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Insolvenz in Eigenregie

Frankfurter Restaurant-Kette Coa hat sich übernommen

Von Inga Janović
 - 13:30
Zentral: Die Filiale der Asia-Kette Coa an der Kaiserstraße

In den Restaurants ist von der Krise nichts zu spüren. Die Feuer unter den Woks lodern, die Kellner servieren, die Gäste kommen. Doch bei der Frankfurter Asia-Restaurantkette Coa brodelt es aktuell nicht nur in den Töpfen: Weil es sich eine viel zu hohe Schuldenlast aufgebürdet hat, musste das Unternehmen bereits vor mehr als einer Woche einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung stellen. Nun liegt die gerichtliche Genehmigung vor, und die Gläubiger müssen bangen, ob die Rechnungsbeträge und Kreditraten, die bis zum 30. September aufgelaufen sind, jemals beglichen werden.

Das betrifft nicht nur Lieferanten und Banken, sondern auch mehr als 700 Geldgeber, die Coa im vergangenen Sommer im Zuge einer Crowdfunding-Kampagne mit insgesamt 1,5 Millionen Euro ausgestattet haben. Ihre Investition ist rechtlich gesehen ein Nachrangdarlehen, das Risiko steht also schon im Namen: Bei der Verteilung einer Insolvenzmasse werden diese Ansprüche ganz hinten eingereiht. „Ob alles verloren ist, mag ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu sagen“, sagte Olaf Seidel, der seit Juni die Geschäfte der Coa Holding GmbH führt. Aber darauf, dass sie ihr Geld nicht in voller Höhe zurückerhalten, müssten sich diese Geldgeber wohl mindestens einstellen.

Eine bis dato glänzende Geschichte

Dass sich so viele Menschen gefunden hatten, welche die Coa Holding GmbH für eine gute Investition hielten, lag einerseits am versprochenen Zinssatz von 7,5 Prozent, vor allem aber an der bis dato glänzenden Geschichte des einstigen Start-ups vom Main. 2005 hatten die Brüder Alexander und Constantin von Bienenstamm ihr erstes Restaurant an der Schillerstraße unweit des Börsengebäudes eröffnet. Die Gründer sind in Hongkong geboren und aufgewachsen, mit Coa, so erzählten sie in Interviews, hatten sie die Geschmäcker ihrer Kindheit nach Frankfurt holen wollen.

Nicht nur den Gastrokritikern gefiel das, gelobt wurden die Karte, die das Beste der asiatischen Küche vereine, die Frische der Zutaten und die aufwendig und individuell gestaltete Ausstattung des Restaurants. Mit diesem doppelten Sinn für Geschmack hoben sich die Frankfurter von der Vielzahl der Asia-Imbisse ab, und aus ursprünglich einem Restaurant wurde schnell eine Kette mit einem halben Dutzend Filialen in Frankfurt sowie Niederlassungen in Darmstadt, Mannheim, Hamburg, Berlin und sogar Prag.

Compass Group mit im Boot

Über eine Kooperation mit der Compass Group wurde die Marke Coa auch zum Kantinen-Caterer. 2017 machte das Unternehmen, das nicht allzu viele Zahlen herausgab, nach eigenen Angaben 15 Millionen Euro Umsatz. Unter dem Strich blieb allerdings nichts hängen, stattdessen wiesen die Geschäftsberichte Verluste aus. „Die Umsätze sind stetig gewachsen, aber dieses Geld floss sofort wieder ins Wachstum“, bestätigte der aktuelle Geschäftsführer Seidel. Und auch das reichte nicht, die Brüder mussten sich Geldgeber suchen. Genau mochte es Seidel nicht beziffern, aber die aufgehäuften Schulden liegen heute deutlich über zehn Millionen Euro.

Bereits 2015 ist die Frankfurter Investorengruppe Co-Investor eingestiegen, inzwischen ist sie Mehrheitseigentümer des Unternehmens. Co-Investor präsentiert sich im Internet als Geldgeber, der auf den Mittelstand spezialisiert ist, auch der Caterer Kofler & Kompanie und die Flughafen-Gastronomen Casualfood gehören zum Portfolio. Die Brüder von Bienenstamm halten die übrigen Anteile, haben sich aber aus dem operativen Geschäft der Coa Holding zurückgezogen. Constantin von Bienenstamm hat mit dem „Nosh“ in Sachsenhausen schon wieder ein neues Restaurantkonzept präsentiert. Diesmal stehen neben asiatischen auch mediterrane und deutsche Küchenklassiker auf der Karte. Zudem führt der Gründer zwei Coa-Filialen als Franchisenehmer.

„Jeden Standort kritisch ansehen“

Seine frühere Firma setzte derweil alles auf Wachstum, bis 2017 wollte man 20 Standorte haben, im Zuge der Crowdfunding-Kampagne war sogar einmal von 40 Filialen die Rede. 17 sind es aktuell. Höher steigt diese Zahl vorerst nicht mehr; dass Coa im Zuge der Insolvenz eine größere Zahl an Restaurants schließen muss, befürchtet Seidel allerdings auch nicht. „Wir werden uns jeden Standort kritisch ansehen. Aber unser operatives Geschäft läuft gut.“ Deshalb sei es dem Unternehmen so wichtig gewesen, eine Insolvenz in Eigenverwaltung bewilligt zu bekommen. In dieser Konstellation dürfen die Restaurants offen bleiben. Von den 375 Mitarbeitern sei bislang keiner entlassen worden. Auf der anderen Seite sei es gelungen, die Lieferanten bei der Stange zu halten, obwohl sie ja nun auf Forderungen sitzenbleiben könnten. „Die Leute stehen zu Coa, bislang hat noch keiner gesagt, dass er uns nicht mehr beliefert“, versicherte Seidel.

Einräumen muss er, dass seine Vorgänger die Expansion zu schnell vorangetrieben und an einigen Standorten auch zu große Flächen angemietet haben. Dabei habe man die eigenen Stärken aus den Augen verloren. Das soll nun anders werden. „Wir werden Coa nicht neu erfinden, sondern wollen uns stabilisieren und ein Stück weit auf unsere Wurzeln zurückbesinnen“, sagte Seidel. Bis 2020, so schätzte er, werde dieser Prozess dauern. „Dann können wir hoffentlich finanziell gesundet weitermachen.“

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Janovic, Inga
Inga Janović
Wirtschaftsredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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