Datacenter-Firma kauft Campus

Die Frankfurter Straße der großen Kühlschränke

Von Thorsten Winter
14.07.2020
, 11:05
Einer der großen Rechenzentrums-Betreiber in Frankfurt kauft seinen Firmencampus und will ihn weiter ausbauen. Auch das alte Neckermann-Gelände soll bald reihenweise Hochleistungsrechner beherbergen.

Die Stadt Frankfurt möchte die ungebremst auf Wachstumskurs befindliche Branche der Rechenzentrums-Betreiber gerne „clustern“. Derweil schaffen Unternehmen aus diesem Wirtschaftszweig weiter Fakten. Interxion meldet den Kauf seines Datacenter-Campus an der Hanauer Landstraße in Frankfurt. Dort befindet sich die deutsche Zentrale des niederländischen Unternehmens, das an der Börse gelistet ist und zum Konzern Digital Realty gehört. Das 43.000 Quadratmeter große Gelände umfasst auch neun Rechenzentren. Sie beherbergen unter anderem Hochleistungsrechner des Betreibers des größten Internetknotens der Welt, De-Cix.

40 Prozent des Campus seien derzeit an 21 Kunden mit einer durchschnittlich verbleibenden Mietdauer von etwa vier Jahren verpachtet. „Nach Auslaufen der Pachtverträge wird das Gelände voraussichtlich von Interxion zur Errichtung weiterer Rechenzentrumskapazitäten erschlossen“, heißt es in der Mitteilung von Interxion. Einen Kilometer weiter westlich plant das Unternehmen ein weiteres Projekt auf noch größerer Fläche.

In der Nachbarschaft stehen weitere Immobilien dieser Art von Interxion. Die Firma besitzt nun alle 15 Rechenzentren am Main, wie sie meldet. Wie ihre Konkurrenten sorgt sie für eine in aller Regel unterbrechungsfreie Stromversorgung sowie Kühlung der Gebäude. Dies ist notwendig, weil die Rechner viel Wärme abgeben. Datacenter werden deshalb auch augenzwinkernd als große Kühlschränke bezeichnet. Ihr Strombedarf ist enorm. Eine solche Immobilie saugt gemeinhin so viel Strom ab wie eine Kleinstadt.

Datacenter statt Werkzeugbauer?

Die Ballung an Rechenzentren von Interxion an der Hanauer Landstraße macht das Unternehmen neben E-Shelter in Rödelheim und dem Konkurrenten Equinix, der mehrere Standorte über die Stadt am Main verteilt hat, zu den großen Anbietern von Flächen für Hochleistungsrechner von Kunden aus allen möglichen Wirtschaftszweigen. Dazu zählen Telekom- und Internetunternehmen ebenso wie Händler, Versicherer, Banken, Industrieunternehmen, Gaming-Anbieter und vermehrt auch Mittelständler, wie es aus der Branche heißt. Auch Equinix hat gerade neue Flächen in Frankfurt angekündigt.

Frankfurt beherbergte nach einer Borderstep-Studie schon vor Jahren ein Viertel der großen Datacenter in Deutschland, mittlerweile dürften es angesichts des Wachstums noch mehr sein. So hat auch Telehouse an der Kleyerstraße weitere sogenannte Co-Location-Flächen geschaffen. In einem Gewerbegebiet im Stadtteil Sossenheim ist in den vergangenen Jahren der jüngste Datacenter-Standort in Frankfurt entstanden. Die neueste Spekulation lautet, das noch vom Werkzeugbauer Günter & Co. belegte Gelände an der Eschborner Landstraße in Rödelheim dürfte an einen Datacenter-Betreiber gehen. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich der Campus von E-Shelter.

Interxion hat derweil schon die nächste Expansion im Blick: Die Firma erwirbt das frühere Neckermann-Gelände an der Hanauer Landstraße in zwei Schritten; Anfang nächsten Jahres soll das Geschäft mit „der endgültigen Eigentumsübertragung abgeschlossen sein“. Der Kauf des Geländes mit seinen etwa 107.000 Quadratmetern ermögliche zusätzliche IT-Kapazitäten von bis zu 180 Megawatt sowie einen vollständigen Anschluss an den bestehenden Campus.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Winter, Thorsten (thwi)
Thorsten Winter
Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.
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