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Brockhaus neu auf dem Parkett

Börsengang in Krisenzeiten

Von Daniel Schleidt
Aktualisiert am 14.07.2020
 - 16:44
Bullish: Marcel Wilhelm (links) und Marco Brockhaus wollen an der Börse durchstarten.
Marco Brockhaus hat früher kurzfristig in Unternehmen investiert. Jetzt will er Technologieführer weiterentwickeln und geht dafür an die Börse – trotz Corona.

Es hätte schlimmer kommen können. Ein paar schlaflose Nächte hatte er schon, erzählt Marco Brockhaus, solch ein Börsengang verursacht nunmal jede Menge Arbeit. Trotzdem findet der Frankfurter Unternehmer, dass der Weg der Brockhaus Capital Management AG an die Frankfurter Wertpapierbörse, wo sie seit Dienstag im vergleichsweise streng regulierte Prime Standard notiert ist, effizient und recht angenehm verlaufen sei. Und das hat auch mit dem Coronavirus zu tun.

Denn eigentlich wäre der 51 Jahre alte Marco Brockhaus, Gründer, Vorstandsvorsitzender und Namensgeber der Beteiligungsgesellschaft, in den Wochen vor dem Börsendebüt viel unterwegs gewesen, um mit möglichen Investoren Gespräche zu führen. Letzteres hat er auch getan. Aber, wie in Zeiten der Pandemie üblich, per Videokonferenzen. „Statt Flügen und Übernachtungen in Hotels“ hat Brockhaus, wie er sagt, ausgewählte institutionelle Investoren virtuell überzeugt, sich an der Privatplatzierung zu beteiligen, die dem Unternehmen 115 Millionen Euro eingebracht hat. Knapp 3,6 Millionen Aktien wurden dafür ausgegeben, der erste Kurs lag mit 36,55 Euro 14 Prozent über dem Ausgabepreis in Höhe von 32 Euro. „Das ist ein guter Start, aber erst der Beginn eines Weges“, sagte Brockhaus.

Der Schritt an die Börse ist in Zeiten der weltweiten Covid-19-Pandemie ungewöhnlich, viele Unternehmen sagten in den vergangenen Wochen wegen schlechter Geschäftsaussichten oder wegen der unsicheren Entwicklung der Märkte ihre Vorhaben ab, Anteile in den Börsenhandel zu geben. Für Brockhaus stand das, wie er sagt, nicht zur Debatte.
Ende vergangenen Jahres entschied das Unternehmen, sich am Kapitalmarkt frisches Geld zu beschaffen, um damit weitere mittelständische Betriebe akquirieren zu können, wie es das Geschäftsmodell vorsieht. Dann kam die Corona-Welle, „doch wir haben es durchgezogen“, sagt Brockhaus – und fühlt sich durch den ersten Kurs bestätigt.

Einst in Wirecard investiert

Das Geschäft der Beteiligungsgesellschaft funktioniert nicht wie bei einem klassischen Investor, diese Zeiten sind vorbei. Früher hat Brockhaus mit Private-Equity-Fonds Anteile von Unternehmen gekauft und diese später mit Gewinn wieder verkauft. Zu den erfolgreichen Investments gehört jenes in die Handelsplattform 360T, bei der Brockhaus einst größter institutioneller Investor war, bevor die Deutsche Börse das Unternehmen übernahm. Auch in das in die Schlagzeilen geratene Unternehmen Wirecard hat Brockhaus einst investiert, die Anteile aber bis 2007 wieder veräußert.

Vor drei Jahren jedoch änderte Brockhaus seine Strategie. „Wir haben uns weiterentwickelt, vom Investor zum Unternehmer“, sagt er. Heute fließt das Geld in mittelständische Technologieführer, die Zusammenarbeit ist nicht mehr kurz-, sondern langfristig angelegt. Zwar habe man früher Anteile gewinnbringend verkaufen können, „aber warum soll man aus einem Unternehmen aussteigen, wenn es sich gut entwickelt“, fragt er, Aus dieser Erkenntnis entstand der Wunsch, künftig als Dach-Unternehmen zu fungieren, in das nach und nach neue Unternehmen integriert werden sollen.

BROCKHAUS CAPITAL MGMT ON

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Die Kriterien sind klar formuliert: Brockhaus sucht margenstarke Technologieführer mit einem guten Management, die an ihren jeweiligen Märkten Preissetzungsmacht haben, wie er sagt. Bevorzugt sind die Branchen Nachhaltigkeit, Sicherheitstechnik, Medizintechnik und Software. Viele solcher Betriebe seien deutschland- oder europaweit bereits erfolgreich. Unter dem Dach von Brockhaus Capital, das sich stets die Mehrheit an dem Unternehmen sichern will, sollen neue Märkte erschlossen werden.

Brockhaus – der Name klingt nach Lexika. Doch Marco Brockhaus erzählt, dass er mit den Verlagsleuten nur um einige Ecken verwandt sei. Das Geld aus dem Börsengang der AG soll nun für weitere Akquisitionen genutzt werden, geplant sind ein bis zwei pro Jahr. Die bisherigen Transaktionen stehen repräsentativ für die Suchfelder, wie Marco Brockhaus erklärt. Vor zwei Jahren wurde mit dem Unternehmen Palas aus Karlsruhe der erste Kandidat als Tochtergesellschaft integriert. Palas gilt als führender Entwickler und Hersteller hochpräziser Geräte zur Messung und Charakterisierung von Luftpartikeln – ein Markt, der mit zunehmender Luftverschmutzung und wachsendem Bewusstsein über daraus folgende gesundheitliche Risiken attraktiv scheint. Dass der Betrieb auch in Krisenzeiten wachstumsfähig ist, beweist das jüngste Projekt. Auf Grundlage einer Anfrage aus China entwickelten die Karlsruher ein Gerät, das Atemschutzmasken auf ihre Durchlässigkeit hin testen kann. Damit soll derzeit auch festgestellt werden können, welche Mund- und Nasenschutzmodelle in der Lage sind, Coronaviren abzuwehren.

Testgeräte für Atemschutzmasken

Die Akquisition solch erfolgreicher Unternehmen ist nicht einfach, das weiß auch Brockhaus. Bei der Suche nach Zielobjekten spielen Betriebe eine Rolle, deren Gründer keinen Nachfolger finden. Man biete diesen Unternehmern, die häufig über die Zukunft ihres Lebenswerks entscheiden müssen, eine interessante Alternative einerseits zu klassischen Finanzinvestoren, die häufig ihre Anteile in kurzer Zeit weiterverkaufen müssten, andererseits zu strategischen Investoren an, die in der Regel weniger an der Marke, an der Belegschaft und an Fertigungsstandorten interessiert seien. Brockhaus versucht, das etablierte Management zu übernehmen, um gemeinsam zu wachsen. Mit Palas und der zweiten Akquisition, dem IT-Komponenten-Hersteller IHSE, zählt die Gesellschaft derzeit 200 Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete die AG nach eigenen Angaben einen Umsatz in Höhe von 54 Millionen Euro, der Gewinn vor Steuern lag bei 16 Millionen Euro.

Trotz des Börsengangs – es ist der dritte in diesem Jahr und der erste in Rhein-Main seit 2018 – ging die Corona-Krise auch nicht spurlos an der Gesellschaft vorbei: Die schlechte Auftragslage und verschobene Projekte sorgten dafür, dass die Umsatzerlöse dem Unternehmen zufolge im April und Mai deutlich unter Vorjahr lagen. Doch Brockhaus geht von einer vorläufigen Entwicklung aus und sieht den Tiefpunkt des Marktes überwunden. Setze sich der derzeit positive Trend fort, sollen 2020 ein Gewinnwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich und 2021 wieder ein zweistelliger Prozentwert angestrebt werden.

Corona hin oder her, Brockhaus, blickt optimistisch in die Zukunft. Schlecht geschlafen habe er zuletzt tatsächlich nur wegen zu viel Arbeit und nicht wegen Ängsten vor wirtschaftlichen Problemen. Und überhaupt sei Angst, wie er findet, in solchen Situationen „ein ganz schlechter Berater“.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Schleidt, Daniel
Daniel Schleidt
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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