Rechenzentren in Rhein-Main

Energieversorger machen ihren Kunden Konkurrenz

Von Inga Janović
21.04.2022
, 15:43
Gut gesicherte Kühlschränke für Datenserver: Rechenzentrum des Energieversorgers EVO in Offenbach
Der Betrieb von Rechenzentren lohnt sich, deshalb steigen gleich mehrere Energieversorger aus der Region in die Branche ein. Die Offenbacher sind hingegen schon wieder raus.
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In der Vergangenheit beschäftigte das Thema Rechenzentren die hiesigen Energieversorger vor allem als Dienstleister für Netzausbau und Stromversorgung. Aktuell jedoch steigen mehrere von ihnen selbst in das Geschäft ein, das als zukunftsträchtig und renditestark gilt. So ist die Offenbacher EVO seit einigen Jahren auf dem Feld aktiv, hat die Mainova aus Frankfurt ein eigenes Tochterunternehmen dafür gegründet, und die SÜWAG Energie AG veröffentlichte im März ihre Pläne für ein Rechenzentrumsgebäude im Hofheimer Stadtteil Marxheim.

Der Frankfurter Versorger SÜWAG, der mehrheitlich dem EON-Konzern gehört, plant zusammen mit der DC Datacenter Group und dem IT-Dienstleister Noris Network auf 11.000 Qua­dratmetern ein eigenes Rechenzentrum mit einer Anschlussleistung von 30 Megawatt, 2025 soll es in Betrieb gehen. Weil das Gebäude durch die warm laufenden Server viel Abwärme erzeugt, soll es in ein Nahwärmenetz eingebunden werden. Die SÜWAG wolle mit dem Einstieg ins Datacenter-Geschäft ihr „Dienstleistungsspektrum erweitern“, erklärte Vorstand Markus Coenen.

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Aus ähnlichen Motiven hat die Mainova bereits Anfang 2021 eine eigene Tochtergesellschaft mit dem Namen Mainova Webhouse gegründet. Die Monate seitdem vergingen mit der Planung und der Suche nach einem geeigneten Grundstück. Dieses wurde schließlich in der Gwinnerstraße im Frankfurter Osten gefunden, dort haben auch schon die Räumungsarbeiten für den Bau begonnen. Zumindest die ersten Teilbaugenehmigungen sollten den Angaben der Mainova zufolge in den nächsten Wochen erteilt werden. Das Unternehmen plant 10.500 Quadratmeter Fläche für die Rechner und ebenfalls eine Anschlussleistung von 30 Megawatt. Ende nächsten Jahres sollte zumindest der erste Teil des Neubaus in Betrieb gehen können.

Keine Angst vor verärgerten Platzhirschen

Nachdem die Mainova, die mehrheitlich der Stadt Frankfurt gehört, jahrelang große internationale Betreiber mit Strom und Netzausbau versorgt hat, will sie einem Unternehmenssprecher zufolge mit ihrem eigenen Rechenzentrum nun zeigen, wie die Zentren flächen- und energiesparend in die Stadt eingefügt werden können. Geplant ist, dass Mainova-Webhouse die Anlage selbst betreibt. Welche Unternehmen dort als Kunden einziehen, ist bisher nicht zu erfahren.

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Sorgen, dass es die bisherigen Platzhirsche der Branche, die zum Teil gute Kunden der Mainova sind, verärgern könnte, dass ihnen ausgerechnet ihr Stromversorger nun Konkurrenz machen will, scheint der Neueinsteiger nicht zu haben. Tatsächlich blieb derartige Kritik von privaten Betreibern wie Telehouse, NTT, Equinix oder Interxion (gesprochen: Interaction) nach allen bisherigen Ankündigungen der Energieversorger aus.

Auch der Versorger Kraftwerke Mainz-Wiesbaden AG (KMW), der zu gleichen Teilen den Städten Mainz und Wiesbaden gehört, jährlich zwei Terawattstunden Strom erzeugt und verkauft, plant den Einstieg ins Rechenzentren-Geschäft. Er verspricht ebenfalls, sauberer und ressourcensparender zu bauen, als es andere der gut 70 großen Datacenter in der Rhein-Main-Region getan haben. Möglich mache dies der ausgewählte Standort neben dem KMW-Kraftwerk auf der Ingelheimer Aue.

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Luft und Rheinwasser für die Kühlung

Das Projekt steckt in einer frühen Phase, eine Baugenehmigung gibt es noch nicht. Der Standort direkt am Rhein und neben dem Kraftwerk soll es aber ermöglichen, auf die sonst in Rechenzentren üblichen Notstrom-Dieselgeneratoren zu verzichten, die vor allem wegen der regelmäßigen Testläufe den Energieverbrauch erhöhen sowie Emissionen und Lärm verursachen. Statt der Generatoren soll bei Engpässen das nebenstehende Gaskraftwerk einspringen. Für die Kühlung will KMW Luft und auch Rheinwasser nutzen, das soll den Energieverbrauch weiter senken. So weit wie die technischen Pläne ist der Businessplan aber nicht. So hat der Energieerzeuger noch nicht entschieden, wer die Anlage betreiben wird oder welche Kunden die neu geschaffenen Serverflächen auf der Ingelheimer Aue einst nutzen könnten.

Die Energieversorgung Offenbach (EVO) ist schon früher als die anderen Versorger ins Datacentergeschäft eingestiegen. Neben ihrem Kraftwerk am Offenbacher Hafen stehen bereits zwei sogenannte Colocation-Gebäude: Ein markant grünes gehört dem Anbieter Maincubes, das zweite hat die EVO selbst im Jahr 2020 in einem Joint Venture mit dem französischen Betreiber Vantage Data Centers errichtet. Kürzlich kündigten die Geschäftspartner den Baubeginn des zweiten Rechenzentrums an, insgesamt sind am Standort drei geplant, mit einer Anschlussleistung von 55 Megawatt. Geplant sei bei dem Neubau, die Abwärme des Neubaus in das Fernwärmenetz der Stadt einzuspeisen.

Wobei diesmal allerdings die EVO nur das Grundstück und die notwendige Energie bereitstellt, alleiniger Betreiber der neuen wie auch der ersten Anlage wird Vantage Data Centers sein. Denn der Versorger, der mehrheitlich den Städten Offenbach und Mannheim gehört, hat seine Anteile an die Franzosen verkauft. Man wolle sich wieder auf das Kerngeschäft als Energieversorger konzentrieren, hieß es zur Begründung. Und man braucht das Geld: Der Gewinn aus dem Verkauf wird laut einem Sprecher investiert in den geplanten Ausbau der Hochspannungsnetze in der Stadt und dem Landkreis Offenbach.

Quelle: F.A.Z
Autorenporträt / Janovic, Inga
Inga Janović
Redakteurin im Regionalteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortliche Redakteurin des Wirtschaftsmagazins Metropol.
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