Niedrig-Inflation in Hessen

Fleischliebhaber mussten draufzahlen

Von Falk Heunemann
06.01.2021
, 11:58
Wegen der Coronakrise sind die Preise in Hessen so stabil geblieben wie seit Jahren nicht. Allerdings haben sich zum Beispiel Lebensmittel zum Teil verteuert.

Krisen drücken auf die Preise, das hat sich auch im vergangenen Jahr gezeigt: In Hessen hat das Statistische Landesamt für das gesamte Jahr eine Inflationsrate von nur 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ermittelt. So gering war sie zuletzt 2016. Die Jahresrate bewegt sich damit am unteren Ende des Korridors von Null bis zwei Prozent, den die Zentralbank als optimal erachtet. In den letzten drei Monaten des Jahres 2020 war die Rate sogar leicht negativ, das heißt, jeder Euro wurde mehr wert.

F+ FAZ.NET komplett

Vertrauen Sie auf unsere fundierte Corona-Berichterstattung und sichern Sie sich 30 Tage freien Zugriff auf FAZ.NET.

JETZT F+ KOSTENLOS SICHERN

Hauptgründe für den geringen Preisanstieg waren zum einen der gesunkene Ölpreis und zum anderen die zeitweilige Senkung der Mehrwertsteuer. Heizöle und Kraftstoffe zum Beispiel haben sich 2020 im fast 14 Prozent verbilligt. Davon profitierten zum Beispiel Autofahrer und Hausbesitzer, die mit Heizöl heizen, nicht aber Stromkunden, da die Energieversorger die sinkenden Ölpreise offenbar nicht weitergaben. Ob die Mehrwertsteuersenkung im vollen Umfang an die Kunden weitergegeben wurde, lasse sich aus den Zahlen nicht ablesen, hieß es von den Statistikern aus Wiesbaden.

Mode wurde billiger, Friseure teurer

Deutlich billiger wurden aber auch zahlreiche Elektronik- und Einrichtungsartikel. Die Preise für Fernseher und Mobiltelefone etwa sanken bei um fast ein Zehntel, Mode wurde im Schnitt um sieben Prozent reduziert. Das lag nicht nur an der verringerten Mehrwertsteuer, sondern auch an den Nöten des Einzelhandels, die mit wegen der geringeren Kundenfrequenz ihre Preise senkten.

Bei Serviceleistungen dagegen wirkte sich die Steuersenkung nicht aus, sie verteuerten sich zum Teil sogar überproportional. Friseure etwa verlangten im Schnitt vier bis neun Prozent mehr, in Freizeiteinrichtungen waren es sieben Prozent mehr – womöglich, um die Einkünfteausfälle aus den eingeschränkten Öffnungszeiten und dem Lockdown zu kompensieren. Auch die Mieten stiegen weiter an, wenn auch mit einem Plus von 1,7 Prozent etwas geringer als in den Jahren davor.

Auch für Lebensmittel mussten die Hessen 2020 mehr zahlen, vor allem Fleisch, Obst und Milch verteuerten sich deutlich, während etwa Butter billiger wurde. Diese täglich beobachtbaren Preisveränderungen wirken sich aber in der Summe nur wenig auf die Inflation aus, da Lebensmittel insgesamt etwa ein Zehntel des sogenannten statistischen Warenkorbs ausmachen, mit dessen Hilfe Statistiker die Preisanstiege verfolgen und berechnen. Größte Posten sind darin die Mietkosten inklusive Nebenkosten (etwa ein Drittel) und die Ausgaben für Verkehr und Freizeit.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Heunemann, Falk
Falk Heunemann
Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot