zu werden. Der Stellenabbau in Babenhausen war darum auch schon lange vor der Corona-Krise verkündet worden.

Zustimmung von mehr als 50 Prozent nötig

In dem Werk, in dem Armaturen und Bedienelemente gefertigt werden, sollen die Gewerkschaftsmitglieder in der nächsten Woche abstimmen, ob sie den Sozialplan akzeptieren. Dafür ist eine Zustimmung von mehr als 50 Prozent nötig. Gewerkschaft und Betriebsrat haben für die Annahme des Sozialplans geworben, auch wenn damit längst nicht alle Verhandlungsziele erreicht worden seien. Die Eigentümer säßen nun einmal „am längeren Hebel“, sagte die Betriebsratsvorsitzende Anne Nothing, der Sozialplan halte aber die Tür offen für eine Zukunft des Werkes. Einzelne Beschäftigte in Babenhausen hatten sich in den vergangenen Tagen enttäuscht über das Verhandlungsergebnis gezeigt.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Heunemann, Falk
Falk Heunemann
Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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